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Vom Operationsverstärker bis zum Schmitt-Trigger,
kontinuierlich einstellbar. Eine Demoschaltung!



  • Das Inhaltsverzeichnis meiner Elektronik-Minikurse

  • Die Philosophie meiner Elektronik-Minikurse
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Hilfe bei Leserfragen.
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg

  • Autor:   Thomas Schaerer         Buch 1 Buch 2



  • Einleitung

    Wie das Blockschaltbild zeigt, geht es hier um eine Demoschaltung. Ihr praktischer Nutzen besteht darin, dem Elektronikschüler zu zeigen, wie mit einer einzigen Schaltung und einem einzigen Potentiometer die Funktion zwischen Verstärker, Komparator und Schmitt-Trigger stufenlos demonstriert werden kann. Dieser Kurs vermittelt nicht die Grundlagen dazu wie ein Verstärker, ein Komparator und ein Schmitt-Trigger arbeiten. Diese Grundkenntnisse muss der Leser bereits mitbringen. Es gibt dazu im Elektronik-Kompendium geeignete Grundlagen über Operationsverstärker, bzw. Opamps. Empfehlenswert sind auch meine Elektronik-Minikurs über Opamps, zu finden auf der Indexseite.

    Der vorliegende Elektronik-Minikurs eignet sich vor allem für den Lehrer, der mit dieser Demoschaltung dem Schüler vorführen möchte wie Verstärker, Komparatoren und Schmitt-Trigger arbeiten. Der Nachbau ist einfach. Der Lehrer kann zusätzlich anschaulich zeigen, was passiert, wenn im Gegenkopplungsbereich eine gewisse Phasenreserve nicht eingehalten wird. Es geht um die Frequenzgangkompensation. Es hat in dieser Demoschaltung daher auch einen Trimmkondensator mit dem man den Grad der Frequenzgangkompensation abgleichen kann. Die Kapazität ist jeweils der Verstärkung anzupassen. Doch erst mal alles schön der Reihe nach...



    Die drei Grundschaltungen

    Teilbild 2.1 illustriert den nichtinvertierenden Verstärker mit seiner Gegenkopplung, die durch das Verhältnis der beiden Widerstände von R2 und R1 bestimmt wird. R2/R1 teilt die Ausgangsspannung Ua und führt sie zum invertierend Eingang. Der Opamp regelt so, dass die Spannung am invertierenden (virtuelle Spannung) und nichtinvertierenden Eingang gleich gross, bzw. die Differenzspannung Ud Null ist. Die virtuelle Spannung Uv entspricht also der Eingangsspannung Ue. Dies ist aber nur möglich wenn Ua um das Teilerverhältnis von R2/R1 höher als Ue ist. Siehe dazu das Spannungs- und Widerstandsbeispiel in kleinen Zahlen.

    Reduziert man R1 erhöht sich die Verstärkung und bei 0 Ohm ist sie theoretisch unendlich gross. Theoretisch, weil der Opamp, wenn auch eine sehr grosse, aber trotzdem endliche offene Schlaufenverstärkung (Open-Loop-Gain) hat. Man nennt dies auch die Leerlaufverstärkung. Dazu kommt, dass diese Verstärkung schnell abnimmt, wenn die Frequenz des Eingangssignales zunimmt. Dazu später mehr.

    Teilbild 2.2 illustriert den Zustand wenn in Teilbild 2.1 R1 einen Wert von 0 Ohm hat. Der einzige Unterschied ist der, dass in Teilbild 2.1 über R2 ein Strom vom Ausgang des Opamp nach GND fliesst. Ein Opamp, der mit theoretisch unendlicher Verstärkung arbeitet, ist nichts anderes als ein Komparator (deutsch: Vergleicher), weil theoretisch eine noch so geringe Spannung an Ue, welche den GND-Pegel über- oder unterschreitet, sich auf Ua mit beinahe voller Betriebsspannung auswirkt. Bei einem Opamp mit Rail-to-Rail-Ausgang entspricht die volle Ausgangsspannung, wenn der Ausgang nicht oder nur wenig belastet ist, der Betriebsspannung. Da wie jedoch bereits erwähnt, der Open-Loop-Gain endlich und erst noch frequenzabhängig ist, eignen sich (intern) frequenzgangkompensierte Opamps nur bei niedrigen Frequenzen - z.B. für Steuerzwecke - als Komparatoren. Ansonsten muss man echte Komparatoren einsetzen, die überhaupt keine Frequenzgangkompensation haben und je nach interner Schaltung sogar extrem schnell schalten können.

