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Operationsverstärker
und
Instrumentationsverstärker

Operationsverstärker und Instrumentationsverstärker

Käufer Elektronik-Workshop Kundenmeinung:
Mein Lob gilt der übersichtlichen und schönen Darstellung und der guten didaktischen Aufbereitung. Selten werden Schaltungen so gut erklärt, dass es auch noch Spaß macht sich damit zu beschäftigen.

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Timer 555

Timer 555

Käufer des Timer-Buchs Kundenmeinung:
Hätte ich das Timer-Buch schon früher gehabt, dann hätte ich mir die Rumfrickelei am NE555 sparen können.

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Elektronik-Fibel

Die Elektronik-Fibel, das Elektronik-Buch

Käufer der Elektronik-Fibel Kundenmeinung:
Die Elektronik-Fibel ist einfach nur genial. Einfach und verständlich, nach so einem Buch habe ich schon lange gesucht. Es ist einfach alles drin was man so als Azubi braucht. Danke für dieses schöne Werk.

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EMG-Testgenerator


  • Das Inhaltsverzeichnis meiner Elektronik-Minikurse

  • Die Philosophie meiner Elektronik-Minikurse
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Hilfe bei Leserfragen.
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg

  • Autor:   Thomas Schaerer           Buch 1    Buch 2

  • Einleitung

    EMG kann vermutlich vieles bedeuten. EMG steht in der Schweiz z.B. als Abkürzung für Elektrizitäts-Markt-Gesetz, womit die freie Marktwirtschaft in der Erzeugung und Verteilung der elektrischen Energie verstanden wird. Es dürfte dem ELKO-Leser bestimmt schon jetzt klar sein, dass der EMG-Testgenerator nicht dazu dient dieses Gesetz zu testen. Eine elektronische Schaltung um ein Gesetz oder nur schon eine juristische Formulierung zu testen, wäre natürlich mal etwas Neues. Leider werde ich dabei von meiner Fantasie im Stich gelassen, aber wer weiss, vielleicht findet sich gelegentlich ein Leser oder eine Leserin mit einem besonders geistreichen Einfall. Man tue sich keinen Zwang an, einfach melden und ich sehe mir die Beschreibung und das Schaltschema gerne an. :-)))

    Falls sich Juristen in diesen Elektronik-Minikurs verirren, möchte ich mich schon jetzt ganz höflich entschuldigen, dass EMG hier die Abkürzung von Elektro-Myographie ist. Damit ist eine andere Disziplin, nämlich die Biologie bzw. die Neurophysiologie angesprochen und ganz im Gegensatz zu obengenanntem Gesetz gibt es hier zur Elektronik einen wichtigen Zusammenhang. Mehr dazu erfährt man im Elektronik-Minikurs (1). Da wird in groben Zügen erklärt was die Elektro-Myographie ist, was motorische Einheiten und Nervensignale sind und wie man die elektrischen Aktionspotenziale misst. Weitere Themen sind Oberflächenelektroden zur Messung an der Hautoberfläche und Nadel- und feine Drähtchenelektroden für intramuskuläre Messungen. Abgerundet wird der Inhalt mit einer ganz kleinen Einführung mit Blockschemata wie ein EMG-Biofeedbackgerät arbeitet und wie ein EMG-Messgerät für wissenschaftliche Aufgaben realisiert werden kann.

    Dieser EMG-Testgenerator ist eine kleine Schaltung, die ein Signal erzeugt um zu testen ob eine EMG-Messanlage funktioniert oder nicht. Das ist vor allem dann sinnvoll und im Einsatz effizient, wenn in einer Klinik ein Patient mit Elektroden an eine EMG-Messanlage angeschlossen ist und die Qualität der Wiedergabe des Signales zu wünschen übrig lässt. Da gibt es zunächst zwei unterschiedliche Ursachen: Entweder stimmt mit der Elektrodenkontaktierung an der Haut oder im Muskelgewebe und/oder mit der Massenelektrode etwas nicht oder die Elektronik der EMG-Messanlage hat ihre schlechten Tage. Für diese Fälle eignet sich die hier vorgeschlagene Schaltung, die in extremst einfacher Weise die menschliche EMG-Signalquelle ersetzt, dafür aber schnell aussagt, ob die EMG-Messanlage in die Reparatur gehen muss oder nicht. Bei meinen Mitwirkungen bei EMG-Messungen hat diese batteriebetriebene Schaltung, verpackt in einem kleinen Gerätchen, oft hervorragende Dienste geleistet.

