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Operationsverstärker
und
Instrumentationsverstärker

Operationsverstärker und Instrumentationsverstärker

Käufer Elektronik-Workshop Kundenmeinung:
Mein Lob gilt der übersichtlichen und schönen Darstellung und der guten didaktischen Aufbereitung. Selten werden Schaltungen so gut erklärt, dass es auch noch Spaß macht sich damit zu beschäftigen.

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Timer 555

Timer 555

Käufer des Timer-Buchs Kundenmeinung:
Hätte ich das Timer-Buch schon früher gehabt, dann hätte ich mir die Rumfrickelei am NE555 sparen können.

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Elektronik-Fibel

Die Elektronik-Fibel, das Elektronik-Buch

Käufer der Elektronik-Fibel Kundenmeinung:
Die Elektronik-Fibel ist einfach nur genial. Einfach und verständlich, nach so einem Buch habe ich schon lange gesucht. Es ist einfach alles drin was man so als Azubi braucht. Danke für dieses schöne Werk.

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555-CMOS: 50%-Duty-Cycle-Generator
(mit kapazitiver Sensor-Schaltung)


  • Das Inhaltsverzeichnis meiner Elektronik-Minikurse

  • Die Philosophie meiner Elektronik-Minikurse
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Hilfe bei Leserfragen.
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg

  • Autor:   Thomas Schaerer           Buch 1    Buch 2


  • Einleitung

    Die bipolare Version des Timer-IC NE555 oder LM555 ist nicht nur ein Oldie, wie ich ihn im Elektronik-Minikurs 555-CMOS-Timer, auch für lange Zeiten bezeichnete. Er ist auch ein Evergreen, denn sonst wäre das Interesse an ihm längst erloschen. Die vielen Webseiten zu seiner Ehre bestätigen dies. In diesem Elektronik-Minikurs soll auf eine weitere besondere Eigenschaft des 555-CMOS-Timer-IC (LMC555 und TLC555) eingegangen werden. Während in 555-CMOS-Timer, auch für lange Zeiten der sehr hochohmige CMOS-Eingangswiderstand, besonders beim Treppenhausbeleuchtungstimer, mit einer Abschaltverzögerungszeit von 16 Minuten, im Vordergrund steht, geht es diesmal um eine besonders angenehme Eigenschaft der CMOS-Ausgangsstufe.



    Bipolare 555-Endstufe versus CMOS-555-Endstufe

    In der linken Bildhälfte sehen wir die typisch bipolare Endstufe eines NE555 oder LM555 und auf der rechten die typische CMOS-Endstufe eines LMC555 oder TLC555. Im weiteren sollen die C-MOS-Versionen des 555 mit LMC/TLC555 benannt werden. Zu verstehen sind dabei die beiden Typen LMC555 von National-Semiconductor-Corporation (NSC) und TLC555 von Texas-Instruments (TI). Mit der Bezeichnung LMC/TLC555 sind auch 555-CMOS-Produkte anderer Hersteller, wie z.B. von EXAR, berücksichtigt.

    Betrachten wir zuerst die bipolare Endstufe. Hier fällt einem sogleich auf, dass die Ausgangsspannung an OUT niemals Rail-to-Rail sein kann. Für den Elektronikanfänger: Rail-to-Rail bedeutet, dass die Ausgangsspannung den Wert von +Ub und GND, oder ±Ub bei symmetrischer Speisung, annehmen kann. Während dies bei der CMOS-Ausgangsstufe des LMC/TLC555 ohne oder mit nur niedriges Last am Ausgang möglich ist, ist dies mit der bipolaren Ausgangsstufe des NE555 oder LM555 überhaupt nicht möglich. Betrachten wir dies im Detail.

    OUT soll auf LOW gesetzt sein, also nahe beim GND-Pegel liegen. Der NPN-Transistor T2 ist leitend. Die Kollektor-Emitter-Strecke eines bipolaren Transistors kann zwar, je nach Transistortyp, sehr kleine bis sehr grosse Ströme ziehen, jedoch unabhängig von der Stromstärke, kann die Kollektor-Emitter-Spannung auf Grund von Nichtlinearitäten nie Null Volt werden. Auch bei sehr kleinen Kollektorströmen liegt OUT, wegen der Kollektor-Emitterspannung von T2, stets einige zehn Millivolt über GND. Nun, das wäre ja noch kein Grund um gleich "ein Büro aufzumachen". Aber betrachten wir noch den HIGH-Pegel-Aspekt...

