Raspberry Pi: Erste Schritte bei der Konfiguration (Grundkonfiguration)

Geprüft mit Raspbian Jessie

Nach der ersten Inbetriebnahme des Raspberry Pi sollte man eine grundlegende Konfiguration vornehmen, bevor man sich an mögliche Installationen und Konfigurationen macht.
Dazu gehört die Konfiguration von Sprache, Zeichensatz, Zeitzone und ein deutsches Tastatur-Layout. Außerdem sollte man auch noch das Standard-Passwort des Benutzers "pi" ändern und eine Software-Aktualisierung des Systems vornehmen. Danach ist die Grundkonfiguration des Raspberry Pi auch schon erledigt.

Grundkonfiguration mit der grafischen Benutzeroberfläche und VNC

Raspberry Pi Configuration

Für die Konfiguration von Raspbian existiert ein Konfigurations-Tool unter "Preferences > Raspberry Pi Configuration". Damit lassen sich die wichtigen Dinge schnell konfigurieren, ohne dass man komplizierte Kommandos auf der Kommandozeile eingeben muss.
Bei einigen Änderungen wird man gefragt, ob man das System neu starten will. Grundsätzlich kann man erst einmal alle Änderungen vornehmen und anschließend neu starten.

Grundkonfiguration mit der Kommandozeile und per SSH

Für die grundlegende Konfiguration bringt Raspbian das Kommandozeilen-Tool "Raspberry Pi Software Configuration Tool" mit, mit dem sich die wichtigen Dinge schnell konfigurieren lassen, ohne dass man komplizierte Kommandos auf der Kommandozeile eingeben muss.

sudo raspi-config

raspi-config

Grundkonfiguration: Schritt für Schritt

Je nach Anwendung und Anforderung können sich zusätzliche oder abweichende Konfigurationsschritte ergeben.

  1. Sprache ändern
  2. Tastatur-Belegung ändern
  3. Zeitzone ändern
  4. WLAN-Ländercode ändern
  5. Standard-Passwort ändern
  6. Hostname ändern (optional)
  7. SSH aktivieren und SSH-Schlüssel neu erstellen (optional)
  8. Bildschirm-Auflösung einstellen (optional)
  9. Dateisystem erweitern (optional)
  10. Software aktualisieren

Hinweis: Fast alle Konfigurationsänderungen werden erst nach einem Neustart wirksam. Man kann aber fast alle Änderungen zusammen vornehmen und anschließend mit einem Neustart alle Änderungen zusammen übernehmen.

1. Sprache ändern

Wer des Englischen mächtig ist, der kann diese Einstellung übergehen. In der Regel bevorzugt man jedoch die Anzeige und Darstellung in der deutschen Sprache.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / Lokalisierung / Sprechumgebung festlegen
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / Localisation / Set Locale

Hier wählt man in den Feldern folgende Werte aus:

  • Sprache (Language): de (German)
  • Land (Country): DE (Germany)
  • Zeichenvorrat (Character Set): UTF-8

Übernehmen Sie die Einstellung mit "OK". Anschließend können Sie weitere Einstellungen vornehmen oder mit einem Klick auf "OK" das Konfigurationstool beenden. Wenn ja, nehmen Sie einen Neustart vor, um das System mit den geänderten Einstellungen zu starten.

2. Tastatur-Belegung ändern

In der Regel haben alle Images, die eine englische Spracheinstellung haben, auch ein englisches Tastatur-Layout. Es geht bei dieser Einstellung darum, die Tastatur-Belegung so einzustellen, wie die Tasten bedruckt sind. Standardmäßig ist eine englische Belegung eingestellt, bei der zum Beispiel Y und Z vertauscht sind. Bei einer deutschen Tastatur müsste man dann das Z für ein Y drücken. Um diese und weitere Konfusion zu vermeiden, empfiehlt es sich die richtige Tastatur-Belegung auszuwählen.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / Lokalisierung / Tastatur festlegen
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / Localisation / Set Keyboard

Hier wählt man in den Feldern folgende Werte aus:

  • Land (Country): Germany / Deutschland
  • Variante (Variant): German / Deutsch

Bei der Tastatur-Variante gibt es verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Man sollte die Variante wählen, die voraussichtlich zur Tastatur passt.