    Bevor wir zum eigentlichen Thema übergehen, soll kurz erklärt werden mit welchen andern Elektronik-Minikursen dieser hier etwas zu tun hat. Ganz nebensächlich, aber trotzdem sehr nützlich, enthält die Schaltung eine spezielle Batteriebetriebsanzeige, die sehr sparsam ist und doch sehr gut auffällt, wenn die Schaltung noch in Betrieb ist und so nicht vergessen wird bei Nichtmehrgebrauch auszuschalten. Eine LED blinkt mit einer Frequenz von etwa 1 Hz. Dabei wird ein Elko langsam geladen und, auf eine bestimmte Spannung aufgeladen, entladet dieser sich sehr schnell über die LED, die kurz und hell aufblitzt. Diese Methode hat den grossen Vorteil, dass die Batteriespannung nicht durch hohe Stromimpulse belastet wird. Nimmt die Batteriespannung ab, reduziert sich die Blinkfrequenz bis die definierte Batterie-Entladespannung erreicht ist. Unterhalb dieser Batteriespannung "glimmt" die LED nur noch schwach vor sich hin, wobei die Generatorschaltung dann noch immer ihren Dienst nicht gleich aufgibt. Als Opamp kommt ein Mitglied der Linear-CMOS-Familie von Texas Instruments zum Einsatz. Es ist der TLC27M4. M steht Medium-Power. Will man mehr dazu erfahren, konsultiere man das Datenblatt, allerdings findet man diese Opamp-Familie auch in meinen beiden Elektronik-Minikursen (3) und (4) im praktischen Einsatz.

    Der grosse Bruder zu diesem EMG-Testgenerator, der auch für anderes eingesetzt werden kann, aber nach dem selben Prinzip arbeitet, findet man im Elektronik-Minikurs (5). Dieses Gerät mit asymmetrischem Ein- und symmetrischem Ausgang verstärkt eine asymmetrisch niederfrequente AC-Spannung von einem externen Sinus- oder Funktionsgenerator und wandelt sie mit wählbarer Spannungsteilung in eine rauscharme symmetrische AC-Spannung zum Testen von symmetrischen Verstärkerschaltungen (EMG, EKG, spezielle Audioschaltungen, etc.).



    Anforderungen an ein Testsignal

    Es stellt sich die Frage welcher Signaltyp sich für den vorliegenden Testzweck, wie bereits beschrieben, eignet und natürlich wie einfach dieses Signal zu erzeugen ist. Ein sehr einfach erzeugtes Rechtecksignal würde optisch am Oszilloskopen kaum erkennen lassen, wenn die Amplitude bei zu niedrigem Pegel symmetrisch oder asymmetrisch begrenzt (geklippt) wird. Eine Sinusspannung ermöglicht dies, dafür lässt eine solche Spannung nur schwerlich erkennen, ob die Übertragungseinheit die Linearität beeinträchtigt. Die Verzerrung eines Sinussignales lässt sich optisch erst ab einem Klirrfaktor von etwa 3 Prozent erkennen, ausser man misst den Klirrfaktor elektronisch. Die gerade Linie eines Dreieckssignales lässt bei guter Beobachtung eine sehr geringe Nichtlinearität erkennen. Es liegt also auf der Hand, sich für einen Dreieck-Signalgenerator zu entscheiden, der auch viel einfacher zu realisieren ist als ein Sinusgenerator.

