Systeme der öffentlichen Vermittlungstechnik

Digitalisierung

Die technische Entwicklung führte in den 80er und 90er Jahren dazu, dass digitale Signalprozessoren mit hoher Rechenleistung zur Übertragung von digitalen Signalen auf langen Kupferkabeln verfügbar wurden. Anfangs waren sie noch teuer, später sank der Preis aufgrund günstiger Herstellungsverfahren und steigender Nachfrage.
Im Zuge der Digitalisierung des Telefonnetzes der Deutschen Telekom kommen die Systeme EWSD (Siemens) und das S12 (Alcatel) für die Fern- und Ortsvermittlungsstellen zum Einsatz.
Der serienmäßige Aufbau und die Inbetriebnahme der DIV-Systeme erfolgte ab 1984. Mit der Digitalisierung wurde die alte analoge Vermittlungstechnik mit dem System 55/55v mit den Edelmetall-Motor-Drehwählern (EMD) und teilweise noch älteren mechanischen Hebdrehwählern vollständig ausgetauscht.
Das analoge Telefonnetz war störanfällig und mit der Vermittlung von Gesprächen schnell überlastet. Eine Umstellung aus wirtschaftlichen Gründen war geboten.

Im Prinzip ist es heute so, dass das analoge Telefonnetz vollständig digitalisiert ist. Das bedeutet, dass nur noch der Übertragungsweg vom Endgerät zur Vermittlungsstelle analog ist, sofern es sich um einen analogen Telefonanschluss handelt. In der Vermittlungsstelle wird dann das analoge Signal in ein digitales Signal umgewandelt und über das Telefonnetz digital übertragen. In der Ortsvermittlungsstelle des Empfängers werden die digitalen Signale wieder in analoge Signale umgewandelt, sofern auch dieser Telefonanschluss analog ist. Bei ISDN ist es noch einfacher. Dort findet die Analog-Digital-Wandlung im Telefon statt. Oder im Terminal-Adapter an dem ein analoges Telefon, ein Fax oder ein Anrufbeantworter angeschlossen sein kann.

Entwicklung zum diensteunabhängigen Kommunikationsnetz

Die Digitalisierung der Kommunikationsnetze und Bandbreiten-Anforderungen bei der Übertragung von Daten hat es erforderlich gemacht, sich Gedanken über eine diensteunabhängiges Kommunikationsnetz zu machen. Der Traum eines jeden Netzplaners ist es, dass auf seinem Netz jede Art von Anwendung und Dienst etabliert werden kann, ohne jedesmal aufs Neue eine vollständig neue Netzarchitektur und -technik entwickeln zu müssen.
Die Digitalisierung des öffentlichen analogen Telefonnetzes führte zur Entwicklung der Plesiochronen Digitalen Hierarchie (PDH). Die Umstellung der analogen auf die digitale Sprach- und Datenübertragung ermöglichte eine höhere Auslastung des existierenden Netzes und eine zusätzliche Qualitätsverbesserung.

Aufbau des ISDN-Netzes

Aufbau des ISDN-Netzes
Das ISDN ist in Nutzkanal-Netz und Signalisierungs-Netz aufgeteilt. Auf der Teilnehmeranschlussleitung erfolgt die Signalisierungs- und Vermittlungsdatenübertragung im D-Kanal (Protokoll: E-DSS1).
Zwischen den digitalen Ortsvermittlungsstellen (DIVO) erfolgt die Übertragung der Signalisierungsdaten und der Nutzdaten getrennt. So können die Wahlinformationen eines aufgebauten Gesprächs einen ganz anderen Weg nehmen als das Gespräch selber.
In einem PCM30-System übernimmt der 16. Kanal (zentraler Zeichenkanal) die gesamte Signalisierung der 30 Nutzkanäle.

EWSD - Elektronisches Wählsystem Digital

Prinzip EWSD
Die EWSD ist eines der weltweit am häufigsten eingesetzten öffentlichen Vermittlungssysteme. Hardware und Software entsprechen den internationalen ITU-T und ETSI-Standard. Dieses System wurde von Siemens und Bosch Telecom entwickelt und installiert.
Das wichtigste Merkmal dieses Systems ist die zentrale Wegesuche durch das Koppelnetz und der gemeinsam geschaltete Hin- und Rückweg der Fernsprechverbindung.

Durch das flexible Systemkonzept ermöglicht es den Einsatz für die verschiedensten Anwendungen:
  • Teilnehmervermittlung
  • Fernvermittlung
  • kombinierte Vermittlung
  • Auslandsvermittlung
  • Mobilfunkvermittlung
  • Gateways
  • Rural/Container-Vermittlung
  • Access-Network Vermittlung
EWSD unterstützt folgende Dienste (Stand: 7/98):
  • ISDN (Integrated Services Digital Network)
  • Centrex (virtuelle TK-Anlagen)
  • IN (Intelligente Netze)
  • Breitband
EWSD unterstützt folgende Schnittstellen (Stand: 7/98):
  • analoge Netz- und Teilnehmeranschlüsse
  • ZGS Nr. 7 für Netzsignalisierung
  • EDSS1 für ISDN-Teilnehmeranschlüsse
  • Q3 zum Telekommunikation Managment System
  • V5.1/V5.2 zum Access Network

S12 - System 12

Prinzip System 12
Die wichtigsten Merkmale diese Vermittlungssystems sind die dezentrale Wegesuche und das Hin- und Rückweg einer Fernsprechverbindung getrennt geschaltet werden.
Das System 12 (S12) stammt von der Firma Alcatel (ehemals SEL).

Übertragungstechnik

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