    OUT liegt jetzt auf HIGH. Wie nahe kann diese Ausgangsspannung +Ub erreichen, wenn der Ausgang nicht oder fast nicht belastet ist? Nun, das haben wir schnell raus. Mit T3 und T1 erkennen wir eine NPN-Darlingtonschaltung in der Funktion als Emitterfolger. An OUT kann also maximal eine Spannung vorliegen, die zwei Basis-Emitter-Schwellenspannungen unterhalb von +Ub liegt. Bei keiner oder fast keiner Ausgangslast bedeutet dies, dass die Ausgangsspannung immer mindestens 1.2 Volt unterhalb von +Ub liegt. Für viele Anwendungen ist auch dies kein Grund "ein Büro aufzumachen", - jedoch für die vorliegende Anwendung schon, wie wir gleich sehen werden.

    Betrachten wir jetzt die CMOS-Endstufe auf der rechten Bildhälfte. Diese besteht bekanntlich aus einem N- (T2) und einem P-Kanal-MOSFET (T1). Entweder ist T1 oder T2 leitend. Beide verhalten sich, als lineare niederohmige Widerstände, wenn sie leitend (eingeschaltet) sind. Dies hat zur Folge, wenn OUT nicht oder nur sehr geringfügig belastet ist, dann haben diese "steuerbaren Widerstände" (FETs) RP oder RN im Verhältnis zu einem mittel- bis hochohmigen Lastwiderstand einen derart niedrigen On-Widerstand, so dass der Ausgangspegel an OUT Rail-to-Rail-Eigenschaften aufweist. Dieser Zustand hat man z.B. dann, wenn OUT mit einem hochohmigen Eingang einer nachfolgenden Schaltung verbunden ist. Der Eingangswiderstand der nachfolgenden Schaltung sollte 10 k-Ohm oder besser grösser sein, will man ein sehr gutes Rail-to-Rail-Verhalten der CMOS-Ausgangsstufe beibehalten. Dies vor allem wegen dem P-Kanal-MOSFET T1. Die beiden FETs T1 und T2 sind nicht identisch. Während T2 kräftiger ist und bei einem Strom von 8 mA einen Spannungsabfall von 0.3 VDC erzeugt, erzeugt T1 den selben Spannungsabfall schon bei einem Lastrom von 2 mA und dies bei einer Betriebsspannung von 5 VDC. Bei höherer Betriebsspannung sind die Spannungsabfälle niedriger, weil die Gates von T1 und T2 mit höheren Steuerspannungen versorgt werden. Mehr Information im Detail erfährt man im Datenblatt zum LMC555.



    50%-Duty-Cycle-Generator mit nur einem
    Widerstand und einem Kondensator

    Dies funktioniert nur mit dem LMC/TMC555 weil die Rail-to-Rail-Eigenschaft der Ausgangsstufe die wichtigste Voraussetzung dazu ist. Allerdings mit gewissen Einschränkungen betreffs Laststrom an OUT1. Nur dann nämlich, wenn die beiden Spannungswerte +Ub und GND an OUT1 erreicht werden, ist ein Rechtecksignal mit einem Duty-Cycle (Tastverhältnis) von exakt 50% möglich. Damit ist klar, dass RT nicht zu niederohmig sein darf, weil sonst die Rail-to-Rail-Bedingung nicht bereits bei Ladebeginn von CT erfüllt ist. Es zählt allerdings auch die Matching-Genauigkeit der IC-internen Widerstände mit je 100 k-Ohm. Nicht die absoluten Werte zählen, sondern die realtiven Abweichungen untereinader. Darunter versteht man das sogenante Matching. Darüber gibt das Datenblatt jedoch keine Auskunft.

    Es gibt aber noch die Möglichkeit, in einem gewissen Tastverhältnisbereich, an Pin 5, dem sogenannten Steuer- oder Modulations-Eingang, nachzuhelfen. Mit (Trimm-)Potmeter P und R2 beeinflusst man die IC-internen Referenzspannungen REF1 und REF2. Dies verändert die obere (Pin 6) und untere (Pin 2) Triggerschwelle und damit an OUT1 (und OUT2) das Tastverhältnis. Allerdings ist es unvermeidlich, dass dadurch auch die Frequenz ein wenig mitbeeinflusst wird. Diese müsste mit RT korrigiert werden. Teilt man RT auf in (Trimm-)Potmeter und Widerstand, kann man die Einstellempfindlichkeit dadurch verringern, in dem der Einstellbereich der Frequenz so klein wie möglich dimensioniert wird. Man kann für diesen Zweck auch ein 10- oder 20-Gang-Trimmpotmeter verwenden. Wobei man darauf achten sollte, solche mit guter mechanischen Stabilität einzusetzen. Übrigens, C1 mit 100 nF, sollte immer eingesetzt werden, wenn Pin 5 hochohmig genutzt wird oder unbenutzt ist. Siehe Datenblatt.