    Da es nur gerade darum geht zu Testen ob die Übertragungseinheit funktioniert oder nicht, genügt in der Regel eine fix eingestellte Frequenz. Diese muss eindeutig höher sein als die Grenzfrequenz eines eingebauten Hochpassfilters, das man bei EMG-Messungen in EMG-Messverstärkern dazu benötigt um quasistationäre Störsignale (man nennt so etwas auch Artefakte) zu unterdrücken, welche durch chemische Elementenspannungen beim Übergang zwischen Elektroden und biologischem Gewebe entstehen. Die Frequenz des Dreieck-Testsignales sollte ebenso niedriger sein, als die niedrigst wählbare Grenzfrequenz eines Tiefpassfilters. Ein solches Filter benötigt man um Aliasefekte bei der Digitalisierung zu vermeiden, falls das EMG-Ausgangssignal mittels Computer weiterverarbeitet werden soll. Ich dimensionierte eine Frequenz von 270 Hz, weil die niedrigste einstellbare Grenzfrequenz eines steilflankigen SC-Tiefpassfilters (6), (7) und (8) in einem EMG-Messgerät gerade 300 Hz beträgt. Bei andern Werten kann der Leser selbst die Dreieckfrequenz entsprechend anpassen, in dem man proportional zum Frequenzverhältnis den frequenzbestimmenden Widerstand und/oder Kondensator ändert.

    Bild 1 teilt sich in die zwei Teilbilder 1.1 und 1.2 auf. Teilbild 1.1 zeigt den typischen symmetrischen Elektrodenanschluss mit einer gemeinsamen Abschirmung. Diese Art der Abschirmung genügt, wenn EMG-Messungen an der Hautoberfläche durchgeführt werden, weil die Frequenzbandbreite dieses Signales bloss wenige 100 Hz beträgt und die Elektroden/Gewebe-Quellimpedanz bei der relativ grossen Kontaktfläche im k-Ohm- bis maximal 10-k-Ohm-Bereich in der Regel niederohmig ist. Die Kapazität zwischen Schirm und Leiter dämpft das EMG-Signal nur unbedeutend. Ganz anders bei intramuskulären Messungen mittels beinah haarfeinen Drähtchenelelektroden, wo die Frequenzbandbreite leicht einige kHz beträgt und die Elektroden/Gewebe-Quellimpedanz im 100-k-Ohm-Bereich doch wesentlich hochohmiger ist. Hier würde eine Schirm/Kabel-Kapazität als unerwünschtes Tiefpassfilter enorm dämpfend auf höhere Frequenzanteile wirken und das Aktionspotenzial, der ein Impuls ist, würde verzerrt abgebildet. Dies lässt sich allerdings vermeiden, wenn die Signalleitungen einzeln abgeschirmt und die Abschirmungen durch gleich grosse Signale bei gleicher Phasenlage mit niedrigem Quellwiderstand getrieben werden. Man nennt dies Guard-Drive oder Shield-Drive. Die Wirkung der Schirm/Kabel-Kapazität neutralisiert sich. Teilbild 1.2 deutet diese Methode an. Beide Teilbilder zeigen wie der EMG-Testgenerator angeschlossen wird. REF bedeutet die Referenzelektrode, also die Elektrode die z.B. mittels eines leitenden Klettbandes an Arm oder Bein fixiert wird. INP sind die Anschlüsse für die Signalelektroden.



    Die Blockschaltung

    Ein einfacher Dreieck-Signalgenerator liefert das Testsignal mit einer Spannung im Volt-Bereich. Es ist klar, dass sich eine solch hohe Spannung nicht eignet um einen hochempfindlichen Verstärker zu testen, der mit 10 mV bereits übersteuert werden kann. Also muss ein Spannungsteiler her. Sinnvoll ist ein einstellbarer mit definierten Ausgangsspannungen. Die Wahl fiel auf Spannungswerte zwischen 100 µVpp bis 10 mVpp in 5 Stufen mit äquiquotienten Abständen. Für den Augenblick vergessen wir die Widerstände R17 bis R20 und denken uns, die Ausgänge /OUT und OUT sind direkt an die Ausgänge der beiden Opamps geschaltet. Der Drehschalter liegt zwischen Dreieckgenerator und dem Eingang des als Impedanzwandler geschalteten Opamp, dessen Ausgang jetzt gerade direkt an OUT liegt. Die in Bild 2 nur angedeuteren Widerstände zum Herunterteilen der Dreieckspannung erzeugen am Ausgang des Drehschalters die dort angeschriebenen Spannungswerte zwischen 0.1 und 10 mVpp. Geht das? Im Prinzip ja, aber es gesellen sich besonders bei sehr niedrigen Spannungswerten relativ hohe Rauschspannungen dazu, die hauptsächlich von den Ausgangsstufen der Opamps erzeugt werden. Solche Rauschspannungen sind der Dreieckspannung überlagert. Der Signal/Rausch-Abstand ist besonders bei niedrigen Ausgangsspannungen sehr schlecht.

