Raspberry Pi OS: Grundkonfiguration auf der Kommandozeile

Nach der ersten Inbetriebnahme eines Raspberry Pi mit einem Raspberry Pi OS in der Lite-Version, also ohne Desktop, sollte man eine grundlegende Konfiguration vornehmen, bevor man sich an mögliche Installationen und Konfigurationen macht.
Dazu gehört die Konfiguration von Sprache, Zeichensatz, Zeitzone und ein deutsches Tastatur-Layout. Außerdem sollte man auch noch das Standard-Passwort des Benutzers "pi" ändern und eine Software-Aktualisierung des Systems vornehmen. Danach ist die Grundkonfiguration des Raspberry Pi OS auch schon erledigt. Darüberhinaus können je nach Anwendung weitere Konfigurationsschritte erforderlich sein.

Hinweis: Für die Grundkonfiguration mit Raspberry Pi OS in der Desktop-Version empfiehlt sich eine andere Vorgehensweise.

Grundkonfiguration: Schritt für Schritt auf der Kommandozeile

Die folgenden Schritte sind eine grobe Orientierung für die Grundkonfiguration. Je nach Anwendung und Anforderung können sich zusätzliche oder abweichende Konfigurationsschritte ergeben.

  1. Sprache ändern
  2. Tastatur-Belegung ändern
  3. Zeitzone ändern
  4. WLAN-Ländercode ändern
  5. Standard-Passwort ändern
  6. Hostnamen ändern (optional)
  7. SSH aktivieren und SSH-Schlüssel neu erstellen (optional)
  8. Bildschirm-Auflösung einstellen (optional)
  9. Dateisystem erweitern (optional)
  10. Software aktualisieren
  11. Bezeichnung der Netzwerk-Schnittstellen ändern (optional)

Hinweis: Fast alle Konfigurationsänderungen werden erst nach einem Neustart wirksam. Man kann aber fast alle Änderungen zusammen vornehmen und anschließend mit einem Neustart alle Änderungen zusammen übernehmen.

Besonderheit: Konfiguration auf der Kommandozeile per SSH

Wenn man die Konfiguration per SSH aus der Ferne vornimmt, also nicht lokal am Raspberry Pi mit Tastatur, dann gilt es ein paar Einschränkungen zu beachten. Wenn man etwas konfiguriert, was direkt am Raspberry Pi angeschlossen ist, wie Tastatur und Bildschirm, dann wird das unter Umständen Fehlermeldungen produzieren. Denn bei der Bedienung aus der Ferne sind diese Geräte aus Sicht des Systems für diesen Benutzer nicht existent. Zum Beispiel beim Tastatur-Layout. Der aus der Ferne angemeldete Benutzer hat am Raspberry Pi keine Tastatur. Also kann man die auch nicht konfigurieren. Das gilt für andere Dinge auch. Das ist kein Problem, wenn man das berücksichtigt.

Benutzeranmeldung / Login

Beim ersten Login verwendet man als Benutzername **pi** und als Passwort **raspberry**. Bei der ersten Inbetriebnahme ist aber noch "kein" deutsches, sondern ein englisches Tastatur-Layout eingestellt. Das bedeutet, dass die Tasten Y und Z vertauscht sind. Das Passwort ist in diesem Fall **raspberrz**.

Hinweis: Beim Login per SSH hat man dieses Problem nicht.

Konfiguration starten

BILD: raspi-config

Für die Konfiguration bringt Raspberry Pi OS das Kommandozeilen-Tool „Raspberry Pi Software Configuration Tool“ mit, mit dem sich die wichtigen Dinge schnell konfigurieren lassen, ohne dass man komplizierte Kommandos auf der Kommandozeile eingeben muss.

sudo raspi-config

Kurze Anleitung zur Tastatur-Steuerung

  • Pfeiltasten hoch und runter: Mit den Pfeiltasten kann man im Menü oder in einer Liste hoch und runter springen.
  • ESC: Mit ESC springt man im Menü zurück oder bricht eine Konfiguration ab.
  • Enter/Return: Mit Return wählt man im Menü eine Option aus oder betätigt die Steuerungsfelder am unteren Rand.
  • Leertaste: Mit der Leertaste wählt man eine Option in einer Liste aus oder ab.
  • TAB: Mit TAB kann man zu den Steuerungsfeldern am unteren Rand wechseln, um Änderungen zu speichern, abzubrechen oder zu beenden. Je nach dem, was angeboten wird.

