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Operationsverstärker
und
Instrumentationsverstärker

Operationsverstärker und Instrumentationsverstärker

Käufer Elektronik-Workshop Kundenmeinung:
Mein Lob gilt der übersichtlichen und schönen Darstellung und der guten didaktischen Aufbereitung. Selten werden Schaltungen so gut erklärt, dass es auch noch Spaß macht sich damit zu beschäftigen.

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Timer 555

Timer 555

Käufer des Timer-Buchs Kundenmeinung:
Hätte ich das Timer-Buch schon früher gehabt, dann hätte ich mir die Rumfrickelei am NE555 sparen können.

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Elektronik-Fibel

Die Elektronik-Fibel, das Elektronik-Buch

Käufer der Elektronik-Fibel Kundenmeinung:
Die Elektronik-Fibel ist einfach nur genial. Einfach und verständlich, nach so einem Buch habe ich schon lange gesucht. Es ist einfach alles drin was man so als Azubi braucht. Danke für dieses schöne Werk.

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Operationsverstärker I


  • Das Inhaltsverzeichnis meiner Elektronik-Minikurse

  • Die Philosophie meiner Elektronik-Minikurse
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Hilfe bei Leserfragen.
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg

  • Autor:   Thomas Schaerer           Buch 1    Buch 2

  • Inhaltsverzeichnis

        1.   Einleitung   (Sehr wichtig, bitte exakt lesen!)

        2.   Der virtuelle GND oder die virtuelle Spannung bei der invertierenden Verstärkung

          2.1   Sprunghafte Änderung von Ue und die Folge

          2.2   Leerlaufverstärkung, Differenzspannung und Frequenz

          2.3   Grenzfrequenz, Slewrate und Leistungsverbrauch

          2.4   Eine kleine Software-Unterstützung für (Ex-)ATARIaner

          2.5   Anstelle GND eine variable Referenzspannung

          2.6   Extra-Link zum Thema virtuelle Spannung

          2.7   Der Eingangswiderstand bei der invertierenden Verstärkung

        3.   Die virtuelle Eingangsspannung bei der nichtinvertierenden Verstärkung

          3.1   Der Eingangswiderstand bei der nichtinvertierenden Verstärkung

        4.   GND oder Referenzspannung, ja nach Art der Schaltung

        5.   Die Ub/2-Referenz und der synthetische GND

        6.   Was ist der Piezoeffekt?

        7.   Weitere Elektronik-Minikurse zum selben Thema




      1.  Einleitung

    Dieser erste Elektronik-Minikurs über Operationsverstärker befasst sich mit der invertierenden und nichtinvertierenden Verstärkung. Thematisiert wird der virtuelle GND, bzw. die virtuelle Spannung, und warum die Differenzspannung im eingeschwungenen Zustand (fast) immer 0 V sein muss. Ebenfalls werden die DC-Offsetspannung und die Kompensationsmethoden, die Arbeitspunktspannung (Referenzspannung), wenn nur eine Betriebsspannung (single-supply) zur Verfügung steht und die Geschwindigkeitsgrenzen des Operationsverstärkers thematisiert. Dabei wird ausführlich erklärt was die Unity-Gain-Bandbreite und die Slewrate ist und wie man damit, an einem praktischen Beispiel gezeigt, umgeht.

    Es wird gezeigt, wie man eine einfache Messschaltung für Hochspannung realisieren kann. An anderer Stelle lernt man wie bei einer Schaltung zur Erzeugung einer aktiven Referenzspannung eine ungewollte störende parasitäre Induktivität entstehen kann, wenn man diese Schaltung nicht richtig dimensioniert, was allerdings keine schwierige Sache ist. Ein interessantes aber störendes Phänomen erzeugen Keramik- oder Multilayerkondensatoren als akustische Wandler (Piezoeffekt). Es geht darum, wie man dies durch vernünftige Dimensionierung von RC-Schaltungen vermeidet.

    All diese Inhalte machen diesen Elektronik-Minikurs umfangreich. Dies ist unvermeidbar, weil diese Inhalte in der elektronischen Realität gemeinsam betrachtet werden müssen. All diese Eigenschaften beim Einsatz von Schaltungen mit Operationsverstärkern werden hier mit Bild und Wort vermittelt. Ich versuche den Inhalt lebendig zu gestalten und so wird die Elektronik erfahrbar, wenn der Azubi bereit ist, selbst mit dem Gelernten praktisch zu experimentieren. Simulieren mittels Software ersetzt das Experimentieren nicht! Trotzdem hat beides seine Daseinsberechtigung. Mehr zu diesem Thema liest man in Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg. Die Mathematik halte ich so knapp wie nötig. Dazu gibt es genügend Literatur die diesen und die weiteren Elektronik-Minikurse ergänzen.

    Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf die folgenden Grundlagenkurse über Operationsverstärker von Patrick Schnabel (Inhaber des Elektronik-Kompendium) aufmerksam machen. Wenn man noch nichts oder nur sehr wenig über Operationsverstärker weiss, dann empfiehlt sich der Einstieg mit diesen Grundlagen. Sie vermitteln u.a. das Wissen wie man einfache invertierende und nichtinvertierende Verstärkerschaltungen berechnet. Die Inhalte sind anschaulich und praxisbezogen gestaltet. Man findet diese Seiten in:


    Auf englisch heisst der Operationsverstärker Operational-Amplifier. Abgekürzt bezeichnet man ihn auch im deutschsprachigen Raum oft als Opamp. Ganz korrekt müsste man OpAmp schreiben, wobei man in der Fachliteratur sehr oft auch Opamp liest. In meinen Elektronik-Minikursen kommen immer wieder beide Begriffe, also Operationsverstärker und Opamp, vor.

    Opamps sind wesentlich komplexer als es beim Elektronikbeginner den Anschein erweckt. Dies kommt hier darin zum Ausdruck, dass ein Kapitel sich nicht nur gerade auf seinen Untertitel fixiert. So steht im folgenden Kapitel das Thema der virtuellen Masse, bzw. virtuellen GND (Ground), auch in einem gewissen Zusammenhang mit der Geschwindigkeit des Opamp, die in der Grenzfrequenz bei Verstaerkung von 1 und in der Anstiegsgeschwindigkeit zum Ausdruck kommt.

    SEHR WICHTIG! Im Laufe der Jahre stellte ich fest, dass es immer wieder schwierig ist, die Eigenschaft der virtuellen Masse oder der virtuellen Spannung anschaulich mit Worten zu erklären. Es zeigte sich allerdings, dass es eine relativ einfache Sache ist, die verstanden werden muss. Danach ist für den Azubi, ob Lehrling oder Student, das Problem vom Tisch. Damit auch der Leser dieses Opamp-Minikurses diesen herunterfallenden Groschen erleben kann, bevor er hier weiterliest, bitte ich darum für kurze Zeit zum Kapitel "Wie kommt es zur virtuellen Masse (GND)?" umzuschalten in:



      2.   Der virtuelle GND oder die virtuelle Spannung bei der invertierenden Verstärkung

    Keine Angst, wir begeben uns nicht in virtuelle Welten. Dieses Terrain überlassen wir lieber den (Online-)Gamer. Wir bleiben seriös auf dem Boden der Realität der Opamp-Elektronik und befassen uns zunächst mit der einfachsten invertierenden Verstärkerschaltung. Diese hat einen virtuellen GND oder eine virtuelle Spannung, je nach dem...

    Bild 1 illustriert den bekannten invertierenden Verstärker. Der nichtinvertierende Eingang des Opamp hat GND-Pegel, wobei die Schaltung bipolar (dual-supply) gespiesen wird mit +Ub, -Ub und GND. Wenn +Ub gleich gross ist wie -Ub, nennt man die Speisung auch symmetrisch. GND liegt in der Mitte zwischen +Ub und -Ub, was üblich ist. Der GND-Pegel ist hier die Arbeitsspannung, der Arbeitspunkt oder die Referenzspannung, wie man es auch immer zu nennen pflegt. Nun wollen wir wissen, wie gross die Spannung U1 am invertierenden Eingang ist. U1 bezieht sich wie Ue und Ua ebenso auf GND. Wir wollen dabei gleich noch etwas wissen, nämlich ob U1 abhängig von der Eingangsspannung Ue ist. Da der nichtinvertierende Eingang mit GND verbunden ist, entspricht U1 ebenso dem GND-Pegel, weil die Differenzspannung Ud = 0 V ist, wenn Ue einen stationären Pegel hat oder Ue sich relativ zur Geschwindigkeit des Opamp nur langsam ändert. Anders formuliert: Die Signalfrequenz an Ue ist wesentlich niedriger als die Grenzfrequenz und die Anstiegsgeschwindigkeit (Slewrate) der Opampschaltung, wobei die Grenzfrequenz von der Verstärkung, gegeben durch R2/R1, definiert ist.