    Das Problem mit der unerwünschten Frequenzbeeinflussung wäre realisierbar, wenn nicht nur REF2 (Pin 5) sondern auch REF1 mit einem Anschlusspin von aussen beschaltbar wäre. Wie dies grundsätzlich zu realisieren wäre, zeigt Bild 3:

    Doch nun schauen wir wie der 50%-Duty-Cycle-Generator funktioniert und betrachten mit Bild 2 (weiter oben) auch die Signaldiagramme in Bild 4:

    +Ub wird mit den drei IC-internen Widerständen in drei gleich grosse Spannungswerte aufgeteilt. 1/3*Ub liegt am invertierenden Eingang des Komperators KB (REF1) und 2/3*Ub am nichinvertierenden Eingang von Komparator KA (REF2).

    Nachdem Einschalten der Generatorschaltung ist CT zunächast entladen. Die Phase t1 beginnt. Die Spannung an CT ist also niedriger als die beiden Referenzspannungswerte an REF1 und REF2. /R1, /R2 und /S sind LOW-Pegel-sensitive Eingänge des RS-Flipflop FF, d.h. ein Umschalten von HIGH auf LOW wirkt sich stets auf den Zustand des FF aus. /S ist auf LOW (GND) und und /R1 auf HIGH (+Ub). /R2 ist direkt mit HIGH (+Ub) verbunden. FF ist also gesetzt und der Ausgang Q, identisch mit OUT1, ist auf HIGH (+Ub) gesetzt. Dadurch wird CT durch RT von diesem HIGH-Pegel geladen. Die Spannung an CT UCT steigt. Sie überschreitet die Spannungsschwelle von REF1 von 1/3*Ub. Jetzt sind /S und /R auf HIGH gesetzt. Die Spannung an CT steigt weiter. Beim Erreichen der Spannungsschwelle von REF2 von 2/3*Ub geht /R1 von HIGH auf LOW und FF wird zurückgesetzt. Dadurch wird OUT1 auf LOW gesetzt. Die Phase t2 beginnt. CT wird über RT entladen. Dabei wird der Wert von REF2 sogleich wieder unterschritten. /R1 und /S sind wiederum auf HIGH. Die Spannung an CT sinkt. Beim Erreichen von REF1 wird /S wieder LOW und OUT1 geht erneut auf HIGH. Die Ladung von CT beginnt mit der Phase t3 von Neuem. Noch etwas genauer: REF2 wird durch UCT genau genommen im mV-Bereich leicht über- und REF1 leicht unterschritten. Die genauen Werte sind nicht bekannt, weil dazu die notwendigen DC-Offsetspannungen der Komparatoren im Datenblatt nicht angegeben sind.

    t1 ist grösser als t2 oder t3, weil am Anfang CT meist vollständig entladen ist. Danach ändert die Spannung an CT immer nur zwischen 1/3*Ub und 2/3*Ub (Hysterese), was ein Tastverhältnis von 50% des Rechteckausgangssignales zur Folge hat (t2 = t3).

    Stabilität des 50%-Tastverhältnis: Gemäss Datenblatt des LMC555 liegt die maximale Oszillatorfrequenz bei 3 MHz. Bleibt man bei CT = 100 pF, liegt RT bei weniger als 2 k-Ohm. Bis hinunter zu diesem RT-Wert ist auf dem Oszilloskop noch keine Verschlechterung des 50%-Tastverhältnisses optisch wahrnehmbar. Bei einem Test an wenigen Exemplaren zeigte sich ein unterer RT-Grenzwert von etwa 1 k-Ohm. Bei genauem Hinsehen auf dem Oszilliskop beobachtete ich erst eine geringfügige Abweichung vom 50%-Tastverhältnis und dies innerhalb eines Betriebsspannungsbereiches zwischen +5 VDC und +15 VDC. Die Erweiterung für den Abgleich des Tastverhältnisses in Bild 2 ist daher nur selten nötig.