    Da die Spannungsteilung sehr hoch ist, könnte man schliesslich auf die beiden Opamps verzichten und dafür ein Umschalter mit zwei Umschaltebenen einsetzen, wie dies im Elektronik-Minikurs AMPLIFIER-ATTENUATOR (siehe Bild 3) illustriert wird. Will man jedoch ein kleines Testgerät bauen, ist der Aufwand mit doppelt einstellbarem Spannungsteiler zu gross und es gibt den einen zusätzlich hier, allerdings nicht schlimmen, Nachteil, dass die Ausgangsimpedanz von der Einstellung des Spannungsteilers abhängig ist. Nicht schlimm, weil selbst die grösste Ausgangsspannung von 10 mVpp, eine Spannungsteilung 200:1, bei einer Generatorspannung von 2 Vpp, haben muss. Das wäre z.B. ein Spannungsteiler mit 10 k-Ohm zu 50 Ohm und ein Ausgangswiderstand von etwa 50 Ohm ist für die folgende Anwendung niedrig genug, wie wir noch sehen werden.

    Da aber die Einfachheit der Schaltung im Vordergrund steht, ist diese hier anders realisiert. Mit dem Drehschalter werden Spannungswerte heruntergeteilt die 100 mal grösser sind als die Spannungswerte an den Ausgängen /OUT und OUT. Die höchste Spannung ist also 1 Vpp und die niedrigste 10 mVpp. Diese Spannungswerte werden dann mit +1 und -1 nichtinvertierend und invertierend verstärkt und danach mit R17/R18 und R20/19 je mit 100/1 passiv geteilt. Auf diese Weise wird auch die Rauschspannungen der beiden Opamps um 100/1 geteilt und so hat diese Rauschspannung auf die angeschlossene Testanwendung keinen relevanten Einfluss mehr. Die Schaltung mit dem Dreieck-Signalgenerator und die beiden Opamps im Bereich der Spannungsteilung benötigen gerade einen einzigen Quad-Opamp, wie wir im folgenden Abschnitt gleich sehen werden.



    Die Schaltung des EMG-Testgenerators

    IC:C1 und IC:C2 arbeiten als Dreieck-Signalgenerator mit einer Frequenz von etwa 270 Hz und einer Amplitude von 2 Vpp. Wie Dreieck-Signalgeneratoren grundsätzlich arbeiten und berechnet werden, liest man im Buch Halbleiter-Schaltungstechnik von U.Tietze und Ch. Schenk im Kapitel Funktionsgeneratoren. Der typische Dreieck-Signalgenerator mit zwei Opamps besteht aus einem Schmitt-Trigger IC:C1 und einem aktiven Intergrator IC:C2. Je nach Ladespannung von C6 schaltet der Ausgang des Schmitt-Triggers auf beinahe Betriebsspannung oder beinahe GND-Pegel. Dabei wird C6, abhängig von diesen Pegeln auf- und entladen und weil dies mit einem konstantem Strom geschieht, entsteht eine dreieckige geradlinige Lade- und Entladekurve. Darum die Dreieckspannung am Ausgang des Integrators. Weiter unten im Kapitel "Wie kommt es zum Dreiecksignal?" wird noch einmal speziell auf dieses Thema eingegenagen.