      2.1   Sprunghafte Änderung von Ue und die Folgen

    Wir bleiben bei Bild 1. Wir gehen davon aus, dass Ue auf 0 Volt, also auf dem GND-Pegel liegt. Nun schalten wir Ue sehr schnell auf 1 VDC. Da Ua im ersten Augenblick noch 0 VDC (GND-Pegel) hat, springt Ud und U1 kurzzeitig auf den Wert:

      U1 = Ud = Ue * (R2 / (R2 + R1))
      U1 = Ud = 1V * (200k / (200k + 100k)) = 0.66V


    Warum sind es 0.66 VDC? Im allerersten Augenblick nach dem Spannungssprungs an Ue sieht's so aus, als ob der Opamp gar nicht existiert. Er hat mit seiner Arbeit noch gar nicht begonnen. R1 und R2 wirken noch als passive Spannungsteiler, wie dies oben die Formel ausdrückt. Die "Weckzeit" des Opamps bis er richtig zu arbeiten beginnt, ist je nach Typ aber sehr kurz. Diese Zeit kann zwischen wenigen Microsekunden bis weniger als einer Nanosekunde liegen, wobei dies dann die absoluten Speedy-Conzales unter den Opamps sind.

    Wegen der hohen Leerlaufverstärkung (Open-Loop-Gain), der starken Gegenkopplung mit R1 und R2 (niedrige Verstärkung, Closed-Loop-Gain) und der hohen Reaktionsgeschwindigkeit des Opamp sinkt die Ausgangsspannung Ua rasch ab auf negative Spannungswerte. Dadurch reduzieren sich Ud und U1 ebenso rasch. Ua ändert sich so lange, bis die Differenzspannung Ud praktisch 0 VDC erreicht hat. Dies ist dann der Fall, wenn sich im vorliegenden Beispiel Ua auf -2 VDC eingstellt hat.

    Wieso sind es -2 VDC? Die virtuelle Spannung U1 liegt jetzt (fast) auf GND-Pegel, also 0 VDC. Die Spannung von Ue = 1 VDC liegt somit auch über R1. Der Strom von Ue über R1 und R2 in Richtung Ua bleibt gleich gross, weil der sehr geringe Biasstrom am invertierenden Eingang vernachlässigt werden kann. Da R2 doppelt so gross ist wie R1 und über R1 die Spannung von 1 VDC liegt, muss logischerweise über R2 eine Spannung von 2 VDC liegen. Da R2 links auf 0 VDC (virtueller GND, U1) liegt, muss Ua folgerichtig eine Spannung von -2 VDC haben. So einfach ist das.

    Wichtig! Es muss einem nur klar werden, dass der gegengekoppelte Opamp immer zum Ziel hat, eine ihm aufgezwungene Differenzspannung Ud, so schnell er eben kann, fast vollständig zu beseitigen. Dies ist seine eigentliche regelungtechnische Aufgabe, die durch die sehr hohe Leerlaufverstärkung zustande kommt. Mehr dazu liest man in Operationsverstärker III im Kapitel "Wie kommt es zur virtuellen Masse (GND)?" - falls man es noch nicht gelesen hat, wie in der "Einleitung" darauf hingewiesen wird.

    Die invertierende Verstärkerschaltung kann aber auch dämpfen, nämlich dann wenn R2 kleiner ist als R1. Eine solche aktive Dämpfung macht dann Sinn, wenn der Ausgangswiderstand von Ua besonders niederohmig sein soll. Wenn R1 und R2 gleich gross sind, invertiert die Schaltung in Bild 1 mit einer Verstärkung von -1. Die Verstärkung ist wegen der Spannungsinversion immer negativ. Die Formel dazu sieht man in der punktierten Box auf der rechten Seite in Bild 1.

    Bei mittelschnellen Opamps liegt die Anstiegsgeschwindigkeit im 100ns- bis in den µs-Bereich innerhalb einer definierten Spannungsänderung. Der LF356 hat eine Anstiegsgeschwindigkeit von 12 V/µs. Das bedeutet, wenn am Eingang ein sehr schneller Spannungssprung erfolgt, ändert der LF356 seine Ausgangsspannung mit einer maximalen Geschwindigkeit von 12 V pro Mikrosekunde. Mann nennt diese Anstiegsgeschwindigkeit Slewrate. Im eingeschwungenen Zustand des Opamp hat Ud immer einen praktischen Wert von 0 V, und dies unabhängig von Ue. Praktisch bedeutet hier, dass Ud nicht exakt 0 V sein kann, weil die Leerlaufverstärkung des Opamp nicht unendlich hoch ist. Sie ist sogar stark frequenzabhängig, d.h. je grösser die Signalfrequenz am Eingang ist, um so geringer ist Leerlaufverstärkung und damit das Verhältnis von ihr zu Verstärkung, die durch die R2/R1-Gegenkopplung definiert ist. Ist dieses Verhältnis klein, misst man auch eine entsprechend grosse Differenzspannung Ud. Man studiere dies in einem Opamp-Datenblatt und man teste dies selbst an einem Experiment. Dies beeindruckt am meisten. Dieser dynamische Einschwingvorgang wird auch in Operationsverstärker III thematisiert.

    Weil der nichtinvertierende Eingang beim Opamp mit GND verbunden und Ud = 0 VDC ist, liegt der invertierende Eingang (U1) ebenfalls auf GND-Potential. Da dieser U1-Spannungszustand jedoch durch den Regelvorgang der Gegenkopplung eines Verstärkers mit hoher Leerlaufverstärkung zustande kommt und U1 nicht wirklich mit GND identisch ist, nennt man diesen GND-Pegel am invertierenden Eingang, die virtuelle Masse oder den virtuellen GND. Um die Ausgangsspannung Ua zu berechnen, gilt folgende Knotenregel:

      (Ue / R1) + (Ua / R2) = 0

    Daraus folgt das Ergebnis:

      Ua = Ue * -(R2 / R1)
      Ua = 1V * -(200k / 100k) = -2V


    Theoretisch gilt die Knotenpunktregel (der Punkt an dem gleich viel Strom zu- und abfliesst: invertierender Eingang) und die Berechungsformel für die Verstärkung nur dann exakt, wenn die Leerlaufverstärkung des Opamp unendlich hoch wäre. Dies gibt es natürlich nicht, wie bereits weiter oben erklärt ist. Trotzdem ist für die meisten Anwendungen diese Formel genügend präzise, weil die Leerlaufverstärkung um viele Grössenordnungen meist grösser ist als die gegenkoppelte Verstärkung, gegeben durch R2/R1. Es ist aber sehr wichtig, dass einem klar ist, dass die sehr hohe Leerlaufverstärkung von Opamps nur bei DC-Anwendungen und bei Anwendungen mit, relativ zur Unity-Gain-Frequenzbandbreite, niedrigen Frequenzen gilt. Man sollte dazu im Datenblatt eines Opamp das Diagramm Open-Loop-Frequency-Response studieren!

    Leerlaufverstärkung heisst auf englisch Open-Loop-Gain und die Verstärkung welche durch die Gegenkopplung definiert wird, also eine geschlossene Schlaufenverstärkung ist, Closed-Loop-Gain. Die Leerlaufverstärkung sagt aus, wie gross die Verstärkung des Opamp ist, wenn keine Gegenkopplung wirkt.


