Raspberry Pi OS: Software installieren und deinstallieren

Raspberry Pi OS liefert je nach Paket und Version unterschiedliche Software mit. Es ist aber kaum möglich, für jede erdenkliche Anforderung eine passende Software mitzuliefern. Deshalb wird man in der Regel Software nachinstallieren müssen.

  • Software auf dem Desktop installieren
  • Software auf dem Desktop deinstallieren
  • Software auf der Kommandozeile installieren
  • Software auf der Kommandozeile deinstallieren
  • Überflüssige Pakete entfernen
  • Paket-Cache bereinigen/leeren

Software auf dem Desktop installieren

Auf dem Desktop gibt es dafür ein Programm. Es ist im Menü über „Einstellungen / Add/Remove Software“ zu erreichen.

Das Programm verfügt über eine sinnvolle Kategorisierung der verfügbaren Programme. Es macht allerdings weniger Sinn in diesen Liste etwas zu suchen. Besser ist es, man weiß, was man will und nutzt die Suchfunktion in dem man den Namen des Programms eingibt und „Return“ auf der Tastatur drückt.

Hinweis: Das Suchergebnis bzw. die Listen zeigen nicht nur Programme an, sondern eigentlich Software-Pakete. Das können Programme sein, aber auch nur einzelne Bibliotheken. Wenn man ein bestimmtes Programm installieren möchte, dann muss man das richtige Paket auswählen, das alle Software-Pakete miteinschließt, von denen das Programm abhängig ist. Es kann also sein, dass man durch Wahl des falschen Pakets nicht das eigentliche Programm installiert, sondern nur einen einzelnen Bestandteil davon. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, dass wir es hier mit Software auf Basis von Open Source zu tun haben. Das bedeutet, als Anwendungsentwickler für Open Source nutze ich nach Möglichkeit schon vorhandene Pakete und Software auf Basis von Open Source für mein Programm, um nicht alles neu schreiben zu müssen. Das bedeutet aber auch, dass mein Programm von anderen Paketen abhängig ist. Für den Anwender bedeutet das, dass er bei der Installation das richtige Paket auswählen muss, in dem alle anderen Pakete referenziert sind.

Um sicher zu gehen sollte man die Paketbeschreibung lesen, die in der Regel auf Englisch ist.

Die Installation erfolgt über das Setzen eines Hakens und anschließenden Klicken auf „OK“.
Eine Änderung am System bedeutet, dass man sich authentifizieren muss, also aufgefordert wird ein Passwort einzugeben. Das wird in der Regel das Passwort vom Benutzer „pi“ sein, dessen Passwort man bei der Grundkonfiguration festgelegt hat.
Die Pakete und damit das Programm werden heruntergeladen und installiert. Das Programm wird, sofern vorgesehen, einen Menü-Eintrag erhalten. Den muss man dann im Menü suchen, wobei das Menü eine eigene Kategorisierung aufweisen kann.

Hinweis: Es ist keine gute Idee irgendwelche Pakete zu installieren. Es ist nicht zwangsläufig so, dass ein Paket einen Menü-Eintrag erhält. Entweder weil das nicht vorgesehen ist oder weil das Programm nur auf der Kommandozeile verfügbar ist.

Software auf dem Desktop deinstallieren

Das Deinstallieren erfolgt auf die selbe Weise. Hierzu entfernt man den Haken beim dem entsprechenden Paket und klickt auf „OK“. Anschließend wird nach erfolgreicher Passwort-Eingabe dieses Paket und auch nur dieses Paket entfernt.

Software auf der Kommandozeile installieren

Für die folgenden Schritte muss man auf der Kommandozeile arbeiten, oder ein Terminal-Fenster auf dem Desktop öffnen.

Installieren bedeutet, dass man Pakete installiert. Auf der Kommandozeile gibt es hierfür die Kommandos „apt“ und „apt-get“. Die folgende Beschreibung verwendet „apt-get“.

sudo apt-get install {PAKETNAME}

Dieses Kommando ermittelt zuerst das jeweilige Paket und auch von welchen anderen Paketen es abhängig ist. Existieren Abhängigkeiten, muss man mit „Return“ bestätigen.

Wenn das Paket von anderen Paketen abhängig ist, werden diese anschließend heruntergeladen und installiert. Normalerweise ist danach alles erledigt und man kann die Programme, die Teil des Pakets sind benutzen oder konfigurieren. Manchmal kommt es vor, dass man bei der Installation des Pakets zu einer Grundkonfiguration gezwungen wird.

Hinweis: Wenn man nach oder bei der Installation eine Benutzereingabe vornehmen muss, dann empfiehlt es sich, jeden Schritt abzufotografieren, damit man später noch einmal nachschauen kann, was man eingegeben hat. Passwörter sollte man handschriftlich dokumentieren.