3. Zeitzone ändern

Mit der Zeitzone legt man die korrekte Zeit an einem bestimmten Standort fest. Die Voreinstellung ist in der Regel falsch. Deshalb muss man die Zeitzone, in der man sich befindet und deren Zeit man angezeigt bekommen will, korrekt wählen.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / Lokalisierung / Zeitzone festlegen
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / Localisation / Set Timezone

Hier wählt man in den Feldern folgende Werte aus:

  • Gebiet (Area): Europe
  • Standort (Location): Berlin

4. WLAN-Länder-Code ändern

Mit dem WLAN-Länder-Code wählt man eine Art Profil für die Nutzung des Frequenzspektrums, in dem WLANs betrieben werden. Fast jedes Land hat hierzu eine andere Betriebserlaubnis festgelegt, die in einem Länder-Profil festgelegt ist.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / Lokalisierung / WiFi-Land festlegen
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / Localisation / Set Wifi Country

Hier wählt man in den Feldern folgende Werte aus:

  • Land (Country): DE Germany

Hinweis: Bleibt der Länder-Code auf dem standardmäßigen Wert "GB", dann kann es sein, dass der integrierte und externe WLAN-Adapter in Deutschland keine WLANs erkennen.

5. Standard-Passwort ändern

Jede Standard-Installation weißt Standard-Benutzer mit Standard-Passwörtern auf. Nach der Inbetriebnahme müssen diese Standard-Passwörter geändert werden. Beim Raspberry Pi mit Raspbian betrifft das nur den Benutzer "pi". Sofern man einen Raspberry Pi im Netzwerk betreibt sollte die erste Amtshandlung, nach den Sprache- und Ländereinstellungen, das ändern des Passworts sein.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / System / Passwort ändern
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / System / Change Password

Hinweis: Nach der ersten Inbetriebnahme eine Raspberry Pi wird generell empfohlen das Standard-Passwort des Benutzers "pi" zu ändern. Wenn man es auf "raspberry" belässt, dann können auch fremde Personen auf den Raspberry Pi zugreifen. Und das sowohl lokal per Bildschirm und Tastatur, als auch per SSH übers Netzwerk.

6. Hostname ändern (optional)

Der Hostname legt fest, unter welchem Computernamen der Raspberry Pi im Netzwerk erreichbar ist. Standardmäßig hat ein frisches Raspbian den Hostnamen "raspberrypi". Das möchte man vielleicht ändern. Zum Beispiel dann, wenn man mehrere betreibt. Dann möchte man sie vielleicht vom Namen her unterscheiden.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / System / Hostname / OK
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / System / Hostname / OK

Der neue Hostname kann in das Textfeld mit dem vorgegebenen Namen eingetragen werden. Er wird mit einem Klick auf "OK" gespeichert, aber erst bei einem Neustart übernommen.

Wenn man es manuell machen möchte:

sudo hostname -b {NEUER_NAME}

Danach kurz prüfen:

hostname

Hinweis: Es empfiehlt sich, den Hostnamen über das Raspberry-Pi-Konfigurationstool zu ändern.

Wichtig ist, dass wenn man den Hostnamen geändert hat, dass man auch die SSH-Schlüssel neu erstellt.

7. SSH aktivieren und SSH-Schlüssel neu erstellen (optional)

Images von Distributionen enthalten einen Schlüssel für den SSH-Server, mit dem sich der Raspberry Pi gegenüber dem Client authentifiziert. Wenn man sich ein entsprechendes Image auf seine SD-Speicherkarte gezogen hat, dann ist dieser Schlüssel überall gleich. Ein Schlüssel sollte aber einzigartig sein, sonst eignet er sich nicht zur sicheren Authentifizierung. Deshalb sollte man bei einer Erstkonfiguration diesen Schlüssel ändern.