      2.2   Leerlaufverstärkung, Differenzspannung und Frequenz

    Bei dem bereits etwas betagten Opamp LF356, der aber für sehr viele Anwendungen auch noch heute sehr aktuell ist, beträgt die Leerlaufverstärkung zwischen DC und etwa 50 Hz 105 dB (~180'000). Selbst dann, wenn man eine gegengekoppelte Verstärkung von 40 dB (100) oder auch mehr hat, ist das Verhältnis zur Leerlaufverstärkung bei dieser niedrigen Frequenz so gross, dass die differenzielle Eingangsspannung Ud praktisch 0 V ist. Bei einer Frequenz von 1 kHz beträgt die Leerlaufverstärkung allerdings nur noch 70 dB (~3200). Auch das ist noch viel für eine gegengekoppelte Verstärkung von 40 dB (100) und Ud bleibt noch immer vernachlässigbar niedrig. Bei 20 kHz - diese Bandbreite empfiehlt sich für HIFI-Audioverstärker - beträgt die Leerlaufverstärkung gerade noch 48 dB (250). Hier wäre die einfache Berechnungsformel (Bild 1) für die gegengekoppelte Verstärkung von 40 dB (100) doch etwas ungenau. Realisiert man jedoch einen Audioverstärker mit einer Bandbreite von eben diesen 20 kHz, d.h. eine Amplitudendämpfung von 3 dB bei dieser Grenzfrequenz, so darf man getrost eine gegengekoppelte Verstärkung von 40 bis 46 dB mit diesem LF356 mit der einfachen Formel (Bild 1) dimensionieren. Es spielt für eine Audioanwendung überhaupt keine Rolle, dass bei der Grenzfrequenz Ud nicht mehr bis auf fast 0 V hinunter geht. Diese Abweichung verursacht übrigens die Dämpfung von 3 dB bei der Grenzfrequenz.

    Bei einer Frequenz von 5 MHz beträgt die Leerlaufverstärkung beim LF356 gerade noch 0 dB (1). Dies nennt man die Unity-Gain-Bandbreite oder auch das Gain-Bandwidth-Product (Verstärkungs-Bandbreite-Produkt). Man studiere bitte selbst das Datenblatt des LF356 von National Semiconductor und man betrachte das Diagramm Open-Loop-Frequency-Response. Man sieht in diesem Diagramm sehr schön, dass die 3dB-Frequenzbandbreite bei einer gegengekoppelten Verstärkung (Closed-Loop-Gain) von 46 dB (200) gerade noch 25 kHz beträgt. Multipliziert man die gegengekoppelte Verstärkung von 200 mit der wirksamen Frequenzbandbreite von 25 kHz, kommt man auf den Wert der Unity-Gain-Bandbreite von 5 MHz. Damit wissen wir auch, wie die nutzbare Frequenzbandbreite (Grenzfrequenz fg) aus der Unity-Gain-Bandbreite - oft als Gain-Bandwidth-Product = GBW bezeichnet - und der gegengekoppelten Verstärkung berechnet wird:

      fg = fGBW / GainClosed-Loop
      Beispiel: 25kHz = 5000kHz / 200


    Wir wissen nun, dass bei höheren Frequenzen Ud nicht mehr Null sein kann. Es stellt sich die Frage, ob dann die Bezeichnung virtueller GND noch angebracht ist. Die typische Radio-Eriwan-Antwort: Im Prinzip ja, weil der Spannungsmittelwert noch immer 0 V ist. Es ist bloss die AC-Spannung welche sich an Ud leicht bemerkbar macht und dazu kommt, dass die Frequenzanteile weit unterhalb der Grenzfrequenz sich auf Ud fast nicht auswirken.


      2.3   Grenzfrequenz, Slewrate und Leistungsverbrauch

    Wir haben zwei Arten der Geschwindigkeitsgrenzen des Opamp kennengelernt. Die eine ist die Slewrate, die maximale Anstiegsgeschwindigkeit, mit der die Ausgangsspannung einer sprunghaften Änderung der Eingangsspannung folgen kann. Die andere Art ist die Grenzfrequenz, welche durch die Unity-Gain-Bandbreite (Gain-Bandwidth-Product) und durch die gegengekoppelte Verstärkung bedingt ist. Da stellt sich natürlich die Frage, bei welchen Kriterien gilt die Slewrate und bei welchen die Unity-Gain-Bandbreite mit der Verstärkung (= Grenzfrequenz) als Limit. Das ist gar nicht so einfach. Es kommt ganz darauf an, wie die Slewrate und die Unity-Gain-Bandbreite zusammenpassen. Es gibt z.B. Opamps mit besonders geringem Leistungsverbrauch und recht hoher Unity-Gain-Bandbreite. Dies äussert sich dann darin, dass selbst bei relativ hoher gegengekoppelter Verstärkung, die Frequenzbandbreite trotzdem relativ hoch ist. Allerdings nur dann, wenn die Amplitude am Ausgang klein bleibt. Bei relativ grosser Amplitude, würde man u.U. ein stark verzerrtes Sinussignal auf dem Bildschirm des Oszilloskopen beobachten. Diese Verzerrung wird dann durch die zu niedrige Slewrate verursacht und diese Slewrate kann einfach wegen dem zu geringen Leistungsverbrauch der Betriebsspannung nicht grösser sein. Legt man Wert darauf, dass bei relativ hoher Grenzfrequenz der Opamp auch bis fast zur Betriebsspannung unverzerrt ausgesteuert werden kann, muss man auf leistungsarme Opamps verzichten. Für den niederfrequenten Bereich (z.B. Audio) haben sich die tradionsreichen JFET-Opamp LF356 (single), TL071 (single), TL072 (dual) und TL074 (quad) sehr gut bewährt. Diese TL07x-Familie ist von Texas-Instruments und ebenso die sogenannte Excalibur-Familie TLE2021 (single), TL2022 (dual) und TLE2024 (quad).

    Wir wissen bereits wie man die Grenzfrequenz aus der Unity-Gain-Bandbreite, aber noch nicht wie man die Slewrate aus der Frequenzbandbreite und der Amplitude berechnet. Es setzt voraus, dass man weiss wie hoch die maximale Frequenz und die maximale Amplitude am Ausgang eines Opamp sein soll. Dann berechnet man die Slewrate mit der folgenden Formel:

       SR = 2 * PI * fg * Up

    SR ist die die Slewrate in V/µs, fg ist die Grenzfrequenz in MHz und Up ist die Sinus-Scheitelspannung.

    Berechnungsbeispiel: Man benötigt einen Opamp für eine maximale Ausgangsspannung von Up = 10 Vp und eine maximale Frequenz von 20 kHz. Dies ergibt eine Slewrate von 1.62 V/µs. Warum gerade 10 Vp? Einfacher Grund, es gibt A/D-Wandler mit maximalen Eingangsspannungen von ± 10 V und die Digitalisierung von analogen Signalen ist ja nicht gerade eine seltene Anwendung.

    Wir gehen noch ein Schritt weiter und verlangen von diesem Opamp eine Verstärkung von 100 (40 dB). Bei einer Frequenz-Bandbreite von 20 kHz muss der gesuchte Opamp eine Unity-Gain-Bandbreite von mindestens 2 MHz aufweisen. Wir entscheiden uns für den altbekannten und preiswerten LF356 und bemerken, dass er sich mit einer Slewrate von 12 V/µs und einer Unity-Gain-Bandbreite von 5 MHz hervorragend eignet, weil er liefert eine Bandbreite von 50 kHz (Gain = 100) und erlaubt bei einer maximalen Sinus-Scheitelwertspannung von 10 Vp eine maximale Frequenz von 190 kHz. Wozu diese hohe Slewrate gut sein soll, kann man sich fragen. Einfache Antwort: Diese Slewrate verursacht bei einer maximalen Frequenz von 20 kHz kein nennenswerter Klirrfaktor. Sollte die Frequenzbandbreite von 50 kHz bei der maximalen Frequenz von 20 kHz zuviel "klirren", kann man den schnelleren Bruder LF357 einsetzen, der eine Slewrate von 50 V/µs (= 790 kHz bei 10 Vp) aufweist. Aufgepasst, der LF357 ist mit UGB = 20 MHz zwar schneller, erlaubt aber keine gegengekoppelte Verstärkung die kleiner ist als 5, sonst bestraft er den Anwender, in dem sich der Verstärker als Oszillator benimmt.

    Wenn die Verstärkerschaltung mit einer Batterie gespiesen wird und ein Opamp in Frage kommen muss, der weniger Leistung verbraucht, muss man sich nach einem Lowpower-Opamp mit einer niederigeren Slewrate umsehen, die aber venünftigerweise noch immer etwa doppelt so hoch ein sollte, wie man errechnet hat, also etwa 3 bis 3.5 V/µs. Da kämen z.B. TL061 (single), TL062 (dual) oder TL064 (quad) in Frage. Allerdings rauscht diese Opamp-Familie wesentlich mehr als die TL07x-Familie. Das Rauschen ist Thema des Elektronik-Minikurses Rauschdämpfung mit Tiefpassfilter. Es gibt moderne Opamp bei denen die widersprechenden Qualitätsmerkmalen von Leistungsverbrauch (es geht dabei um die Ströme welche durch gewisse Transistoren fliessen), Rauschen, Slewrate und Unity-Gain-Bandbreite weniger drastisch sind, wie z.B. bei der genannten Excalibur-Familie.