1. Sprache ändern (Locale)

Wer des Englischen mächtig ist, der kann diese Einstellung übergehen. In der Regel bevorzugt man jedoch die Anzeige und Darstellung in der deutschen Sprache.

Localisation Options / Locale

Hier wählt man zum Beispiel folgende Einstellung aus:

Locales: de_DE.UTF-8 UTF-8

2. Tastatur-Belegung ändern (Keyboard)

In der Regel haben alle Images eine englische Spracheinstellung und auch ein englisches Tastatur-Layout. Standardmäßig ist eine englische Belegung eingestellt, bei der zum Beispiel Y und Z vertauscht sind. Bei einer deutschen Tastatur müsste man dann das Z für ein Y drücken und umgekehrt. Um diese und weitere Konfusionen zu vermeiden, empfiehlt es sich die Tastatur-Belegung so zu wählen, wie die Tasten bedruckt sind.

Localisation Options / Keyboard

Hier wählt man zum Beispiel folgende Einstellung aus:

Keyboard: Generic PC-Keyboard with 105 Keys (Intl)
Variant: German / Deutsch

Es gibt viele verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Man sollte die Variante wählen, die voraussichtlich zur angeschlossenen Tastatur passt.

Anschließend wird man nach der Funktion spezieller Tasten gefragt. Hier kommt es darauf an, was man braucht oder möchte. Wenn man das nicht weiß, dann sollte man einfach die Voreinstellungen übernehmen und später bei Bedarf die Konfiguration ändern.

3. Zeitzone ändern

Mit der Zeitzone legt man die Zeit am eigenen Standort fest. Die Voreinstellung kann falsch sein. Deshalb muss man die Zeitzone, in der man sich befindet und deren Zeit man angezeigt bekommen will, korrekt wählen.

Localisation Options / Timezone

Hier wählt man zum Beispiel folgende Einstellung aus:

Gebiet (Area): Europe
Standort (Location): Berlin

4. WLAN-Länder-Code ändern

Mit dem WLAN-Länder-Code wählt man eine Art Profil für die Nutzung des Frequenzspektrums, in dem WLANs betrieben werden. Fast jedes Land hat hierzu voneinander abweichende Vorgaben, die auch an die Betriebserlaubnis gekoppelt sind. Damit sich das WLAN-Gerät im zulässigen Bereich funktioniert, ist hierfür das lokal gültige Länder-Profil einzustellen.

Localisation Options / WLAN Country

Hier wählt man zum Beispiel folgende Einstellung aus:

Land (Country): DE Germany

Hinweis: Bleibt der Länder-Code auf dem standardmäßigen Wert „GB“, dann kann es sein, dass der integrierte oder externe WLAN-Adapter in Deutschland keine WLANs erkennen.

5. Standard-Passwort ändern

Jede Standard-Installation von Raspberry Pi OS hat den Standard-Benutzer „pi“ mit dem Standard-Passwort „raspberry“. Sofern man einen Raspberry Pi im Netzwerk mit eingeschaltetem SSH-Server betreibt, sollte die erste Amtshandlung, nach den Sprach- und Ländereinstellungen, das ändern des Standard-Passworts sein.

System Options / Password

Hinweis: Wenn man nach der ersten Inbetriebnahme eine Raspberry Pi das Passwort auf „raspberry“ belässt, dann können auch fremde Personen auf den Raspberry Pi zugreifen. Und das sowohl lokal per Bildschirm und Tastatur, als auch per SSH übers Netzwerk.

6. Hostnamen ändern (optional)

Der Hostname legt fest, unter welchem Computernamen der Raspberry Pi im Netzwerk erreichbar ist. Standardmäßig ist das der Hostnamen „raspberrypi“. Das möchte man vielleicht ändern. Zum Beispiel dann, wenn man mehrere im gleichen Netzwerk betreibt. Dann möchte man sie vielleicht vom Namen her unterscheiden können.

System Options / Hostname

Der vorgegebene Hostname kann in dem Textfeld geändert werden. Er wird mit einem Klick auf "OK" gespeichert, aber erst bei einem Neustart übernommen.

Hinweis: Wichtig ist, dass wenn man den Hostnamen geändert hat, dass man auch die SSH-Schlüssel neu erstellt. Ein erneuter Verbindungsaufbau per SSH kann sonst scheitern.