Zuerst löschen wir alle Dateien, in denen sich die Schlüssel befinden. Davon gibt es mehrere.

sudo rm /etc/ssh/ssh_host_*

Anschließend führen wir eine Rekonfiguration des SSH-Servers durch. Die Erstellung der Schlüssel-Dateien erfolgt automatisch.

sudo dpkg-reconfigure openssh-server

Bei einem neuen Raspbian-Image ist SSH standardmäßig deaktiviert bzw. abgeschaltet. Man kann es über "raspi-config" aktivieren oder auf der Kommandozeile aktivieren und starten.

SSH automatisch starten (aktivieren):

sudo systemctl enable ssh

SSH starten:

sudo systemctl start ssh

Nach einem erneuten Login per SSH wird man die Identität des Raspberry Pi neu bestätigen müssen.

8. Bildschirm-Auflösung einstellen (optional)

Normalerweise stellt sich Raspbian selber die passende Auflösung ein. Es kann manchmal sinnvoll sein, diese zu ändern.

sudo raspi-config

Hier findet man die Einstellung der Auflösung in "Advanced Options / Resolution".

9. Dateisystem erweitern (optional)

Wenn eine Linux-Distribution frisch auf eine SD-Card geschrieben wurde, dann belegt die Root-Partition nicht die gesamte Speicherkarte, sondern lässt einen Teil davon unbenutzt.
Beim ersten Start eines neu geflashten Raspbian Jessie (ab 2016-05-10) wird das Dateisystem automatisch auf die Gesamtgröße der Speicherkarte erweitert. Deshalb ist es in der Regel nicht notwendig, dass Dateisystem zu erweitern.

  • Menü-Reihenfolge in Deutsch: Einstellungen / Raspberry-Pi-Konfiguration / System / Dateisystem erweitern
  • Menü-Reihenfolge in Englisch: Preferences / Raspberry Pi Configuration / System / Expand Filesystem

Danach ist ein Neustart zwingend erforderlich.

10. Software aktualisieren

Gerade bei der ersten Inbetriebnahme und Grundkonfiguration ist es wichtig, dass man das System Software-seitig auf den neusten Stand bringt. Die Aktualisierung aller installierten Anwendungen und Bibliotheken eines Raspbians nach der ersten Inbetriebnahme besteht aus zwei Schritten.

sudo apt-get update
sudo apt-get dist-upgrade

Je nach Anwendung und Anforderung sollte man mit anschließenden Aktualisierungen vorsichtig sein. Mit der Aktualisierung kann man sich ein System mit seiner Konfiguration auch zerschießen.

Wichtig: Raspberry Pi neu starten

Nach dem man umfangreiche Änderungen an der Konfiguration vorgenommen hat, sollte man immer einen Neustart des Raspberry Pi vornehmen.

sudo reboot

Erst wenn das System die Änderungen übernommen hat und danach problemlos läuft, kann man das System für Experimente und die weitere Konfiguration verwenden.

Erweiterung: Netzwerk-Konfiguration

Wenn man öfter per SSH auf einen Raspberry Pi zugreifen möchte, dann empfiehlt sich eine statische IP-Konfiguration. Dabei richtet man eine feste IPv4-Adresse ein, die sich nicht mehr von alleine ändert.

Eine Alternative zur statischen IPv4-Adresse ist der Dienst Zeroconf, der unter Windows und Apple auch unter dem Namen Bonjour und unter Linux als Avahi bekannt ist. Zeroconf ist ein Announcierungsservice, der Drucker und Computernamen im lokalen Netzwerk bekannt macht. Auf diese Weise kann man mit SSH per Computername auf den Raspberry Pi zugreifen und muss keine IPv4-Adressen konfigurieren.

Erweiterung: Tipps und Tricks auf der Kommandozeile

Erweiterung: Fernwartung und Remote-Service

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