      2.4   Eine kleine Software-Unterstützung für (Ex-)ATARIaner

    Etwa Ende der 1980er bis weit in die 1990-Jahre programmmierte ich für den persönlichen Bedarf etliche Elektronikrechenprogramme auf einem ATARI-ST-Computer mit dem Betriebssystem TOS-1.04. Diese Programme stellte ich damals, inklusive der Quelltexte in TURBO-2.0-C und GFA-3.5-BASIC, auch gewissen gutgepflegten FTP-Servern für den Download für jedermann zur Verfügung. Ein solcher Server war damals an der Technischen Universität Berlin, den man allgemein für Public-Domain-Programme sehr schätzte.

    Seit ich im Elektronik-Kompendium mitwirke, stehen diese Programme auf dem ELKO-FTP-Server zur Verfügung:

    In dieser Programmsammlung gibt es ein Programm mit der Bezeichnung ELECFORM. Eines der Unterprogramme heisst "Operationsverstärker: Slewrate/Bandbreite/Spannung". Wenn jemand im Besitze eines ollen ATARI-(Mega-)ST-Computers ist oder einen Emulator (z.B. STEEM) mit TOS-1.04 oder TOS-2.06 benutzt, kann man dieses ELECFORM.TOS (reine TOS-Anwendung), aber auch alle andern ELEC2000-Programme, problemlos einsetzen.


      2.5   Anstelle GND eine variable Referenzspannung

    Wir kommen nun zu Bild 2 und wir betrachten, worin sich diese Schaltung von der in Bild 1 unterscheidet:

    Der nichtinvertierende Eingang des Opamp ist nicht wie in Bild 1 mit GND verbunden. Hier kann man den GND-Pegel (Referenzspannung Ur) mit dem (Trimm-)Potmeter P zwischen +Ub und -Ub einstellen. Wozu soll das denn gut sein?

    Wenn eine AC-Spannung am Eingang mit einer DC-Spannung (DC-Offsetspannung) überlagert ist, kann man mit P diese DC-Offsetspannung kompensieren, damit die AC-Spannung Ua sich auf GND bezieht. Der Opamp dient hier bei als Verstärker und als Subtrahierer. Diese Methode ist vor allem dann die richtige Lösung, wenn sehr niederfrequente Eingangsspannungen mit möglichst konstanter Amplitude oder sogar DC-Spannungen verstärkt werden müssen. Für reine AC-Anwendungen gibt es die alternative Möglichkeiten den DC-Anteil mittels eines in Serie zu R1 geschalteten Kondensators zu entkoppeln. Dieses R1*C-Glied wirkt dann als passives Hochpassfilter mit einer typisch unteren Grenzfrequenz. Siehe dazu Teilbild 8.1 mit R1 und C1.

    Rechts von P ist P gleich nocheinmal, jedoch mit je einem Seriewiderstand in Richtung +Ub und -Ub. Wenn man diese Schaltung benutzt, verkleinert man den Einstellungsbereich von P. Dies erleichtert den präzisen Abgleich enorm, wenn es kleine DC-Offsetspannungen sind, die möglichst genau auf Null kompensiert sein müssen. Wenn die DC-Offsetspannung nur eine bestimmte Polarität haben kann, darf man das eine Ende des Potmeter (oder der eine Widerstand) mit GND verbinden. Ist nur eine positive DC-Offsetspannung möglich, liegt das Potmeter (mit den Widerständen) zwischen +Ub und GND, ist sie negativ zwischen -Ub und GND. Kondensator C unterdrückt eine allfällige mittel- bis hochfrequente Spannungseinkopplung in die Verstärkerschaltung über den nichtinvertierenden Eingang. Dies ist besonders dann empfehlenswert, wenn es in der Nähe AC-Spannungen hat, welche kapazitiv eingekoppeln können. Beim Printdesign muss man hierbei sehr aufpassen, ob man gewisse Leitungen parallel verlegen darf oder nicht.

    Wir kommen nun zu Bild 3:

    Es geht hier um die selbe Schaltung wie in Bild 2. Allerdings wollen wir uns hier damit beschäftigen, wie sich die Referenzspannung Ur auf die Ausgangsspannung Ua auswirkt. Das ist eigentlich ganz einfach, wenn man erkennt, dass man es von der Seite des nichtinvertierenden Eingangs (Ur) mit der Berechnungsformel für nichtinvertierende Verstärkung zu tun hat. Man muss sich zunächst bloss vorstellen, dass Ue GND-Potential hat. Die extern angeschlossene Spannungsquelle hat 0 VDC und sein Innenwiderstand Rq ist im Verhältnis zu R1 sehr niedrohmig. Wenn Ur z.B. einen Wert von 1 VDC hat, hat Ua, gemäss vorliegender Dimensionierung mir R1 und R2, einen Wert von 3 VDC. Siehe kleingeschriebene Zahlen. Es gilt dafür die Formel im punktierten Rahmen, wobei Ue = 0 VDC ist.

    Wir kommen zu Bild 4:

    Bild 4 unterscheidet sich von Bild 3 bloss darin, dass an Ue eine DC-Spannung vorliegt. Wir überlegen uns jetzt, wie gross ist diese DC-Offsetspannung, damit die DC-Spannung an Ua von 3 VDC (Bild 3) auf den GND-Pegel kompensiert wird. Von der Ue-Seite haben wir es mit der invertierenden Verstärkung zu tun. Bei vorliegender Dimensionierung von R1 und R2 ergibt sich eine Eingangsspannung von Ue = 1.5 VDC. Fassen wir also zusammen: Wenn Ue = 1.5 VDC und Ur = 1 VDC ergibt sich Ua = 0 VDC.

    Betrachten wir dies jetzt unter dem Aspekt der virtuellen DC-Spannung von U1. Weil Ud = 0 VDC, ist U1 = Ur und Ur hat im vorliegenden Beispiel eine Spannung von 1 VDC. Weil Ue = 1.5 VDC und U1 = 1 VDC, entsteht über R1 ein Spannungsabfall von 0.5 VDC. Dieser Spannungsabfall über R1 erzeugt einen Strom. Dieser Strom fliesst aber ebenso durch R2 - der im vorliegenden Beispiel den doppelten Wert von R1 hat - zum Ausgang Ua des Opamp. Also entsteht an R2 ein Spannungsabfall von 1 VDC. Diese Spannung subtrahiert sich von der virtuellen Spannung U1 = 1VDC und so entsteht am Ausgang des Opamp Ua = 0 VDC, oder eben GND-Potential.

    Wir haben in diesem Gedankenexperiment den umgekehrten Vorgang durchgespielt. Es begann damit, sich zu fragen, wie sich Ur auf Ua auswirkt. Praktikabler ist es allerdings zu wissen, wie gross Ur sein muss, um eine DC-Offsetspannung an Ue zu kompensieren. Dem Leser sei empfohlen andere Werte für Ue einzusetzen und zu berechnen wie gross Ur sein muss um Ua auf 0 VDC zu kompensieren. Man kann dabei auch andere Werte für R1 und R2 wählen. Besonders empfehlenswert ist es solches an einer echten Testschaltung zu erproben und erfahren! Die Berechnungsformel steht im punktierten Kasten in Bild 4.


      2.6   Extra-Link zum Thema virtuelle Spannung

    Dieser Elektronik-Minikurs zeigt wo es beim Opamp zur sogenannten virtuellen Spannung oder virtuellem GND kommt, nämlich stets beim invertierenden Eingang des gegengekoppelten Opamp. Es wird aber bloss angedeutet wie es zu diesem Effekt kommt. Vertieft mit einer speziellen Betrachtung wird dies in Operationsverstärker III.