    Wenn wir die Vorzeichen der Opampeingänge in Teilbild 2.2 umkehren, haben wir noch genauso eine Komparatorschaltung, allerdings mit dem Unterschied, dass das Eingangssignal invertiert wird. Wir bewegen uns jetzt langsam in Richtung zu Teilbild 2.3. Wir denken uns zunächst, dass nur R1 angeschlossen ist. Damit unterscheidet sich Teilbild 2.3 von Teilbild 2.2 in seiner Funktion noch nicht. Auch diese Schaltung arbeitet als Komparator. Dies ändert sich wenn R2 hinzu kommt. Ist der Widerstand von R2 im Verhältnis zu R1 sehr hoch, entsteht erst eine ganz geringe Hysterese. Die Umschaltschwelle für Ue liegt nicht mehr exakt auf dem GND-Pegel. Es gibt zwei Umschaltschwellen, die eine geringfügig oberhalb und die andere gerinfügig unterhalb des GND-Pegels. Diese Hysterese kommt davon, dass ein Teil der Ausgangsspannung an den nichtinvertierenden Eingang positiv rückgekoppelt wird. Dadurch entstehen nach jedem Umschalten des Ausgang Ua unterschiedliche Werte der Referenzspannung wonach sich das Eingangssignal Ue orientieren muss. Diese Hysterese vergrössert sich, je geringer das Verhältnis zwischen R2 zu R1 gemacht wird. Wir haben es mit der sogenannten Schmitt-Trigger-Funktion zu tun.



    Der erste Schritt zur Demoschaltung

    Teilbild 3.1 wiederholt Teilbild 2.1 mit dem Unterschied, dass R1 und R2 durch das Potentiometer P ersetzt ist. Mit dessen Schleifer kann man das usprüngliche Verhältnis von R2 zu R1 einstellen und kontinuierlich verändern. Ist der Scheifer am "oberen" Anschlag, ist die Gegenkopplung total und die Verstärkung ist 1, weil die Ausgangsspannung Ua gegengekoppelt wird und die invertierende und nichtinvertierende Eingangsspannung identisch sein muss. Der Ausgang des Opamp ist mit dem invertierenden Eingang direkt verbunden. In Mittelstellung sind die beiden Widerstandsverhältnisse gleich gross, was einer Verstärkung von 2 entspricht. Je weiter der Schleifer nach "unten" bewegt wird, um so grösser ist die Verstärkung und um so geringer die Gegenkopplung. Ist der Schleifer am "unteren" Anschlag, befindet sich der invertierende Eingang auf GND-Potential. Die Verstärkung ist theoretisch unendlich. Die Schaltung arbeitet als Komparator, weil die geringste positive oder negative Spannung Ue eine maximale positive oder negative Ausgangsspannung Ua verursacht.

    Teilbild 3.2 ist der erste Schritt zur Demoschaltung. Die Schaltung in Teilbild 3.2 erfüllt exakt die selbe Funktion wie diejenige in Teilbild 3.1. Der Unterschied besteht darin, dass Ue am invertierenden Eingang liegt. Damit trotzdem Gegenkopplung und nicht Mitkopplung zustande kommt, wird das Ausgangssignal des Opamp A durch Opamp B mit einer Verstärkung von -1 invertiert. So einfach wie hier gezeigt, funktioniert diese Schaltung allerdings nicht. Würde man dazu zwei herkömmliche Opamps (z.B. LF356 oder TL081) mit interner Frequenzgangkompensation verwenden, würde die Schaltung, ausser bei sehr hoher Verstärkung, eingestellt mit P, oszillieren. Darüber lesen wir später mehr.



    Der zweite Schritt zur Demoschaltung

    Teilbild 4.1 wiederholt Teilbild 2.3 mit dem Unterschied, dass R1 und R2 durch das Potentiometer P ersetzt ist. Mit dessen Schleifer kann man das usprüngliche Verhältnis von R2 zu R1 einstellen und kontinuierlich verändern. Mit P kann man zwischen der Funktion des Komparators (KOMP.) bis zum Schmitt-Trigger (S.T.) mit kleiner bis grosser Hysterese kontinuierlich variieren. Diese Schaltung in Teilbild 4.1 (Mitkopplung) und die in Teilbild 3.2 (Gegenkopplung) bilden die prinzipielle Demoschaltung, dargestellt in Teilbild 4.2.

