ISDN-Anschluss ersetzen

Ein ISDN-Anschluss ist eine physikalische und logische Einrichtung, um ISDN-Endgeräte an das ISDN-Netz anzuschließen. Allerdings sind ISDN-Endgeräte nicht mehr zukunftsfähig.

Bis Ende 2018 will die Deutsche Telekom alle ISDN-Anschlüsse abschalten und auf Voice over IP (VoIP) umstellen. Davon sind alle Kunden betroffen, die einen ISDN-Anschluss besitzen. Andere Netzbetreiber, die aber nur regional tätig sind, wollen sich am Bedarf orientieren und etwas mehr Zeit lassen. Konkret bedeutet das, dass irgendwann jeder von der Abschaltung von ISDN betroffen sein wird.

Hinweis: Ein reiner Analog-Anschluss (ohne DSL) ist davon nicht betroffen. Der Analog-Anschluss bleibt aufgrund gesetzlicher Vorgaben bestehen (Versorgungspflicht) und wird in der Vermittlungsstelle auf IP umgestellt. Der Kunde bekommt davon in der Regel nichts mit. Auch nach der Umstellung wird ein analoger Anschluss alle Geräte, die seit 1948 auf den Markt gekommen sind, funktionieren.

Da im Prinzip jeder ISDN-Kunden von der Umstellung vom traditionellen Telefonnetz auf IP-Kommunikation betroffen ist, sollte man nicht allzu sehr darüber schimpfen. Die Umstellung bietet die Gelegenheit, die bestehende TK-Infrastruktur zu optimieren und zu konsolidieren. Die neuen Voice-over-IP-Angebote sind von der Qualität her oft besser, als was man von ISDN gewohnt ist. So fällt die Begrenzung parallel geführter Verbindungen pro Anschluss weg.
Einen Nachteil gibt es allerdings. VoIP ausschließlich auf die Übertragung von Sprache optimiert. Allerdings lässt sich die Zuverlässigkeit von ISDN mit VoIP nicht gewährleisten.

Die Umstellung erfolgt aus drei Gründen

  1. Die ISDN-Technik ist schmalbandig und unflexibel.
  2. Die ISDN-Technik funktioniert stabil ist jedoch veraltet.
  3. Die ISDN-Technik lässt sich nicht mehr ökonomisch sinnvoll betreiben.

Vorteile von Voice over IP

  • One-Numbering (eine Nummer an allen Anschlüssen und Endgeräten)
  • freie Endgerätewahl (stationäres oder schnürloses Telefon, Smartphone, PC)
  • freie Anschlusswahl (DSL/TV-Kabel/Mobilfunk)

Lösungen, um den ISDN-Anschluss zu ersetzen

Wen es keine ISDN-Anschlüsse mehr gibt, bedeutet das nicht, dass ISDN-Geräte auf den Müll wandern müssen. ISDN-Endgeräte, insbesondere Telefone, können weiterhin betrieben werden.

  • ISDN-Endgeräte an Router
  • ISDN-Endgeräte an VoIP-zu-ISDN-Adapter
  • ISDN-TK-Anlagen auf VoIP umstellen
  • ISDN-Umstellung bei alten ISDN-TK-Anlagen
  • ISDN-Primärmultiplexanschluss ersetzen

Hinweis: Ersatzteile für ISDN-Anlagen und -Telefone sind schwer zu bekommen, weshalb sich ein kompletter Austausch anbietet.

ISDN-Endgeräte an Router

ISDN-Endgeräte an Router

Eine Möglichkeit ist, die vorhandenen ISDN-Endgeräte an einem VoIP-fähigen Router mit einem internen ISDN-Anschluss (S0-Schnittstelle) zu betreiben. So ein Router bedient ISDN-Telefone und auch TK-Anlagen wie ein ISDN-Mehrgeräteanschluss des Netzbetreibers. Hierzu sind die Zugangsdaten für den VoIP-Anschluss im Router einzutragen. Bessere Modelle können mittels SIP-Trunking auch einen Anlagenanschluss emulieren.

ISDN-Endgeräte an VoIP-zu-ISDN-Adapter

ISDN-Endgeräte an VoIP-zu-ISDN-Adapter

Neben klassischen Routern gibt es auch reine VoIP-zu-ISDN-Adapter, die bei der Umstellung von ISDN auf VoIP weiterhelfen. Solche Geräte verfügen über einen Ethernet-Anschluss fürs LAN. Und auf der anderen Seite eine S0-Schnittstelle für ISDN-Endgeräte. Über eine Verbindung ins Internet verbindet sich der Adapter mit dem VoIP-Provider und vermittelt mehrere simultane VoIP-Verbindungen über die S0-Schnittstelle.
Einschränkend muss man hier sagen, dass transparente Verbindungen über den ISDN-B- oder -D-Kanal nicht möglich sind. Hier muss man sich um Alternativen kümmern.