      2.7   Der Eingangswiderstand bei der invertierenden Verstärkung

    Wir haben es bis hierher mit der invertierenden Verstärkerschaltung zu tun. Nun wollen wir uns überlegen, wie gross der Eingangswiderstand an Ue ist. Wir können uns dazu irgend eine Schaltung von Bild 1 bis Bild 4 betrachten. Wir wissen nun, dass U1 der virtuelle GND oder die virtuelle Referenzspannung von Ur ist und dass sich U1 nicht ändert, wenn sich Ue ändert, ausser Ue ändert sich schneller als der Opamp reagieren kann. Diesen allerdings sehr kurzen Zeitabschnitt interessiert uns hier nicht. Wenn U1 der virtuellen Spannung von GND entspricht, können wir uns ebenso vorstellen, dass R1 zwischen dem Ue-Anschluss und dem richtigen GND verbunden ist und es leuchtet uns sogleich ein, dass der Eingangswiderstand an Ue dem Wert von R1 entspricht. Dies ist so, weil der GND-Pegel vom Strom oder von einer Stromänderung durch R1 nicht beeinflusst wird. Warum der virtuelle GND am nichtinvertierenden Eingang die selbe Eigenschaft wie der richtige GND hat, kommt vom Ausgang des Opamps. Dieser stellt seine Ausgangsspannung durch den Regelvorgang so ein, dass der Strom von Ue über R1 und R2 nach Ua genau so gross ist, dass der virtuelle GND-Pegel am nichtinvertierenden Eingang konstant bleibt. Dies funktioniert natürlich nur so gut, wie der Opamp im linearen Bereich arbeitet, also seine Ausgangsspannung Ua im positiven und negativen Spannungsbereich nicht zu hoch wird und sein Ausgangsstrom in Richtung R2 und R1 nicht die Endstufe des Opamp überlastet und auf diese Weise die Ausgangsspannung an Ua begrenzt wird. Bei herkömmlichen Opamps sind dies einige mA.

    Wenn Ur, und damit U1, einen andern Spannungswert als den GND-Pegel hat, gilt die selbe Betrachtung. Man stelle sich dann eben vor, dass R1 zwischen Ue und Ur liegt, wobei die Spannungsquelle an Ur im Verhältnis zu R1 dann allerdings sehr niederohmig sein muss. Auch hier gilt, dass der Eingangswiderstand an Ue dem Wert von R1 entspricht. Wir können damit zusammenfassen: Bei einer invertierenden Verstärkerschaltung entspricht der Eingangswiderstand immer dem Widerstand zwischen Signal-Eingang (Ue) und dem invertierenden Eingang der Verstärkerschaltung.



      3.   Die virtuelle Eingangsspannung bei der nichtinvertierenden Verstärkung

    Teilbild 5.1 zeigt uns die einfache nichtinvertierende Verstärkerschaltung. Es gilt selbstverständlich auch hier, dass Ud im eingeschwungenen Zustand O V beträgt. U1 entspricht also Ue. U1 ist die virtuelle Eingangsspannung von Ue. Wenn Ue sich ändert passt U1 sich Ue an, allerdings auch hier nur mit der maximal möglichen Geschwindigkeit des Opamp.

    Teilbild 5.2 unterscheidet sich von Teilbild 5.1 nur darin, dass die Schaltung mit einer DC-Offsetspannungseinstellung mit (Trimm-)Potmeter P erweitert ist. Auch hier kann man, zwecks besserer Feineinstellung, P mit Seriewiderständen erweitern, wie weiter oben zu Bild 2 beschrieben. Bei dieser nichtinvertierenden Verstärkerschaltung hat diese Art der DC-Offsetspannungseinstellung gegenüber Bild 2 allerdings einen gravierenden Nachteil: Die Parallelsumme der beiden Teilwiderstände Rp1 und Rp2 addieren sich zu R1. Dies hat zur Folge, dass P an der Verstärkung beteiligt ist. Verändert man P zwecks Einstellung der DC-Offsetspannung, verändert dies auch die Verstärkung. Soll der Einfluss von P auf die Verstärkung gering sein, muss der Widerstand von P signifikant geringer sein als der Eingangswiderstand in Richtung invertierenden Eingang, und dies entspricht, wie wir jetzt wissen, dem Wert von R1. Um es noch einmal ganz klar werden zu lassen: Aus der Sicht von Ue (nichtinvertierend) ist der Eingangswiderstand praktisch unendlich hoch und aus der Sicht von Ur (invertierend) entspricht der Eingangswiderstand dem Wert von R1.

    Es gibt einen einfachen und eleganten Trick, wenn nur geringe DC-Offsetspannungen, z.B. im 1mV- bis 100mV-Bereich, kompensiert werden müssen. Hier bietet sich das Kompensationsnetzwerk aus R3, R4 und P an. Wenn R4 wesentlich niederohmiger als R3 ist und P etwa R4 entspricht, erreicht man einen sehr niederohmigen Quellwiderstand dieses Kompensations-Netzwerkes, ohne dass unnötig viel Strom durch P fliessen muss. Genau dies ist dann der Fall, wenn über R4 nur eine kleine Teilspannung der Betriebsspannung benötigt wird. Angenommen die Betriebsspannung beträgt ± 12VDC und über die beiden R4-Widerstände genügt für den DC-Offsetabgleich eine Spannung von bloss ±50 mVDC, dann haben die beiden R4-Widerstände je einen Wert von 100 Ohm, wenn die beiden R3-Widerstände Werte von 10-k-Ohm haben. Für P eignet sich ebenfalls ein Wert 100 Ohm.

    BTW: Es versteht sich von selbst, dass für diesen Kompensationszweck +Ub und -Ub gut stabilisierte Spannungen sein müssen. Die üblichen Fixspannungsregler, z.B. 7812 und 7912, reichen dafür jedoch meist aus. Diese Spannungsregler dienen gleichzeitig auch der Speisung der gesamten analogen Schaltung. Wenn diese Präzision nicht genügt, ist der Einsatz von Bandgap-Spannungsreferenzen angezeigt.

    Man kann den Einfluss von P auf die Verstärkung noch unwirksamer machen, in dem man zwischen dem Ausgang von P und dem Eingang zum R1 einen Impedanzwandler, also eine Opampverstärkerstufe mit Verstärkung +1, schaltet. Der Ausgangswiderstand des Impedanzwandlers ist extrem niederohmig. Aber auch diese Methode hat nicht nur Vorteile: Der zusätzliche Impedanzwandler ist eine zusätzliche Rauschspannungsquelle, und diese Rauschspannung wird mit R2/R1 mitverstärkt. Wenn man diese Methode einsetzt, muss man mittels zusätzlicher Kondensatoren am Ausgang des Impedanzwandlers dafür sorgen, dass die Rauschsspannung gut bedämpft wird. Mehr dazu liest man im Kapitel Die Ub/2-Referenz und der synthetische GND.

    Teilbild 5.3 entspricht Teilbild 5.2 mit dem einzigen Unterschied, das Ur frei ist für eine externe Spannungsquelle, die ebenfalls unbedingt niederohmig sein muss, soll die Verstärkung, gegeben durch R2/R1, nicht verfälscht werden. Ähnlich zu Bild 4 befassen wir uns hier damit, wie gross Ur sein muss um eine DC-Offsetspannung an Ue zu kompensieren. Wir nehmen auch hier an Ur = 1 VDC, dann beträgt bei Ue = 0 VDC die Ausgangspannung Ua = -2 VDC. Die positive Spannung an Ue muss einen Wert von 0.666 VDC haben, um an Ua eine positive Gegenspannung von +2 VDC zu erzeugen. Diese +2 VDC kompensiert die -2 VDC zu 0 VDC. Aufgabe: Rechne mit Hilfe der Formel das Beispiel mit den Spannungswerten selbst durch und setze danach andere Spannungswerte ein. Besonders empfehlenswert ist auch hier das praktische Experiment auf einem Experimentierboard.


      3.1   Der Eingangswiderstand bei der nichtinvertierenden Verstärkung

    Bild 5 zeigt uns nichtinvertierende Verstärkerschaltungen. Nun wollen wir uns überlegen, wie gross der Eingangswiderstand an Ue ist. Wir bemerken, dass der nichtinvertierende Eingang unbeschaltet ist. Beim idealen Opamp bedeutet dies, dass der Eingangswiderstand unendlich hoch ist. Die Realität zeigt ein etwas anderes Bild. Opamps mit bipolaren Transistoren nach den Eingängen können recht niederohmige Eingangswiderstandswerte haben. Beim NE5534 wird der Eingangswiderstand mit bloss 50 k-Ohm angegeben. Wobei dieser Wert stets ohne Gegenkopplung gilt. Ist diese stark und die Leerlaufverstärkung gross, multipliziert sich dieser Eingangswiderstand mit dem Verhältnis der Leerlaufverstärkung zur gegengekoppelten Verstärkung. Daraus resultiert der effektive Eingangswiderstand. Wir wissen jetzt aber auch, dass die Leerlaufverstärkung frequenzabhängig ist, also gilt dies auch für den Eingangswiderstand: Je höher die Frequenz, um so niedriger der Eingangswiderstand.