    Wenn der RT-Wert niederohmig realisiert werden muss, z.B. für höhere Frequenzen bis in den MHz-Bereich, muss man die On-Widerstände von T1 und T2 des LMC/TLC555 in die Berechnung miteinbeziehen. Diese Widerstandswerte sind aus dem Datenblatt jedoch nicht ersichtlich und sie sind auf jedenfall ungleich, weil T2 (Bild 1) der kräftigere MOSFET ist. Muss man mit einem LMC/TLC555 unbedingt so hohe Frequenzen erzeugen, ist es besser CT etwas kleiner und RT etwas grösser zu wählen. Erfahrung habe ich mit dem LMC/TLC555 nur mit Frequenzen bis maximal 1 MHz im Dauereinsatz.

    Noch einmal ein Blick zum Bild 2. Es gibt zwei Ausgänge, OUT1 und OUT2. OUT1 dient der Rückkopplung für die Oszillatorfunktion. Wird dieser Ausgang zusätzlich belastet, beeinflusst dies die Frequenz und auch das Tastverhältnis, Ändert sich während des Betriebes der Laststrom an OUT1, kann dies die Frequenzstabilität und die Stabilität des Tastverhältnisses massiv beeinträchtigen. Die Frequenz-Temperatur-Stabilität wird gemäss Datenblatt mit 75 ppm/K angegeben. Das ist für einen RC-Oszillator sehr gut. Dies bedeutet z.B., dass die Frequenz von 100 kHz bei einer Temperaturänderung von 20 K um etwa 150 Hz variiert. Dies allerdings nur, wenn OUT1 hochimpedant belastet wird, z.B. mit einer schnellen Komparatorschaltung, - am besten natürlich ebenfalls mit CMOS-Eingang.

    Ich erwähne hier absichtlich nicht hochohmig sondern hochimpedant. Dies bedeutet, dass man bei höheren Frequenzen auch auf parasitäre Kapazitäten achten muss. Es liegt dann definitiv nicht drin, dass man zwischen OUT1 und GND ein langes abgeschirmtes Kabel anschliesst. In so einem Fall muss man das Rechtecksignal aus dem LMC/TLC555 vor der Weiterverarbeitung erst puffern.

    Alternativ dazu, kann man auch den Opendrain-Ausgang OUT2 benutzen. Bei höheren Frequenzen, muss man allerdings daran denken, dass der On-Widerstand von T (Bild 2) immer sehr viel kleiner ist als der Pullupwiderstand R1. Dies hat zur Folge, dass bei höheren Frequenzen die ansteigende Flanke auffallend weniger steil ist wie die fallende Flanke des Rechtecksignales. Dies besonders dann wenn OUT2 zusätzlich kapazitiv belastet ist.

    OUT2 eignet sich, wenn für die Timerschaltung unbenutzt, hauptsächlich für das Treiben etwas grösserer Lasten wie z.B. ein Relais oder eine superhelle LED. Im vorliegenden Beispiel als helle Blinkschaltung. Der maximale Strom beträgt 50 mA. Das ist der Stromsenke-Betrieb. Die Last liegt zwischen +Ub und OUT2 (Pin 7).

    Bei einem Relais unbedingt die Freilaufdiode parallel zur Relaisspule nicht vergessen, da sonst beim Abschalten hohe Selbstinduktionsspannungsimpulse den MOSFET T (Bild 2) zerstören können.



    Anwendung: Kapazitive Sensorschaltung mit LMC555

    Die Arbeitsweise eines kapazitiven Sensors besteht grundsätzlich aus einer Veränderung des Plattenabstandes, der aktiven Plattenfläche oder dem dielektrischen Wert durch eine nichtelektrische Aktion. Der dielektrische Wert trifft z.B. auf den kapazitiven Feuchtesensor zu. Wenn man einen kapazitiven Sensor einsetzen will, gibt es zumindest zwei grundlegend unterschiedliche Arten des Ausgangssignals. Eine kapazitätsabhängige Spannung oder eine kapazitätsabhängige Frequenz. In beiden Anwendungen hat man es mit einer meist höherfrequenten Wechselspannung (AC-Spannung) zu tun, wie dies die Bild 5 zeigt:

    Teilbild 5.1 zeigt als stark vereinfachtes Prinzpschaltbild eine mögliche Variante zur Erzeugung einer analogen Ausgangsspannung Ua, gegeben durch die Kapazität des kapazitiven Sensors Cs (s für Sensor). Der AC-Strom des Generators erzeugt in Cs einen Blindstrom, der durch R1 fliesst und eine Spannung erzeugt. Ändert sich der Wert von Cs, ändert sich der Blindstrom und damit auch die Spannung an R1. IC:A verstärkt die relativ kleine Änderung von Cs durch eine externe physikalische Einwirkung. Diese verstärkte AC-Spannung wird mit D, R4, R5 und C1 gleichgerichtet und geglättet. Im Prinzip besteht die ganze Schaltung aus Amplituden-Modulation und Amplituden-Demodulation. Die sehr niederfrequente Veränderung der Kapazität von Cs moduliert die höherfrequente AC-Spannung des Generatots G an R1. Am Ausgang von IC:A zeigt sich die verstärkte AM-Spannung, die mit der nachfolgenden Schaltung aus D, R4, R5 und C1 demoduliert wird. Übrig bleibt an Ua die verstärkte rekonstruierte NF-Spannung. Die Grenzfrequenz des Tiefpassfilters aus R5 und C1 muss so hoch sein, dass die extrem niederfrequente Spannung, die Cs erzeugt, nicht nennenswert verzerrt wird. IC:B wirkt als Impdanzwandler, damit die nachfolgende Auswertschaltung die Messschaltung nicht beeinflusst. Die gezeigte Schaltung ist so einfach nicht nachbaubar. Sie zeigt nur das Funktionsprinzip.

    Anstelle von amplitudenmodulierten gibt es auch frequenzmodulierte Messmethoden. Cs beeinflusst eine Frequenz. Eine Variante ist es, wenn Cs Teil eines aktiven LC-Schwingkreises ist. Durch die Variabilität von Cs ändert sich die Resonanzfrequenz. Eine ganz andere Variante ist die, welche in Teilbild 5.2a gezeigt wird. Es wird, passend zu diesem Elektronik-Minikurs, den selben Rechteckgenerator benutzt, wie Bild 2 zeigt. Anstelle von CT (Bild 2) wird der kapazitive Sensor Cs geschaltet. Eine Veränderung der Kapazität von Cs verändert direkt proportional die Ausgangsfrequenz an Out1 und Out2. Out2, ist ein Opendrain-Ausgang. Daher der Pullup-Widerstand R1.

    Im Vergleich zu Teilbild 5.1 hat Teilbild 5.2a ein Problem, das kapazitive Sensoren oft schlecht vertragen - eine überlagerte mittlere DC-Spannung, dargestellt in Teilbild 5.2b. Diese DC-Offsetspannung ergibt sich aus dem Mittelwert der sägezahnartigen Mittelwertspannung, gegeben aus dem Maximalwert mit 2/3*Ub und dem Minimalwert 1/3*Ub, wie das bereits in Bild 4 ausführlicher dargestellt und kommentiert ist. Diese Mittwelwertspannung ist halb so gross wie die Betriebsspannung +Ub, also +Ub/2. Es stellt sich daher die Frage, wie kann man dieses Problem lösen und die einfache Schaltung mit dem LMC555, ohne grossen Zusatzaufwand, trotzdem benutzen. Wir betrachten dazu Bild 6:

    Wir haben bei der Oszillatorschaltung mit dem LMC555 in Teilbild 5.2a an Cs eine unerwünschte überlagerte DC-Spannung die wir wegfiltern wollen. Eine einfache passive Methode zeigt Bild 6. Im ersten Schritt untersuchen wir Teilbild 6.1, die uns eine DC-Spannungsquelle mit einer Spannung von 2.5 VDC zeigt. Dieser Wert passt zur überlagerten DC-Spannung in Teilbild 5.2b (mittlere Spannung an Cs), wenn +Ub 5 VDC beträgt. Die zur DC-Spannungsquelle UDC in Serie geschaltete AC-Spannungsquelle UAC erzeugt dazu passend eine AC-Spannung von aufgerundet 1.7 Vpp (1/3*Ub). Damit haben wir exakt die Relationen der AC- und DC-Spannungen entsprechend Teilbild 5.2b.

