Raspberry Pi: Fernwartung und Remote-Desktop mit VNC, RDP und SSH

Um einen Raspberry Pi aus der Ferne zu steuern gibt es mehrere Möglichkeiten. Die Fernwartung bzw. der Remote-Service ist generell per Kommandozeile (SSH) oder Desktop-Sharing (VNC, RDP) möglich. Welche Lösung man wählt hängt von den eigenen Anforderungen ab.
Alle Lösungen ist gemein, dass man nicht direkt am Raspberry Pi mit Bildschirm, Tastatur und Maus sitzt, sondern von einem entfernten Rechner bedient. Das kann man mit einem Desktop-PC, Notebook, Tablet oder Smartphone machen.

Fernwartung und Remote-Service sind allgemeine Bezeichnungen für Anwendungen und Dienste, die das Bedienen von Computern und Software aus der Ferne ermöglichen.

Remote-Desktop und Desktop-Sharing sind Bezeichnungen für das zu Verfügung stellen eines Desktops bzw. der grafischen Bedienoberfläche für einen entfernten Benutzer. Während Remote-Desktop einfach nur eine grafische Bedienoberfläche anbietet, bezeichnet Desktop-Sharing das Teilen der aktuellen Ansicht des Bildschirms mit einem entfernten Benutzer. Nur beim Desktop-Sharing sieht man das, was gerade auf dem aktuellen Bildschirm passiert. Dabei kann man einem entfernten Benutzer praktisch über die Schulter schauen. Meistens wird das für den Benutzer-Support verwendet.

Übersicht: Lösungen zur Fernwartung oder Remote-Desktop

  1. Kommandozeile per SSH
  2. Grafische Benutzeroberfläche per SSH
  3. Virtuelle Desktops per VNC mit TightVNCServer
  4. VNC-Server über eine sichere SSH-Verbindung einrichten
  5. Remote-Unterstützung des aktuellen Desktops per VNC mit X11VNC
  6. Desktop-Sharing per VNC mit RealVNC einrichten
  7. Remote-Desktop per RDP

Welche Remote-Desktop-Lösung ist die beste?

Als Remote-Desktop-Lösung stehen VNC, X11VNC, X-Forwarding und RDP zu Verfügung. Welche davon ist die beste? Wenn man aus der Windows-Welt kommt, dann geht es am schnellsten mit RDP. Dabei muss man aber auf die Darstellung des aktuellen Desktops verzichten. Außerhalb der Windows-Welt sind die Alternativen VNC und X-Forwarding.
Wenn es aber um Desktop-Sharing des aktuellen Desktops geht, dann kommt man um X11VNC und RealVNC nicht herum. Allerdings muss man hier unterscheiden. X11VNC ist eine universelle Lösung, die auf allen Linux-Systemen funktioniert. Auf dem Raspberry Pi mit Raspbian ist RealVNC zu empfehlen, weil das für den Einsatz mit der begrenzten Hardware-Ausstattung optimiert ist.

Lösung 1: Kommandozeile per SSH

Zur Fernwartung per Kommandozeile lässt sich in der Linux-Distribution Raspbian ein SSH-Server aktiviert. Um eine Verbindung zu einem Raspberry Pi per SSH aufbauen zu können, benötigt man nur noch einen SSH-Client und den Hostnamen oder die IP-Adresse des Raspberry Pi. Bei Computersystemen mit macOS und Linux ist ein SSH-Client bereits auf der Kommandozeile integriert. Hier muss man nur noch ein Terminal-Programm aufrufen. Bei Windows kann man "PuTTY" nachträglich installieren.

Lösung 2: Grafische Benutzeroberfläche per SSH

Wenn einem die Nutzung der Kommandozeile nicht zusagt, dann kann man sich auch per SSH mit einer grafischen Benutzeroberfläche des Raspberry Pi verbinden. Allerdings bekommt man hier nicht den aktuellen Desktop, sondern einen eigenen.

Lösung 3: Virtuelle Desktops per VNC mit TightVNCServer

VNC ist eine Möglichkeit, von VNC-Servern bereitgestellte virtuelle Desktops zu nutzen. Das heißt, man verbindet sich mit einem VNC-Client zu einem VNC-Server und bekommt von diesem System einen eigenen Desktop übertragen, auf dem man wie im eigenen System arbeiten kann.
Im Linux-Umfeld gibt es einige VNC-Server. Viele Anleitungen und Tutorials verwenden TightVNCServer. Der ist äußerst schlank und lässt sich schnell einrichten.

Lösung 4: VNC-Server über eine sichere SSH-Verbindung einrichten

VNC überträgt die Daten grundsätzlich unverschlüsselt. Auch das VNC-Passwort. Innerhalb eines lokalen Netzwerks ist das weniger ein Problem. Fahrlässig ist es, wenn man die Übertragung über das Internet aufbaut. Aus Sicherheitsgründen sollte man eine VNC-Sitzung über einen SSH-Tunnel betreiben.

Lösung 5: Remote-Unterstützung des aktuellen Desktops per VNC mit X11VNC

Alle bisherigen Lösungen haben den Nachteil, dass sie eine virtuelle Sitzung bereitstellen und nicht den aktuellen Desktop am Raspberry Pi. Wenn man aber den aktuellen Desktop sehen und steuern möchte, weil man einer am Raspberry Pi sitzenden Person aus der Ferne über die Schulter schauen möchte (Remote-Unterstützung), benötigt man einen anderen VNC-Server. Hierfür ist X11VNC besser geeignet. Er weist die Besonderheit auf, dass er nicht nur virtuelle Desktops, sondern auch den aktuellen Desktop übertragen kann.

Lösung 6: Desktop-Sharing per VNC mit RealVNC einrichten

Das Raspbian-Image bringt RealVNC als VNC-Server mit, der nur noch mit einem Konfigurationstool aktiviert werden muss. Anschließend wird er automatisch gestartet.

Lösung 7: Remote-Desktop per RDP

In der Windows-Welt ist VNC weniger geläufig. Hier spricht man von Remote-Desktop-Unterstützung per RDP. Sofern man mit Windows-Clients arbeitet, ist die Einrichtung eines RDP-Servers auf dem Raspberry Pi eine denkbare Alternative zu VNC.

Weitere verwandte Themen:

Teilen:

Produktempfehlungen