    Sind es jedoch PNP-Darlingtonstufen, wie z.B. beim LM324, im Einsatz, kann der Eingangswiderstand weit im M-Ohm-Bereich liegen, ohne dass dabei Leerlaufverstärkung und Gegenkopplung berücksichtigt sind. Aber auch dies reisst noch niemanden vom Stuhl, wenn man die Eingangswiderstandswerte von BiFET-Opamps, wie z.B. beim LF356, betrachtet. Hier beträgt der Eingangswiderstand etwa 1 T-Ohm. (Es sei an dieser Stelle kurz angedeutet, dass es betreffs Opampeingänge noch andere wichtige Parameter gibt, wie DC-Offset- und DC-Bias-Strom.) Diese nichtinvertierenden Eingänge eignen sich für den Anschluss hochohmiger Spannungsquellen, wie z.B. biomedizische Signale (EMG, EEG, EKG). Auch intramuskuläre EMG-Spannungsquellen, welche Quellimpedanzen von vielen 100 k-Ohm bis M-Ohm haben können, eignen sich sehr gut. Dass hier nur JFET- oder MOSFET-Opamps in Frage kommen hat noch den Grund, dass die Eingangsrauschströme um viele Grössenordnungen geringer sind als bei Opamps mit bipolaren Eingängen. Diese Rauschströme multiplizieren sich an den Quellwiderständen zu Rauschspannungen. Allerdings muss man diese hochohmigen biomedizinischen Signale differenziell mit sogenannten Instrumentations-Verstärkern messen. Wie man dies macht, zeigen meine Elektronik-Minikurse Echter Differenzverstärker I, Echter Differenzverstärker II und Echter Differenzverstärker III ausführlich.



      4.   GND oder Referenzspannung, ja nach Art der Schaltung

    Eine Verstärkerschaltung kann immer nur Ausgangsspannungen liefern, welche maximal die Werte der Betriebsspannung haben. In der Praxis ist dies aber immer weniger. Hat eine Verstärkerschaltung bipolare Transistoren am Ausgang, reduzieren die einfachen oder mehrfachen Basis-Emitter-Übergänge der Transistoren im Ausgangsbereich die Amplitude am Ausgang. Besser eignen sich betreffs maximaler Aussteuerung Opamps mit MOSFET-Ausgangsstufen. Unbelastet oder nur sehr wenig belastet erreichen die Ausgangsamplituden Werte der Betriebsspannung. Man nennt dies einen Rail-to-Rail-Output.

    Auch der Eingangsspannung Ue sind durch die Betriebsspannung ±Ub Grenzen gesetzt. Dies muss man vor allem dann wissen, wenn die Schaltung bloss eine Verstärkung von 1 hat. In diesem Fall entspricht die Eingangsspannung der Ausgangsspannung, Ue = Ua. Diese Betrachtung betreffs Ue gilt aber nur bei der nichtinvertierenden Verstärkerschaltung Teilbild 6.2, bei der der Eingang des Opamps mit der Eingangsspannung Ue identisch ist. Dieses Problem mit dem Eingang besteht bereits bei geringer Verstärkung von etwas mehr als 1 nicht, weil dann Ua vor Ue begrenzt, wenn Ue ansteigt.

    Bei der invertierenden Verstärkerschaltung (Teilbild 6.1) erreicht der invertierende Eingang im schlimmsten Fall die Spannung von Ue nur sehr kurz, nämlich zu Beginn des Einschwingvorganges, falls sich die Eingangsspannung schneller ändert als der Opamp reagieren kann. Diese Angelegenheit ist weiter oben bereits beschrieben. Es ist sogar möglich, dass man mit einer invertierenden Verstärkerschaltung eine aktive Abschwächung realisieren kann. Wenn R1 z.B. 1000 mal grösser ist als R2, kann man aus einer Spannung Ue von z.B. 3300 VDC eine Spannung Ua von -3.3 VDC erzeugen. Auf diese Weise kann man sehr hohe Spannungen messen und weiterverarbeiten. Man muss dann allerdings einige Sicherheitsvorkehrungen treffen, auf die ich hier nicht weiter eingehe. Für Anfänger und Unerfahrene in der Anwendung von Hochspannung sollte dies sowieso kein (Bastel-)Thema sein!!!

    Wir thematisieren hier GND und Arbeitspunkt. Es geht dabei um den Unterschied zwischen der Speisung mit nur einer Betriebsspannung oder mit zwei Betriebsspannungen, wobei die eine Spannung positiv und die andere negativ ist. Damit befassen wir uns in Bild 6, das in Teilbild 6.1 eine invertierende und in Teilbild 6.2 eine nichtinvertierende Verstärkerschaltung enthält. Beide werden mit einer positiven und einer negativen Betriebsspannung gespiesen. Dies bedeutet, dass die Ausgangsspannungen theoretisch maximal die positive und negative Betriebsspannung erreichen können. Jede Verstärkerschaltung muss aber auch referenziert sein. Das heisst, es muss einen Arbeitspunkt bestimmt werden, wonach sich die Eingangsspannung bezieht. Will man dabei erreichen, dass die maximale Eingangsspannung (nichtinvertierend, Verstärkung = 1) und die maximale Ausgangsspannung einigermassen symmetrisch sein soll, muss diese Arbeitspunktspannung in der Mitte zwischen +Ub und -Ub liegen, und das ist GND. Man vewendet also den GND, der das symmetrische Netzteil mit +Ub und -Ub liefert. Vollständigkeitshalber sei aber erwähnt, dass es Anwendungen gibt, bei denen eine nichtsymmetrische Referenzierung gefordert ist, z.B. +12 VDC, GND und -6 VDC.

    Einigermassen symmetrisch bedeutet, dass Opamp-Endstufen mit bipolaren Transistoren oft nicht symmetrisch aussteuerbar sind. Oft wird die positive Betriebsspannung schlechter approximiert als die negative. Oder anders erklärt: Wenn man mit einem Sinussignal den Opamp allmähmlich aussteuert, wird z.B. zuerst die positive Spannungsbegrenzung und, bei weiterem Anstieg der Spannung, danach die negative erreicht. Noch besser als mit einem Sinussignal erkennt man dieses Clipping mit einem Dreieicksignal an den Spitzen, wobei ein Dreiecksignal zusätzlich leichter erkennen lässt, ob es in der Nähe des Limits zu linearen bereits geringfügigen Verzerrungen (Slewrate-Effekt) kommt. Damit man eine symmetrische Signalbegrenzung bekommt, muss die Referenzspannung nicht mit GND, sondern mit einer DC-Spannung betrieben werden, die die Ausgangssymmetrie herbeiführt. Dafür benötigt man ein R-P-R-Netzwerk, wie dies die Bilder 2 und 5 illustrieren.

    Bild 7 illustriert die invertierende und nichtinvertierende Verstärkerschaltung mit nur einer Betriebsspannung +Ub und GND. Dies bedeutet, dass die Referenzierung der Eingangsspannung "künstlich" realisiert sein muss. Wie man dies sinnvoll macht, wird weiter unten behandelt. Mit dieser Methode hat man je nach dem, ob der GND dieser Schaltung mit dem GND weiterer Schaltungen in Verbindung gebracht werden muss, ernsthafte DC-Offsetprobleme. Allerdings nur dann wenn DC-Spannungen (mit-)verstärkt werden müssen.

    Bild 8 illustriert die invertierende und nichtinvertierende Verstärkerschaltung mit nur einer Betriebsspannung +Ub und GND, welche jedoch nur AC-Spannungen verstärken kann. Man sieht wie man den Ein- und Ausgang mittels RC-Beschaltung (passive Hochpassfilter) entkoppeln muss, um die Probleme mit der DC-Offsetspannung mit nur einer Betriebsspannung zu vermeiden. Dabei wird auch vermieden, dass DC-Offsetspannung des Verstärkers mitverstärkt wird, der vor allem bei hoher Verstärkung dazu führen kann, dass die maximale Ausgangsspannung stark asymmetrisch zur Referenzspannung Ub/2 wird. An Ua gibt es die reine AC-Spannung.