    Auf den Ausgang des Dreieck-Signalgenerators folgt der umschaltbare Spannungteiler. Die 1%-Widerstände sorgen für die stufenweise äquiquoziente Spannungsteilung. Mit dem Trimmpotmeter P1 (P2 gibt es erst als Option in Bild 5) wird die Genauigkeit aller geteilten Spannungen abgeglichen. Da die Dreieckspannung auf Ux referenziert ist, muss mit C7 das Spannungsteilernetzwerk DC-mässig entkoppelt werden, weil sonst auch Ux von der Spannungsteilung betroffen wäre, was zur Folge hätte, dass IC:C3 und IC:C4 nicht mehr richtig arbeiten würden. Die Summe der Widerstände von P1, R9 bis R14 bilden mit der Kapazität von C7 ein passives Hochpassfilter, dessen Grenzfrequenz wesentlich niedriger sein muss, als die Dreieckfrequenz, weil sonst die Form des Dreiecks verzerrt wird. Diese Hochpass-Grenzfrequenz hat einen Betrag von etwa 0.1 Hz. Das heisst, man muss nach dem Einschalten des Gerätes ein paar Sekunden warten, bis man damit arbeiten kann.

    Die stufenweise variable Dreieckspannung am Ausgang des Drehschalters S1B wird mit dem Impedanzwandler (IC:C3) mit einer Verstärkung von +1 auf niedrige Impedanz konvertiert. IC:C4 arbeitet als invertierender Verstärker mit einer Verstärkung von -1. Die beiden Dreiecksignale an den Ausgängen von IC:C3 und IC:4 stehen invertierend zu einander.

    Auf die Ausgänge von IC:C3 und IC:C4 folgen je ein passives Hochpassfilter, gegeben durch C8, R17, R18 und C9, R20, R19. Es fällt dabei auf, dass die niedrigen Ohmwerte von R18 und R19 betreffs Grenzfrequenz des Hochpassfilters nicht ins Gewicht fallen. Dieses Hochpassfilter ist notwenig, damit das Dreieck-Signal am Ausgang auf GND bezogen ist. Das Hochpassfilter dient der DC-Entkopplung. Die Grenzfrequenz liegt bei 0.8 Hz, was bei einer Dreieckfrequenz von mehr als 100 Hz - hier 270 Hz - ausreichend niedrig ist. Mit den Spannungsteilern R17/R18 und R20/R19 werden die Ausgangsspannungen der Opamps passiv durch 100 geteilt, und so stimmen die Ausgangsspannungen mit den beim Drehschalter S1B angegebenen Werten überein.

    Ein zweipoliger Kippschalter S2 dient der Umschaltung von zwei Ausgangswiderständen. Damit werden die Elektroden/Gewebe-Impedanzen ungefähr nachgebildet. Low-Z entspricht einer Messung mit relativ grossflächigen Hautoberfächenelektroden und High-Z entspricht etwa der intramuskulären Messung mittels Nadel- oder Drähtchenelektroden mit sehr kleinen Kontaktflächen. Man kann die Werte von R21 bis R24 bei Bedarf auch ändern.

    Gönnt man sich einen Drehschalter mit zwei Ebenen, kann man sich das separate Ein- und Ausschalten mit einem Kippschalter ersparen, wobei es auch noch die Möglichkeit gäbe, mittels Drucktaste die Schaltung zu aktivieren und ausgeschaltet wird sie verzögert automatisch. Wie man so etwas realisiert zeigt der Elektronik-Minikurs (12). Die erste Ebene des Drehschalters S1A dient also der Ein- und Ausschaltung. Es folgt die Verpolungsschutzdiode D1, die verhindert, dass die Schaltung zerstört werden kann, wenn bei eingeschaltetem S1A versucht wird die 9V-Blockbatterie verkehrt anzuschliessen. Es fliesst dann kurzzeitig ein Kurzschlussstrom durch D1. Eine 1N400x-Leistungsdiode ertägt dies, weil der hohe Strom, der je nach Alcali-Mangan-Batterietyp zwar mehr als 1 A betragen kann, jedoch nur kurzzeitig fliesst, weil man sogleich bemerkt, dass beim Versuch die Batterie verkehrt anzuschliessen, dies gar nicht geht. In Serie eine solche Schutzdiode zu schalten - es müsste dann eine Schottky-Diode sein - ginge wegen dem Spannungsabfall über der Diode auf Kosten der Lebensdauer der Batterie. Die nutzbare Entladespannung liegt dann etwas höher.