7. SSH aktivieren und SSH-Schlüssel neu erstellen (optional)

SSH ist die Abkürzung für Secure Shell. Das ist ein Kommunikationsprotokoll und eine Client-Server-Software zur Bedienung eines Linux-Betriebssystems aus der Ferne über die Kommandozeile. „Secure“ deutet an, dass es sich um eine sichere Verbindung handelt. Das bedeutet, die Gegenstellen, Client und Server, authentifizieren sich gegenseitig. Anschließend wird die Verbindung verschlüsselt.
Zur Authentifizierung hat der SSH-Server auf dem Raspberry Pi einen Schlüssel, einen digitalen Code, mit dem sich der SSH-Server gegenüber dem SSH-Client authentifiziert. Der Benutzer des SSH-Clients authentifiziert sich mit dem am Raspberry Pi gültigen Benutzernamen und Passwort.

Das Problem des Schlüssels des SSH-Servers ist, dass dieser auf allen gleichen Images identisch ist. Ein Schlüssel sollte aber einzigartig sein, sonst eignet er sich nicht zur sicheren Authentifizierung. Deshalb sollte man diesen bei der ersten Grundkonfiguration ändern. Das müssen wir ohne „raspi-config“ direkt auf der Kommandozeile tun.

Zuerst löschen wir alle Dateien, in denen sich die Schlüssel befinden. Davon gibt es mehrere.

sudo rm /etc/ssh/ssh_host_*

Anschließend führen wir eine Rekonfiguration des SSH-Servers durch. Die Erstellung der neue Schlüssel-Dateien erfolgt automatisch.

sudo dpkg-reconfigure openssh-server

Der SSH-Server ist im Raspberry Pi OS standardmäßig deaktiviert bzw. abgeschaltet. Man kann ihn über „raspi-config“ aktivieren oder direkt auf der Kommandozeile aktivieren und starten.

SSH-Server automatisch starten (aktivieren):

sudo systemctl enable ssh

SSH-Server starten:

sudo systemctl start ssh

Hinweis: Unter Umständen wird bei einem erneuten Login per SSH die Verbindung nicht mehr aufgebaut. Das liegt daran, weil lokal am SSH-Client für den Raspberry Pi eine andere Identität gespeichert wurde (man hat dem mit Yes oder Ja zugestimmt). Diese Identität muss auf dem lokalen SSH-Client gelöscht und die neue Identität bestätigt werden.

8. Bildschirm-Auflösung einstellen (optional)

Der Raspberry Pi und ein angeschlossener Bildschirm einigen sich beim Starten des Raspberry Pi normalerweise automatisch auf die richtige Auflösung. Das ist typischerweise die native Auflösung des Bildschirms.Das klappt aber nur, wenn der Bildschirm vor dem Raspberry Pi eingeschaltet wurde.

Es kann manchmal sinnvoll sein, die automatisch ermittelte Auflösung zu ändern. In „raspi-config“ findet man die Einstellung der Auflösung in „Display Options / Resolution".

9. Dateisystem erweitern (optional)

Wenn eine Linux-Distribution auf eine Speicherkarte geschrieben wird, dann belegt die Root-Partition nicht die gesamte Speicherkarte, sondern lässt einen Teil davon unbenutzt.
Beim ersten Start von Raspberry Pi OS wird das Dateisystem automatisch auf die Gesamtgröße der Speicherkarte erweitert.
Wenn man aber ein vorkonfiguriertes Image auf eine neue, größere Speicherkarte schreibt, dann muss man das Dateisystem manuell erweitern.

Advanced Options / Expand Filesystem

Danach ist zwingend ein Neustart erforderlich.

10. Software aktualisieren

Gerade bei der ersten Inbetriebnahme und Grundkonfiguration ist es wichtig, dass man das System Software-seitig auf den neusten Stand bringt. Die Aktualisierung aller installierten Anwendungen und Bibliotheken besteht auf der Kommandozeile aus zwei Schritten.

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade

Je nach Anwendung und Anforderung sollte man mit der Aktualisierung des Systems vorsichtig sein. Mit der Aktualisierung kann man sich ein mit viel Aufwand konfiguriertes System zerschießen.

Wichtig: Raspberry Pi neu starten

Nach dem man umfangreiche Änderungen an der Konfiguration vorgenommen hat, sollte man immer einen Neustart des Raspberry Pi vornehmen.

sudo reboot

Erst wenn das System die Änderungen übernommen hat und danach problemlos läuft, kann man das System für Experimente und die weitere Konfiguration verwenden.

Erweiterung: Netzwerk-Konfiguration

Erweiterung: Tipps und Tricks auf der Kommandozeile

Erweiterung: Fernwartung und Remote-Service

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