    Teilbild 8.1 illustriert den AC-gekoppelten invertierenden Verstärker. Er kann also nur AC-Spannungen verstärken! Am nichtinvertierenden Eingang wird auf die halbe Betriebsspannung Ub/2 referenziert. Die AC-Spannungsquelle an Ue muss wesentlich niederohmiger als R1 sein, weil R1, wie wir jetzt wissen, den Eingangswiderstand der Verstärkerschaltung bestimmt. C1 und R1 wirken als passives Hochpassfilter erster Ordnung. Dieses Hochpassfilter verhindert einerseits die Einkopplung von DC-Spannungsanteilen an Ue und es verhindert die Verstärkung von DC-Offsetspannungen die der Opamp selbst erzeugt. C1 ladet sich auf den Wert von Ub/2 auf, wenn die externe Spannungsquelle an Ue frei ist von einer DC-Offsetspannung. Sonst addiert sich die externe DC-Offsetspannung zu Ub/2. R2 existiert für die Berechnung von fmin nicht, weil R2 jenseits der extrem niederohmigen virtuellen Spannung am nichtinvertierenden Eingang liegt. R2 beeinflusst daher fmin nicht. Betreffs Formel zur Berechnung der Grenzfrequenz des Hochpassfilters ist Cx hier C1 und Rx ist R1.

    Es gibt aber nicht nur dieses Hochpassfilter, das die minimale Frequenz im Durchlassbereich von Ue nach Ua bestimmt. C2 bildet mit dem Eingangswiderstand der folgenden Schaltung ein Hochpassfilter mit ebenfalls einer unteren Grenzfrequenz. Nun sollte man darauf achten, dass diese beiden passiven Hochpassfilter nicht dafür sorgen, dass die Amplitude in einem breiten unteren Nutzfrequenzbereich zu stark abfällt. Dieser Fall tritt nämlich dann ein, wenn die beiden -3dB-Grenzfrequenzen etwa identisch dimensioniert sind. Ich empfehle mit R1 und C1 die Grenzfrequenz zu dimensionieren, die man wirklich haben möchte. Für einen hochwertigen Audioverstärker z.B. bei 20 Hz oder weniger. Mit C2 und dem Eingangswiderstand der Folgeschaltung wählt man eine drastisch niedrigere Grenzfrequenz. Diese darf durchaus bei 1 oder 2 Hz liegen. Es geht hier hauptsächlich nur darum, dass keine DC-Spannungen übertragen werden.

    Teilbild 8.2 zeigt den AC-gekoppelten nichtinvertierenden Verstärker. Am nichtinvertierenden Eingang wird über R3 ebenfalls auf die halbe Betriebsspannung Ub/2 referenziert. Ub/2 muss so niederohmig dimensioniert sein, dass R3 alleine die Grösse des Eingangswiderstandes bestimmt. Wie wir bereits wissen, ist ein BiFET- oder MOSFET-Opamp extrem hochohmig. Also darf, je nach Anwendung, R3 auch sehr hochohmig gewählt werden. Allerdings sollte man nicht so sehr übertreiben, dass parasitäre Effekte, wie Widerstandsveränderung durch Umwelteinflüsse (bereits geringste Feuchtigkeit), sich bemerkbar machen. Man könnte z.B. für R3 100 M-Ohm und für C3 100 pF einsetzen, um eine untere Grenzfrequenz von 16 Hz zu erhalten. Dies wäre aber totaler Unsinn, wenn an Ue z.B. eine Audioquelle mit einem Quellwiderstand von 10 k-Ohm oder auch etwas mehr angeschlossen wird. Dazu genügt es wenn R3 auf maximal 1 M-Ohm festlegt wird. Mit C3 = 10 nF liegt dann die untere Grenzfrequenz dieses passiven Hochpassfilters ebenfalls bei 16 Hz.

    Um Piezoeffekte möglichst zu vermeiden, sollte man für C3 ein Wickelkondensator dem Keramik- oder Multilayerkondensator unbedingt vorziehen. Für besonders niedrige Grenzfrequenzen kann man auch Elkos einsetzen, wobei man dafür allerdings Tantaltypen verwenden sollte. Es sei generell erwähnt, dass wegen diesem Piezoeffekt in emfindlichen Signalübertragungen keine Keramik- oder Multilayerkondensator eingesetzt werden sollen, wohl aber zum Abblocken von Betriebsspannungen in der Nähe von empfindlichen Schaltungen! Siehe Kapitel Was ist der Piezoeffekt.

    C3 und R3 bestimmen die eine untere Grenzfrequenz, C2 mit dem Eingangswiderstand der nachfolgenden Schaltung eine andere, die, wie wir jetzt wissen, wesentlich niedriger sein sollte, als die von C3 und R3. Aber es gibt hier noch eine dritte untere Grenzfrequenz, diejenige welche durch das passive Hochpassfilter mit R1 und C1 bestimmt wird. Dieses Hochpassfilter verhindert, wie bei der Schaltung in Teilbild 8.1, die Verstärkung der DC-Offsetspannung des Opamp. C1 ladet sich auf den Wert Ub/2 auf. Eine allfällige DC-Offsetspannung an Ue wirkt sich nicht aus, weil diese C3 auflädt. Man kann auf C1 verzichten und R1 direkt mit Ub/2 verbinden, wenn die Verstärkung des Opamp nicht eine unerträglich hohe DC-Offsetpannung an seinem Ausgang erzeugt, die aus der Verstärkung der eigenen DC-Offsetspannung entsteht. Es kommt ganz darauf an wie hoch die die sogenannte äquivalente DC-Offseteingangsspannung des Opamps und die gegengekoppelte Verstärkung ist. Unter äquivalent versteht man, dass es den selben Effekt hat, als ob der Opamp selbst keine DC-Offsetspannung erzeugt, die entsprechende DC-Spannung jedoch an einen Eingang gelegt wird. Für das Verstärkungsverhalten des Opamps kommt beides auf das selbe heraus. Bitte zu diesem Thema auch ein Opamp-Datenblatt studieren.

    Man kann wählen ob man R1/C1 oder R3/C3 als dominierendes Hochpassfilter dimensionieren möchte. Wählt man R3/C3 für die erwünschte Grenzfrequenz, ist sichergestellt, dass das Eingangssignal bei einer Frequenz, welche um Grössenordnungen niedriger ist als die R3/C3-Grenzfrequenz, kaum noch auf den nichtinvertierend Eingang wirkt. Wählt man jedoch R1/C1 für die erwünschte Grenzfrequenz und die Grenzfrequenz von R3/C3 ist wesentlich niedriger, ist es so, dass nur eine Frequenz weit unterhalb dieser Grenzfrequenz nicht mehr übertragen werden kann. Aus der Sicht des R1/C1-Hochpassfilters, kann die Verstärkung nicht kleiner als 1 werden. Dies ist dann der Fall, wenn die Reaktanz (kapazitiver Widerstand) von C1 so hoch ist, dass C1 mit R1 und R2 nicht mehr als signifikanter Spannungsteiler wirkt.

    Man beachte, in Bild 8 wird für die Kondensatoren, das Symbol des Elektrolytkondensators (Elko) verwendet. Der Elko ist hier zulässig, weil die richtige Polarität der DC-Spannung gewährleistet werden kann. Es empfielt sich, wenn hohe Widerstandswerte im Spiel sind (R3, R1 und Eingangswiderstand von der Schaltung die an Ua betrieben wird), Tantalelkos zu verwenden, weil diese wesentlich geringere ohmsche Verluste haben, sprich: DC-mässig hochohmiger sind.



      5.   Die Ub/2-Referenz und der synthetische GND

    Bild 9 illustriert drei Beispiele wie die Spannung Ub/2 realisiert werden kann. Das einfachste Beispiel ist ein Spannungsteiler mit zwei gleich grossen Widerständen (Teilbild 9.1). Der Quellwiderstand dieser einfachen Schaltung ergibt sich durch die Berechnung der Parallelschaltung von R1 mit R2. Wie wir bereits wissen, muss dieser Quellwiderstand besonders niederohmig sein, wenn eine Verbindung zu einem Gegenkopplungsnetzwerk einer Opampschaltung besteht, damit die Verstärkung der Opampschaltung durch den Quellwiderstand dieser Ub/2-Quelle nicht signifikant beeinflusst wird. Für die Teilbild 5.2, 5.3 und 7.2 gilt, dass der Ub/2-Quellwiderstand stets wesentlich niederohmiger sein sollte als der Eingangswiderstand der angeschlossenen Schaltung. Dies gilt vorallem dann wenn niedrige Frequenzen oder sogar DC-Spannungen verstärkt werden müssen.