    Cs sei als Beispiel ein kapazitiver Feuchtesensor mit einer typischen Kapazität von etwa 100 pF, wobei in dieser Versuchsanordnung in Bild 6 auch ein gewöhnlicher Papier- oder Keramik-Kondensator seinen Zweck erfüllt. Cs und C1 bilden einen kapazitiven Spannungsteiler, parallel geschaltet zu UAC und UDC. Betrachten wir den Aspekt der AC-Spannung. Die Kapazität von C1 ist 1000 mal grösser als die von Cs. Oder anders formuliert, der frequenzabhängige kapazitive Widerstand (Kapazitanz) von C1 ist 1000 mal niedriger als der von Cs. Das heisst die AC-Spannung über C1 ist 1/1000 von der AC-Spannung an Cs. Die AC-Spannung an Cs ist daher praktisch gleich gross wie die AC-Spannung von der Quelle mit 1.7 Vpp. Man kann C1 problemlos von 100 nF auf 10 nF reduzieren und die Ungenauigkeit beträgt erst 1%. Weiter unten ist auch das speziell thematisiert.

    Wie verhält sich die Situation mit der DC-Spannung? Stellen wir uns vor, es sei zunächst keine DC-Spannung, sondern eine niederfrequente AC-Spannung, die aber wesentlich niederfrequenter ist als die Frequenz der AC-Spannung UAC. Die kapazitiven Widerstände von C1 und Cs wären sehr viel grösser, aber am Verhältnis der beiden kapazitiven Widerstände ändert sich nichts. Also ist die AC-Spannung an Cs (100 pF) noch immer 1000 mal grösser als an C1 (100 nF). Wir reduzieren die Frequenz bis nur noch eine DC-Spannung vorliegt. Dadurch werden die beiden kapazitiven Widerstände theoretisch unendlich gross. Was sind die praktische Auswirkungen? Ganz einfach, auf die Dauer sinkt bei dem Kondensator die DC-Spannung schneller, der im Verhältnis zur Kapazität, die grösseren Verluste hat. Diese Verluste sind mit den "imaginären" Widerständen Rv1 und Rvs in Teilbild 6.1 gekennzeichnet.

    Praktisch betrachtet, passiert folgendes beim Einschalten des Netzwerkes aus C1 und Cs. Die DC-Spannung UDC überträgt sich praktisch vollständig auf Cs und ohne ohmsche Belastung eines parallel geschalteten Widerstandes an Cs bleibt das auch so für eine lange Betriebsdauer. Will man diesen Dauerzustand vermeiden, muss man, wie Teilbild 6.2 zeigt, R parallel zu Cs schalten. Dadurch entsteht aus C1 und R ein passives Hochpassfilter. Dieses vermeidet, dass auf Dauer eine DC-Spannung an Cs liegt. Allerdings erzeugt R*C1 eine Zeitkonstante die festlegt, wie lange eine exponentiell sinkende DC-Spannung an Cs erzeugt wird. Damit diese DC-Spannung am Ausgang möglicht schnell den Wert 0 VDC approximiert, sollte R möglichst niederohmig sein. Ist R jedoch zu niederohmig, beeinflusst er unzulässig stark den frequenzabhängigen kapazitiven Widerstand von Cs, womit z.B. eine Feuchtigkeitsmessung stark verfälscht würde. In der vorliegenden Experimentierschaltung wirkt sich das nicht aus, weil die Frequenz konstant erzeugt wird. Jedoch in der Messschaltung in Bild 7 sehr wohl, wie wir gleich sehen werden.

    Wie gross R etwa sein darf, werden wir im weiteren Verlauf erfahren. Das ist natürlich stark von der gewählten Frequenz des Oszillators abhängig und eine geeignete Frequenz ist die, welche an der Kapazität Cs einen für den vorliegenden Zweck brauchbaren kapazitiven Widerstand erzeugt. Ist der kapazitive Widerstand zu hochohmig, ist die ganze Schaltung zu hochohmig und das bedeutet ein erhöhtes Risiko für externe Störeinflüsse. Ist sie zu niederohmig, wird der Oszillator zu sehr belastet. Der Oszillator muss eine hohe Frequenz liefern und das bedeutet auch mehr elektrische Verlustleistung. Es ist eine etwas "schwammige" Situation. Nun so schwierig ist es trotzdem nicht, wenn man die Schaltung in Bild 7 versteht. Achtung: Die Funktion von R übernimmt in Bild 7 R2.