Software auf der Kommandozeile deinstallieren (Pakete entfernen)

Für die folgenden Schritte muss man auf der Kommandozeile arbeiten, oder ein Terminal-Fenster auf dem Desktop öffnen.

Deinstallieren bedeutet, dass man Pakete entfernt. Auf der Kommandozeile gibt es hierfür die Kommandos „apt“ und „apt-get“. Die folgende Beschreibung verwendet „apt-get“.

Folgende Kommandos entfernen Pakete, die nicht mehr gebraucht werden:

sudo apt-get remove {PAKETNAME}

oder

sudo apt-get autoremove {PAKETNAME}

oder

sudo apt-get purge {PAKETNAME}

Unterschied: "apt-get remove" und "apt-get purge"

Der Unterschied zwischen "apt-get remove" und "apt-get purge" ist der, dass letzteres auch die zu den Paketen zugehörigen Konfigurationsdateien löscht. "remove" belässt diese für eine eventuell erneute Installation. Möchte man Pakete restlos entfernen, dann macht man das mit "purge".
Ein generelles "apt-get remove" sei angeraten, weil das in so einem Fall zumindest die Konfigurationsdateien bestehen lässt. Mit einem "apt-get install" könnte man die versehentlich gelöschten Pakete wieder installieren. Danach wäre dann alles wie vorher.
Erst wenn man sicher ist, dass man von den Überbleibseln nichts mehr braucht, kann man sich ans "Aufräumen und Bereinigen" machen.

Unterschied: "apt-get remove" und "apt-get autoremove"

Die meisten Benutzer kennen "autoremove" als Kommando, um ungenutzte Pakete zu entfernen. Allerdings kann man "autoremove" auch zum regulären Entfernen von Paketen und anstatt "remove" verwenden.
Ein "apt-get autoremove {PAKETNAME}" entfernt nicht nur das jeweilige Paket, sondern auch noch die Pakete, zu denen es dann keine Abhängigkeiten mehr gibt. Ein "apt-get autoremove" geht beim Entfernen von Paketen gründlicher vor.

Hinweis: Beim Benutzen von "remove" und "purge" und insbesondere "autoremove" ist Vorsicht geboten. Man muss grundsätzlich darauf achten, dass beim Entfernen von Paketen, nicht Pakete mitentfernt werden, die man eigentlich behalten wollte. Deshalb sollte man, bevor man das Entfernen von Paketen bestätigt, die angezeigte Liste genau ansehen. Es gab schon so manchen User, der sich mit "apt-get autremove" die grafische Benutzeroberfläche entfernt hat. Und das restlos.

Überflüssige Pakete entfernen

Nach dem Entfernen von Paketen und mehrmaligen Aktualisieren kommt es vor, dass Pakete überflüssig werden. Beispielsweise, weil sie von anderen Paketen nicht mehr gebraucht werden. Das heißt, dass mit der Zeit Paket-Leichen zurück bleiben, die unnötigerweise Speicherplatz belegen.

Wenn man Aktualisierungen durchführt und ab und zu Pakete installiert und mit "apt-get remove" oder "apt-get purge" auch wieder entfernt, bleiben ab und zu Pakete zurück, die nicht mehr gebraucht werden. Diese Paketleichen kann man entfernen.

sudo apt-get autoremove

"apt-get autoremove" kann man auf zwei Arten verwenden. Einmal ohne und einmal mit der Angabe eines Paketnames. Wenn man "apt-get autoremove" wie "remove" oder "purge" verwendet, dann deinstalliert es automatisch auch alle Pakete, von denen das zu entfernende Paket abhängig ist. Dazu zeigt "autoremove" eine Liste mit Paketen an, die es entfernen will. Der Paketmanager macht erst weiter wenn man das bestätigt.
"apt-get autoremove" ist dann hilfreich wenn es darum geht ein Paket zu deinstallieren, welches viele Abhängigkeiten hat, die nur von dem zu deinstallierenden abhängen. Wenn man sich nicht sicher ist, dann verwendet man nur "apt-get remove".

Paket-Cache bereinigen/leeren

"apt-get" speichert alle heruntergeladenen Pakete in einem Cache. Dadurch müssen Pakete nicht noch einmal heruntergeladen werden und können direkt installiert werden. Nach mehreren Installationen und Updates wächst der Inhalt dieses Caches schnell an.
Ab und zu macht es Sinn den Cache zu leeren.

sudo apt-get clean
sudo apt-get autoclean

"autoclean" löscht nur Pakete, die veraltet sind. "clean" löscht alle Pakete im Cache.

Danach treiben sich immer noch Konfigurationsdateien im System herum, deren Pakete schon längst deinstalliert sind. Man kann diese Dateien folgendermaßen löschen:

sudo dpkg -P `dpkg -l | grep "^rc" | awk -F" " '{ print $2 }'`

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