    Die stabilisierte Betriebsspannung von +5 VDC wird mit dem Low-Dropout-Festspannungsregler TL750L05 (IC:A) erzeugt. Dies erlaubt ein sicheres Funktionieren der Schaltung und eine stabile Dreieckspannung wenn die Spannung der 9V-Blockbatterie durch die stetige Entladung auch unter 6 VDC fällt. Diese Spannung liegt unterhalb der 70%-Grenze der Batterie-Normalspannung, was in der Regel als entladen gilt. Diode D2 verhindert ein schädlicher Rückwärtsstromfluss durch IC:A, wenn beim Hantieren des Batteriewechsels und eingeschaltetem S1A, die Batterie erst richtig und dann falsch an die Druckknopfanschlüsse gehalten wird. Eine Worstcase-Funktion mit minimalstem Aufwand.

    Wie die Batteriebetriebsanzeige mit IC:B funktioniert, ist in der Einleitung bereits angedeutet. Wie diese Schaltung im Detail funioniert, lese man bitte nach im Elektronik-Minikurs (2).



    Testsignale mit und ohne Filter

    Nur weil ein Dreicksignal nicht mehr so ideal aussieht, wenn es am Ausgang einer EMG-Messanlage gemessen wird, heisst das noch lange nicht, dass diese in die Werkstatt muss. Bild 4 illustriert grob wie sich das Dreiecksignal etwas verändert. Diagramm 2 zeigt den Einfluss eines 50-Hz-Notchfilters, das dem Zweck dient restliche Brummstörungen zu beseitigen, welche sich trotz symmetrischer Signalmessungen noch geschwächt einkoppeln können. Diagramme 3 bis 5 zeigen den Einfluss eines steilen aktiven Antialiasing-Tschebyscheff-Tiefpassfilters bei drei unterschiedlichen Grenzfrequenzen. Dass das Diagramm 5 ein Sinussignal zeigt, liegt logischerweise daran, dass eine Oberwelle bei der doppelten Dreieckfrequenz von 540 Hz so stark bedämft wird, dass nur noch die Grundfrequenz, daher eine sinusförmige Spannung, übrigbleibt. Diagramme 6 und 7 illustrieren die Verzerrungen des Dreiecksignales mit einem aktiven Butterworth-Hochpassfilter 6. Ordnung zur massiven Unterdrückung von quasistationären Spannungen (Artefakte), wie dies in der Einleitung bereits erklärt ist. Die Praxis zeigte, dass eine Hochpass-Grenzfrequenz von maximal 30 Hz und praktikabel typisch 10 Hz genügen bei der Ordnungszahl von 6 genügen.



    Wie kommt es zum Dreiecksignal?

    Man betrachte Teilbild 5.1 Damit ein Dreiecksignal zeitsymmetrisch ist, d.h. gleischschenklig im Oszilloskop in Erscheinung tritt, muss sichergestellt werden, dass C6 mit dem gleich grossem Strom mit der selben Zeit auf- und entladen wird. Diese gleich grosse Zeit ist möglich, wenn, wie bereits erwähnt, die Arbeitsspannung Ux genau in der Mitte zwischen den beiden Aussteuerungsmaxima liegt. Darum sind in Bild 3 R7 und R8 nicht gleich gross. Will man die Schaltung unabhängig vom Typ des verwendeten Quad-Opamp realisieren und man will ein exaktes zeitsymmetrisches Rechtecksignal (Tastverhältnis = 0.5) an Pin 1 von IC:C1, muss Ux mit einem Trimmpotmeter (P2) einstellbar sein. P2, weil P1 in der Schaltung in Bild 3 bereits vergeben ist.