    In Teilbild 4.2 liegt das Potentiometer P nicht mehr zwischen dem gegen- oder mitkoppelnden Opamp-Ausgang und GND. Potentiometer P liegt zwischen diesen beiden Ausgängen. Damit ist es möglich mit P kontinuierlich zwischen Gegenkopplung (Verstärkerbetrieb), weder Mit- noch Gegenkopplung (Komparatorbetrieb) und Mitkopplung (Schmitt-Trigger mit kleiner bis grosser Hysterese) zu variieren.



    Verstärker oder Oszillator, das ist hier die Frage

    In der Morgendämmerung der integrierten linearen Verstärker, also der Opamp, mühte man sich bei der Dimensionierung von Verstärkerschaltung damit ab, mit entsprechenden Massnahmen von Frequenzgangkompensationen, unerwünschtes Oszillieren zu vermeiden. In dieser Zeit entstand auch der Witz: "Willst Du einen Verstärker, so kriegst Du einen Oszillator". Dem ist aber schon seit langem nicht mehr so, weil in den meisten Opamps die Frequenzgangkompensation integriert ist. Damit erkauft man sich allerdings auch einen Nachteil: Die Frequenzbandbreite reduziert sich bei hoher Verstärkung sehr stark, was nicht nötig wäre, wenn man den Frequenzgang extern kompensiert und so der Verstärkung anpasst. Genau aus diesem Grund gibt es auch noch heute Opamps mit Anschlüssen für die externe Frequenzgangkompensation. Bei der TL08x-Opamp-Familie von Texas-Instruments ist dies der TL080, während TL081 (Single-Opamp), TL082 (Dual-Opamp) und TL084 (Quad-Opamp) intern frequenzgangkompensiert sind.

    Wie die Frequenzgangkompensation funktioniert, ist im Buch "Halbleiter-Schaltungstechnik" von Tietze/Schenk im Kapitel "Frequenzgang-Korrektur" hervorragend beschrieben. Ich streife daher in diesem Abschnitt dieses Thema bloss. Dazu nachfolgend Bild 5:

    Bei der Frequenzgangkompensation definiert man eine kritische Frequenz, als diejenige, bei der die Verstärkung 1 wird (Closed-Loop). Dabei betrachtet man die Phasenverschiebung zwischen Ue und Ua. Beträgt sie dabei gerade 180 Grad, stellt sich anstelle den Gegenkopplung Mitkopplung ein, und man hat eine ungedämpfte Schwingung. Der Verstärker oszilliert. Ist die Phasenverschiebung knapp geringer als diese 180 Grad, ergibt sich eine gedämpfte Schwingung. Wenn man in diesem Zustand an Ue eine steile Flanke einer Rechteckspannung einspeist, entsteht an Ua der selbe Spannungssprung, jedoch mit einsetzender Schwingung, die aber wieder abklingt. In Bild 8 wird dies in den Diagrammen Ua4 bis Ua6 illustriert, wobei Ua4 eine starke, Ua5 eine mittlere und Ua6 eine schwache Dämpfung zeigt.

    Bild 5 ist bloss ein Beispiel und bezieht sich nicht auf einen bekannten Opamp. Die Kurven sind auch keineswegs so gerade wie hier gezeichnet. Das Diagramm dient bloss der Anschauung. Betrachten wir die Kurve UNCOMP (Opamp nicht frequenzgangkompensiert) im Verstärkungs- und Phasenbereich, so stellen wir fest, dass bei einer Closed-Loop-Verstärkung (Verstärkung durch Gegenkopplung) von 10'000 bereits die kritische Phasenverschiebung von 180 Grad erreicht ist. Dies bedeutet, dass bei dieser Verstärkung oder weniger die Schaltung ohne Frequenzgangkompensation oszilliert. Die Kurve COMP illustriert den Frequenz- und Phasengang mit Frequenzgangkompensation. Damit arbeitet der Verstärker stabil ab Verstärkung 1. Bei dieser Verstärkung besteht noch immer eine Phasenreserve von 45 Grad, bei der man eine sehr stark gedämpfte aperiodische Schwingung erreicht. Wenn man an Ue eine steile Flanke anlegt, schwingt Ua mit sehr geringfügigem Überschwingen ein. Mehr dazu im erwähnten Buch "Halbleiter-Schaltungstechnik".