    Auslöser zu diesem Kapitel war eine Diskusion im Forum des Elektronik-Kompendium zum Thema Beschaltung eines kapazitiven Fühlers (TCL555). Es geht dabei um die Messung der Feuchtigkeit mit einem kapazitiven Feuchtesensor mit der typischen Schaltung zur Erzeugung eines zeitsymmetrischen Rechtecksignales (t/T = 0.5) mit dem CMOS-Timer-IC LMC555 oder äquivalent TLC555. Ich habe in dieser Diskussion auch mitgewirkt und beschlossen, weil es um den beliebten LMC555 geht, diesen Elektronik-Minikurs mit diesem Thema zu ergänzen.

    Die nachfolgende Schaltung in Bild 7 entspricht weitgehend der Skizze des ersten Beitrages in diesem Thread des ELKO-Forums und die Quelle dieser Skizze ist eine empfohlene Testschaltung aus einem Produkt-Katalog der Firma E+E Elektronik. Man darf davon ausgehen, dass der Link zu dieser Schaltung langfristig nicht gesichert ist, weil ein Produktekatalog sich jederzeit ändern kann. Deshalb steht diese Testschaltung auch hier als PDF-Original zur Verfügung.

    Was bietet die Erweiterung dieses Elektronik-Minikurses zusätzlich zur Testschaltung im Produkt-Katalog der Firma E+E Elektronik? Ganz einfach, eine genauere Beschreibung wie die Schaltung arbeitet und sie fasst die Antworten auf Fragen im ELKO-Forum zusammen. Aber der wichtigste Grund ist, dass es eine LMC555-Anwendung ist!

    Bild 7 zeigt die Testschaltung von E+E Elektronik, in der Darstellung mit dem detaillierten Inhalt des LMC555 bzw. TLC555, wie dies Bild 2 illustriert. Jedoch nicht mit der dort dargestellten und beschriebenen Erweiterung für den präzisen Abgleich des Tastverhältnisses t/T auf den Wert von 0.5, da dies für die Anwendung dieser Testschaltung für den Einsatz eines kapazitiven Sensors, z.B. zur Messung der Feuchtigkeit, nicht nötig ist. Die Richtwerte für die Komponenten RT (R1 im E+E), C1, Cs (CT) und R2, orientieren sich nach der Testschaltung von E+E Elektronik, oder man kann sagen, nach einem kapazitiven Sensor, dessen Kapazität etwa im Bereich zwischen 100 und 200 pF liegt. RT besteht aus einer Serieschaltung eines Trimmpotmeter mit einem vorgschalteten Widerstand. Dies ermöglicht einen präzisen Frequenzabgleich. Die Werte dieser beiden Bauteile muss man experimentell ermitteln. Es ist nur der Gesamtwiderstand angegeben und das ist ein Richtwert, wie auch bei R1 in der Testschaltung von E+E Elektronik.

    Von der Experimentierschaltung in Bild 6 mit einer Oszillatorfrequenz von 50 kHz wissen wir, dass der kapazitive Widerstand XCs von Cs bei 100 pF 32 k-Ohm beträgt. R2 muss wesentlich grösser als XCs sein, damit Cs nicht signifikant von R2 beeinflusst wird. In der Testschaltung von E+E Elektronik wird für R2 ein Wert von mehr als 4.7 M-Ohm angegeben. Damit ist R2 etwas mehr als 100 mal grösser als XCs. Die Zeitkonstante C1*R2 beträgt bei 100 nF und 5 M-Ohm eine halbe Sekunde und das bedeutet, dass Cs nach etwa 5 Sekunden praktisch frei ist von der DC-Spannung. Ist das noch immer zuviel Zeit, kann man C1 z.B. auf 22 nF reduzieren, worauf sich diese fünf Sekunden auf eine Sekunde reduziert. Der Messfehler verschlechtert sich geringfügig auf etwa 0.5 Prozent, wenn Cs 100 pF beträgt. Das ist kaum der Rede wert. Auch noch nicht bei 1 Prozent bei der Verwendung des kapazitiven Feuchtesensors HC201 mit einer Kapazität von 200 pF.

    Fazit: Diese Sensorschaltung ist genau der richtige Einstieg für den ELKO-Praktiker, der sich mit der Schaltungstechnik mit kapazitiven Sensoren praxisbezogen und experimentell befassen möchte. Ich wünsche viel Spass!



    Thomas Schaerer, (aelter) ; 29.04.2002 ; 14.03.2003(dasELKO) ; 20.12.2003 ; 17.12.2004 ; 10.02.2006 ; 08.12.2008 ; 31.10.2009