    Wesentlich unkritischer ist es, wenn nur AC-Spannungen oberhalb einer minimalen Frequenz verstärkt werden müssen. Dann könnte man durchaus diese einfache Ub/2-Schaltung in Teilbild 9.2 verwenden, in dem parallel zu R1 ein Kondensator C1 geschaltet wird. Dieser sorgt dann oberhalb der minimalen Grenzfrequenz für eine entsprechend niedrige Quellimpedanz des R1-R2-C1-Netzwerkes. Man beachte, dass in diesem Fall nicht mehr von Quellwiderstand, sondern von Quellimpedanz die Rede ist. Es handelt sich um einen komplexen Widerstand. Die Grenzfrequenz des passiven R1-R2-C1-Tiefpassfilter sollte wesentlich niederfrequenter dimensioniert sein, als die untere Grenzfrequenz der involvierten Verstärkerschaltung! Diese Überlegungen gelten nur, wenn Ub/2 von Teilbild 9.2 DC-mässig praktisch unbelastet bleibt!

    Besonders dann, wenn eine Ub/2-Spannungsquelle an vielen Stellen in einer Schaltung als Referenz dient, eignet sich die Lösung mit einem Opamp, der mit Verstärkung 1 bloss als Impedanzwandler arbeitet, am besten. Man betrachte dazu Teilbild 9.3. R1 und R2 arbeiten wiederum als Spannungsteiler, jedoch hat C1 hier eine etwas andere Funktion. Im Gegensatz zur passiven Schaltung, dürfen hier R1 und R2, besonders beim Einsatz von BiFET-Opamps (z.B. LF356, TL06x oder TL07x), hochohmig gewählt werden, - z.B. mit je 10 M-Ohm. Vernünftiger sind allerdings Werte im 100-k-Ohm-Bereich. C1 muss daher auch nicht besonders hochkapazitiv ausfallen. C1 unterdrückt hier nur Stör- und Rauschspannungen. Störspannungen entstehen durch kapazitive Einkopplung benachbarter AC-Spannungen (Leiterbahnen) auf den Eingangsteil dieser Schaltung. Ist die Zeitkonstante durch C1 und R1|R2 (parallel) sehr gross, weil die Grenzfrequenz sehr niedrig ist, dauert es beim Einschalten der Betriebspannung +Ub lange bis sich die Referenzspannung auf Ub/2 eingestellt hat. An so etwas ist bei der Schaltungsdimensionierung auch zu denken.

    C1 hat keinen direkten Einfluss auf die Schaltung welche an Ub/2 angeschlossen wird, wie dies im Sinne der passiven Schaltung (Teilbild 9.2) der Fall ist. Wozu aber C2 am Ausgang des Opamps, der doch durch die starke Gegenkopplung besonders niederohmig sein soll? Niederohmig ist er schon, aber nicht niederimpedant. Ich erinnere daran, dass bei höheren Frequenzen die Leerlaufverstärkung eines Opamp (wegen seiner (internen) Frequenzgangkompensation) abnimmt. Diese Abnahme hat zur Folge, dass der Ausgangswiderstand ansteigt und dies könnte sich ungünstig auf die gesamte Schaltung auswirken, wenn höhere Signalfrequenzen mit im Spiel sind. C2, vozugsweise ein Tantal-Elko mit einem Wert von 10 µF bis 100 µF am Ausgang des Opamp, stellt eine niedrige Impedanz bei mittleren und höheren Frequenzen sicher. Man kann auch einen "normalen" Elko mit einem parallelgeschalteten Multilayerkondensator von etwa 100 nF verwenden. Will man zusätzlich niederfrequentes Rauschen des Opamp reduzieren, empfiehlt sich am Ausgang des Opamp ein zusätzlich niederimpedantes passives Tiefpassfilter mit R3 und C3. R3 von wenigen zehn bis wenigen hundert Ohm und C3 im 100 µF-Bereich, und parallel dazu ebenso einen Multilayerkondensator mit einer Kapazität von 100 nF, wenn kein Tantal-Elko zum Einsatz kommt.

    BTW.: Das Ansteigen des Ausgangswiderstandes bei zunehmender Frequenz ist das typische Verhalten einer Induktivität. Wir haben es hier mit einer parasitären Induktivität zu tun. Man merke sich dies, weil, wenn man den Ausgang des Opamps kapazitiv zu wenig belastet, kann das Eigenrauschen des Opamps bei einer gewissen Resonanzfrequenz einen überhöhten Wert annehmen. Genau das selbe Problem hat man mit den dreibeinigen Spannungsreglern. R.A. Pease beschreibt dieses Phänomen in seinem Buch "TROUBLESHOOTING IN ANALOGSCHALTUNGEN" im Anhang C unter "Störspannungen an Dreibein-Spannungsreglern verstehen und reduzieren" sehr genau. Dieses Buch kann ich sehr empfehlen! Für Leute welche die englische Sprache gut beherrschen, empfiehlt sich, wegen der mangelhaften deutschen Übersetzung, die englischsprachige Ausgabe. (Das sagen diejenigen die englisch gut beherrschen, zu denen ich nicht gehöre...)

    Zum Schluss dieses Thema, wird noch der synthetische GND, der im Prinzip das selbe wie bereits beschrieben ist, jedoch etwas anders angewendet wird, angedeutet. Man betrachte dazu Bild 10:

    Diese Schaltung eignet sich hauptsächlich dann, wenn keine symmetrische Netzspannung, bestehend aus ±Ub und GND zur Verfügung steht, ein GND jedoch mit Ein- und Ausgängen der Schaltung verbunden werden muss und dabei auch noch, je nach Anwendung, grosse Ströme fliessen müssen. Bild 10 ist nur eine Prinzipschaltung, wie sie im Buch Halbleiterschaltungstechnik von Tietze/Schenk im Kapitel Symmetrische Aufteilung einer erdfreien Spannung gezeigt und dort beschrieben wird. Wenn man diese Schaltung für die entsprechende Anwendung, speziell auf den Stromverbrauch, richtig dimensioniert - es können auch Darlington-Transistoren eingesetzt werden - funktioniert sie sehr gut auch im Ampere-Bereich. Ich habe vor mehr als 25 Jahren diese Leistungssymmetrieschaltung in einem Projekt erfolgreich eingesetzt. Die Unterlagen dazu existieren leider nicht mehr. :-(



      6.   Was ist der Piezoeffekt?

    Es gibt den piezoelektrischen Sensor. Bei Belastung durch Zug-, Druck- oder Schubkräfte wird eine elektrische Ladungsverschiebung und dadurch eine elektrische Spannung erzeugt. Diese Spannung tritt aber nur relativ kurzzeitig, während einer Laständerung in Erscheinung. Angewendet wird dies auch in einem Gasfeuerzeug mit elektrischem Hochspannungsfunken. Dieser wird durch einen kurzzeitigen mechanischen Schlag auf ein piezosensitives Teil erzeugt. Das selbe passiert - wenn auch nur Spannungen im mV- bis 100-mV-Bereich - wenn man mit einem harten Gegenstand auch nur leicht einen keramischen Kondensator beklopft. Den selben Effekt kann man feststellen, wenn man ein abgeschirmtes Kabel an einem empfindlichen Mikrofoneingang anschliesst und das relativ niederohmige Mikrofon nicht angeschlossen ist. Man hört es aus dem Lausprecher problemlos, wenn man an das abgeschwirmte Kabel klopft. Auch das ist eine Art Piezoeffekt. Der mechanische Imupuls erzeugt kurzzeitige Ladungsveschiebungen in der Isolation zwischen Innenleiter und Abschirmung.



      7.   Weitere Elektronik-Minikurse zum selben Thema



    Thomas Schaerer, 26.06.2002 ; 13.11.2002 ; 16.12.2002 ; 15.04.2003(dasELKO) ; 16.12.2003 ; 30.12.2004 ; 15.11.2005 ; 12.05.2007 ; 15.06.2010