    Im vorliegenden Beispiel ist der Frequenzgang derart kompensiert, dass bei einer Verstärkung von 1 eine Frequenzbandbreite von 2 MHz möglich ist. Man sagt dem Einheitsverstärkung oder in Englisch Unity-Gain. Dividiert man die Unity-Gain-Frequenz durch die Verstärkung, die man mit der Gegenkopplung realisiert, so ergibt dies die Frequenzbandbreite bei eben dieser Verstärkung. Bei einer Verstärkung (Closed-Loop-Gain) von 100 hat man eine Frequenzbandbreite von 20 kHz. Genau die richtige Frequenzbandbreite für einen Audioverstärker. Es stellt sich bei jeder verstärkungsabhängigen Grenzfrequenz jeweils eine Dämpfung von 3 dB ein und dies stets bei einer Phasenverschiebung zwischen Ue und Ua von 90 Grad.

    Nehmen wir an, die Verstärkung von 100 bei einer Grenzfrequenz von 20 kHz genügt uns nicht. Was tun wir? Wir nehmen einen "schnelleren" Opamp. Problem gelöst. In der Regel ist das auch so. Da gibt es z.B. den LF356 mit einer sogenannten Unity-Gain-Stability (er arbeitet stabil ab einer Verstärkung von 1) bei einer Grenzfrequenz von 5 MHz. Dieser Opamp würde im vorliegenden Beispiel die Audiobandbreite bis zu einer Verstärkung von 250 erfüllen. Was aber tun wir wenn wir eine Verstärkung von 1000 mit nur einem Opamp realisieren wollen? Dann nehmen wir den schwächer kompensierten Bruder des LF356 mit einer Unity-Gain-Frequenzbandbreite von 20 MHz. Es ist der LF357. Damit haben wir eine Grenzfrequenz von 20 kHz bei einer Verstärkung von 1000. Man kann sich nun fragen, warum der IC-Hersteller zwei Opamps herausbrachte, wenn der schwächer kompensierte das kann was man will. Ganz einfach: Der schwächer kompensierte LF357 lässt nur eine minimale Verstärkung von 5 zu. Bei weniger Verstärkung oszilliert er aus dem weiter oben beschriebenen Grund. Mit einem einfachen Schaltungstrick, kann man den LF357 allerdings auch unity-gain-stabil machen, wobei er dann die selbe Unity-Gain-Bandbreite hat wie der LF356. Siehe Datenblatt des IC-Hersteller.

    Kommen wir zurück zu Bild 5. Beachte den Ausschnitt mit der Bezeichnung LESSCOMP. Dies bedeutet "weniger frequenzgangkompensiert". Benötigt man eine Verstärkung von 2000 und eine bestimmte Frequenzgangkompensation erlaubt eine Frequenzbandbreite von etwas mehr als 1 kHz, so erhöht sich dieser Wert, wenn diese Kompensation etwas reduziert wird. LESSCOMP deutet dies an. Dazu eignen sich Opamps welche keine interne Frequenzgangkompensation haben und diese dafür selbst an zwei Pins, mittels externem Kondensator und manchmal einenWiderstand in Serie, vorgenommen werden kann. Ein solcher Opamp ist z.B. der TL080, wie wir ihn in unserer Demoschaltung einsetzen. Wir kommen damit zur eigentlichen Demoschaltung in Bild 6.



    Die Demoschaltung

    Die Schaltung in Bild 6 entspricht mit dem Unterschied der Schaltung in Teilbild 4.2, dass sie dimensioniert ist, einen Trimmkondensator C für die einstellbare Frequenzgangkompensation, eine Abstimmung für die DC-Offsetspannung mit P1 und R1 und zwei Schalter beim Potentiometer P enthält. Diese beiden Schalter MK (Mitkopplung) und GK (Gegenkopplung) erweitern die Experimentiermöglichkeiten etwas. Mit P1 stellt man in der Betriebsart der Gegenkopplung, bei hoher Verstärkung und mit GND kurzgeschlossenem Eingang Ue, die Ausgangsspannung Ua auf 0 VDC ein. Damit ist die DC-Offsetspannung auf Null abgeglichen.