    Wir betrachten die beiden Teilbilder 5.2a und 5.2b. Warum die Dreicksignalform empfohlen wird, ist bereits beschrieben. Hier geht es um eine anschauliche Erklärung warum die aktive Integratorschaltung eine Dreieckkurve und nicht die typische exponentielle Lade- und Entladekurve zeigt, wie man es bei einer passiven RC-Schaltung gewohnt ist. Grund ist ganz einfach der, dass C ein konstanter Lade- und Entladestrom ±Ik erhält. Man erkennt dies sofort, wenn man die typische spannungsgesteuerte nicht GND-bezogene Konstantstromquelle betrachtet. Der Wert des Konstantstromes ändert sich nicht durch eine Veränderung des Wertes des Widerstandes P (Teilbild 5.2b). Die Veränderung von P symbolisiert die Änderung des Ladezustandes von C, bei ebenfalls konstantem Strom.

    Eine Eingangsspannung an Ue erzeugt die selbe Spannung über R, weil der invertierende Eingang des Opamp der virtuelle GND ist. Der Strom durch R, der sich aus Ue/R ergibt, ist der selbe Strom der durch P fliesst, gleichgültig wie klein oder wie gross P ist, solange Ua nicht in die Begrenzung gesteuert wird. Genau dies kommt auf das selbe heraus, wenn anstatt eines (veränderlichbaren) P ein C (Teilbild 5.2a) eingesetzt wird. Der Strom bleibt konstant und ein konstanter Strom erzeugt an einem Kondensator einen linearen Spannungsverlauf, ob Ladung oder Entladung gerade stattfindet. Deshalb kommt die Dreieckfunktion zustande.

    Wenn diese Beschreibung von einem Elektronik-Azubi nicht ganz nachvollzogen werden kann, empfehle ich diese Schaltungen in den Teilbildern 5.2a und 5.2b mal nachzubauen und mit einem regelbaren Rechteckgenerator, angeschlossen an Ue, und einem Oszilloskopen, angeschlossen an Ua, zu testen und daraus aus praktischer Anschauung zu lernen. Auf diese Weise entwickelt man schliesslich auch ein Gefühl für die elektronische Schaltungstechnik, die man mit Formelpaukerei und Simulation alleine nicht erwirbt.



    Technische Daten

     
        Signalform:           Dreieck 
    
        Signalfrequenz:       270 Hz
    
        Ausgangspannung:      0.1 ; 0.3 ; 1 ; 3 ; 10  mV 
    
        Ausgangswiderstand:   20 k-Ohm  ;  200 k-Ohm  (symmetrisch)
    
        Energieversorgung:    9 Volt Blockbatterie (Typ 006p)
    
        Stromverbrauch:       1.2 mA (IC:C = TLC27M4) 
                              2.2 mA (IC:C = TLC274)
    
        Betriebsdauer:        min. 400 Std. (IC:C = TLC27M4)
                              min. 220 Std. (IC:C = TLC274)
                              Intermittierend wesentlich länger!
    
        Batterie-Entladung:   Anzeige durch schwaches leuchten der LED,
                              die sonst hell blinkt.
     


    Empfehlenswerte Links

    Diese vielen Links stehen tatsächlich in Zusammenhang mit dieser kleinen EMG-Testschaltung. Mit einem EMG-Testgenerator kann man schliesslich ein komplexes EMG-Messsystem testen. Dazu gehören neben Themen die mit der Schaltung direkt etwas zu tun haben, auch generelle Themen über Operationsverstärker und Instrumentationsverstärker, aber ebenso auch ein Thema wie das Rauschen und aktive im Grenzfrequenzbereich steile Tiefpassfilter in Switched-Capacitor-Technology, die zwecks Unterdrückung von Aliaseffekten vor A/D-Wandler geschaltet werden. Diese Elektronik-Minikurse bestehen zum Teil schon sehr lange. Will man fundamentalere Kenntnisse zu diesen Inhalten erwerben, gibt es einiges in den Kursen von Patrick Schnabel, wie z.B. über Operationsverstärker, oder man muss auch andere Literatur mit einbeziehen. Der erste Link hat mit Elektronik nur ganz am Rande etwas zu tun. Es geht in diesem Nicht-Elektronik-Minikurs darum, ein klein wenig über die Neurophysiologie zu lesen, die etwas mit dem Spiel der Muskeln zu tun hat. :-)



    Thomas Schaerer, 03.05.2005 ; 31.12.2005 ; 06.12.2006 ; 12.02.2008