    Es ist dabei wichtig, dass man ein mittelschnelles Oszilloskop mit einer Bandbreite von gut 20 MHz verwendet um hochfrequente Einschwingvorgänge zu beobachten, von denen noch die Rede sein wird. Auf R3 kann man verzichten, wenn man eine niederkapazitive 10:1-Oszilloskop-Mess-Sonde benutzt, ansonsten ist R3 zu empfehlen, damit die Kapazität des Messkabels Opamp B nicht zum Oszillieren anregt. Man muss dabei auch beachten, dass R3 mit der Kabelkapazität einer 1:1-Mess-Sonde ein passives Tiefpassfilter bewirkt und die Amplitude der HF-Schwingung so sehr dämpfen kann, dass die Wiedergabe auf dem Bildschirm nicht mehr der Tatsache entspricht. Wenn R3 = 100 Ohm und die Kapelkapazität 100 pF betragen, hat dieser Tiefpass eine Grenzfrequenz von 15 MHz. Man kann diese Grenzfrequenz durch Reduktion von R3, bei gebener Kabelkapazität, erhöhen. Man muss dabei selbst ausprobieren, wie weit man R3 reduzieren kann, bis Opamp B instabil wird. Besser ist auf jedenfall die Verwendung obengenannter 10:1-Messonde.

    Die kleine Tabelle in Bild 6 illustriert die Möglichkeiten der Schalter MK und GK wenn sie ein- oder ausgeschaltet sind. Sind beide eingeschaltet, entspricht dies der Schaltung in Teilbild 4.2. Man kann mit P den ganzen Bereich zwischen Mit- und Gegenkopplung variieren. Ist nur MK eingeschaltet, ist der Bereich von P zwischen Schmitt-Trigger und Komparator (Mitkopplungsbereich) eingeschränkt. Ist nur GK eingeschaltet, ist der Bereich von P zwischen Verstärkung 1 und Komparator (Gegenkopplungsbereich) eingeschränkt. Sind MK und GK ausgeschaltet, bleibt P wirkungslos. Der nichtinvertierende Eingang des Opamp A ist über P stets mit GND verbunden. Es gibt also weder Gegen- noch Mitkopplung. Es ist eine Komparatorfunktion.



    Experimentieren und Spielen

    Man verbindet die Demoschaltung, wie Bild 1 illustriert. MK und GK (Bild 6) sind eingeschaltet und das Potentiometer P ist am "unteren" Anschlag, das heisst auf maximaler Gegenkopplung. Die Verstärkung ist 1. An Ue liegt eine Sinus oder Dreieckspannung bei einer Frequenz von etwa 200 Hz mit zunächst einer Spannung von etwa 1 Vpp. An Ua sollte man mit dem Oszilloskopen ebenfalls eine Sinus- oder Dreieckspannung mit dem selben Spannungswert messen. Sieht man jedoch bei der zu dieser Frequenz adäquaten Zeilenablenkung ein verschmiertes Bild, dann deutet dies auf Instabilität und Oszillieren hin. Man kann dies mittels einer schnelleren Zeilenablenkung leicht feststellen und die Frequenz dieser unerwünschten Schwingung messen, wenn man will. Man dreht nun mit einem Abstimmschraubenzieher, der nur vorne an der Spitze metallisiert sein sollte, am Trimmkondensator C die Kapazität so hoch, bis die überwünschte HF-Schwingung aussetzt. Nun hat man die Gewissheit, dass die Schaltung auch nicht bei höherer Verstärkung als 1 oszilliert.

    Jetzt beginnt das Experiment: Wir drehen langsam an P und erhöhen die Verstärkung. Wenn an Ua die Spitzenwerte der Sinus- oder Dreieckspannung durch die maximal mögliche Aussteuerung, begrenzt durch die Betriebsspannung , geklippt werden, muss an Ue die Spannung reduziert werden. Wir drehen weiter an P bis die Mittelstellung erreicht ist. Dann haben wir die Komparatorfunktion, was bei dieser niedrigen Frequenz sich wie eine unendlich hohe Verstärkung auswirkt. Wir sehen schon bei geringster Ue-Spannung an Ua eine Rechteckspannung mit Maximalaussteuerung. Wir drehen jetzt P weiter in Richtung Mitkopplung und so können wir sehr schön die zunehmende Hysterese beobachten, in dem wir das Ausgangssignal an Ua mit dem Eingangssignal an Ue vergleichen. Man beachte dazu Bild 7:

    Bild 7 zeigt drei Diagramme auf dem Oszilloskopen. Das linke Diagramm zeigt die Komparatorfunktion. Das Potentiometer P ist in Mittelstellung, wobei die beiden Schalter (Bild 6) MK und GK eingeschaltet sind. Das mittlere Diagramm zeigt eine schwache Schmitt-Trigger-Wirkung, wobei der Schleifer von P nur wenig in Richtung Mitkopplung (S.T.) gesetzt ist. Die Hystere ist schwach ausgeprägt. Das rechte Diagramm zeigt eine stärkere Schmitt-Trigger-Wirkung, wobei der Schleifer von P noch mehr in Richtung Mitkopplung gesetzt ist. Die Hystere h ist entsprechend stärker ausgeprägt.



    Test der Stabilität

    Bild 8 demonstriert die Wirkung der Frequenzgangkompensation. Dazu wählt man beim Funktionsgenerator das Rechtecksignal und die Demoschaltung arbeitet im Gegenkopplungsbetrieb. Ob dabei der Schalter MK ein- oder ausgeschaltet ist, ist irrelevant. Ist er ausgeschaltet, hat man allerdings den Vorteil, dass man mit P den ganzen Gegenkopplungsbereich fahren kann, - also den Bereich der uns hier interessiert. Angedeutet ist dies mit der Schaltung, wie sie bereits in Teilbild 4.2 diskutiert wurde. Bild 8 zeigt die Demoschaltung reduziert auf den Bereich der Gegenkopplung.

    Wir wählen mit P eine mittlere Verstärkung und stellen die Rechteckspannung an Ue so ein, dass an Ua die Rechteckspannung noch weit weg von der Aussteuergrenze ist. Der Trimmkondensator C stellen wir auf Maximalwert. Nun erhöhen wir am Funktionsgenerator die Frequenz soweit, dass sich etwa das Bild von Ua1 einstellt. Die Trapezierung des Rechtecksignales zeigt die Wirkung einer starken Frequenzgangkompensation im Verhältnis zur eingestellten Verstärkung an P. Nun reduzieren wir die Kapazität von C und wir beobachten wie an Ua die Flanken steiler werden. Wir reduzieren damit die Frequenzgangkompensation und sie erreicht den optimalen Wert dann, wenn sich an Ua etwa das Diagramm von Ua3 einstellt. Reduzieren wir die Kapazität von C weiter, wird die genannte Phasenreserve von 45 Grad unterschritten und es zeigt sich Ua4 mit einer stark gedämpften aperiodischen Schwingung. Reduzieren wir C, bzw. die Frequenzgangkompensation, noch weiter, reduziert sich die Dämpfung der aperiodischen Schwingung wie die Diagramme Ua5 und Ua6 zeigen. Die Amplitude der Schwingung wird grösser und es dauert länger bis sie abgeklungen ist. Bei weiterer Reduktion von C erreichen wir die kritische Phasenverschiebung von 180 Grad und es tritt eine periodische Schwingung auf. Die Schaltung oszilliert dauerhaft, ohne dass sie mit einem Rechtecksignal angeregt werden muss.

    Das ganze Spiel ist auch durch die Variation der Verstärkung mit P möglich, weil der Grad der Frequenzgangkompensation schliesslich von der Verstärkung abhängig ist. Es lohnt sich bei der Demo abwechslungsweise mit C und P zwecks Anschaulichkeit zu spielen. Spielt man mit P, muss man einfach daran denken, dass bei Verstärkungszunahme die Aussteuergrenze an Ua erreicht werden kann. Um dies zu verhindern muss man die Spannung an Ue, also beim Funktionsgenerator, entsprechend reduzieren.

    Mit diesem Experiment kann man dem Schüler einen wichtigen praktischen Ratschlag mit auf den Weg geben: Hat man eine Verstärkerschaltung vor sich, vor der man nicht weiss, wie stabil sie arbeitet, "reizt" man sie mit einem steilflankigen Rechtecksignal am Eingang und man betrachtet dabei mit einem Oszilloskopen das Ausgangssignal. So erkennt man leicht wie es mit der Stabilität der Schaltung bestellt ist.



    Thomas Schaerer, 21.08.2002 ; 12.11.2002 ; 15.03.2003(dasELKO) 16.12.2003 ; 06.12.2005

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