ISDN-TK-Anlagen auf VoIP umstellen

ISDN-TK-Anlagen auf VoIP umstellen

ISDN-TK-Anlagen, die noch nicht so alt sind, verfügen über einen Ethernet-Anschluss. In diesem Fall muss lediglich die Anschlussart gewechselt werden. Das funktioniert mit vielen neueren TK-Anlagen, wenn diese sowohl für ISDN als auch IP gerüstet sind (hybride TK-Anlagen). Hier sind die Anschluss- bzw. Benutzerdaten des VoIP-Providers einzutragen. Die TK-Anlage selber läuft mit allen Nebenstellen unverändert weiter.

ISDN-Umstellung bei alten ISDN-TK-Anlagen

Für kleine bis mittlere Unternehmen, die eine alte ISDN-TK-Anlage betreiben, bieten sich generell drei Umstiegsarten an:

  1. Die TK-Anlage bleibt weitgehend unverändert.
  2. Die TK-Anlage wird ersetzt.
  3. Die TK-Anlage wird als Dienst in die Cloud verlagert.

Wenn eine alte TK-Anlage weiter betrieben werden soll, dann benötigt man in der Regel nur einen Router, ein Media-Gateway oder VoIP-ISDN-Adapter, der einen oder mehrere interne S0-Schnittstellen für die TK-Anlage ausgeben kann. Die meisten Anlagen können dann unverändert weiter betrieben werden. Aber, es handelt sich dabei in der Regel um keinen vollwertigen ISDN-Anschluss.

Wenn eine alte TK-Anlage in die Jahre kommt, dann muss man mit Ausfällen rechnen. In der Regel bekommt man dann auch keine Ersatzteile mehr. Die Anlage zu ersetzen ist dann der beste Weg. Je nach Größe bieten sich hier moderne VoIP-fähige Router an, die als Kommunikationszentralen über Analog-, ISDN-, Ethernet-Schnittstellen und WLAN- und DECT-Basisstationen verfügen. Hier hat man die frei Wahl bei neuen Endgeräten. Unter Umständen kann man Teile der alten ISDN-basierten Infrastruktur weiter betreiben.

Eine Alternative zur TK-Anlage ist ein TK-Dienst aus der Cloud, den man zu günstigen und flexiblen Konditionen mieten kann. In diesem Fall werden die alten Geräte und Anlagen abmontiert und die Nutzer erhalten neue IP-Telefone. Dabei spart man sich die Anschaffung und Wartung der TK-Anlage und kann im Prinzip beliebige IP-Telefone kaufen. Ein IP-Telefon kann man überall betreiben, wo ein Ethernet-Anschluss mit Internet-Zugang vorhanden ist. Aber, alles außer Telefonie und Fax bedarf einer Sonderlösung oder die Umstellung auf IP-basierte Kommunikation.

ISDN-Primärmultiplexanschluss ersetzen

ISDN-Primärmultiplexanschluss ersetzen

Bei Unternehmen ab 100 Mitarbeitern werden in der Regel Primärmultiplexanschlüsse mit je 30 Nutzkanälen betrieben. Hier stellt sich die Frage, wie die Umstellung von ISDN auf VoIP erfolgt. Hier können Router oder Gateways verwendet werden, um ältere Anlagen auf S2M-Basis (Primärmultiplex) über einen IP-Anschluss betreiben zu können.
Einfacher ist es jedoch die ISDN-Anlage abzulösen und eine VoIP-Anlage mit SIP-Trunk zu betreiben. Die maximale Anzahl paralleler Sprachkanäle pro SIP-Trunk variieren jedoch je nach SIP-Provider.

Endgeräte für Daten- und Sonderdienste

Eine Besonderheit von ISDN ist die Dienstetrennung nach Telefonie, Daten, Fax usw. Bei der Umstellung auf Voice over IP muss man berücksichtigen, dass Voice over IP ausschließlich für die Übertragung von Sprache ausgelegt ist. Das ist ein Problem, wenn man EC-Kartenterminals, Frankiermaschinen oder Alarmanlagen betreibt, die eine transparente ISDN-Verbindung mit 64 kBit/s oder andere ISDN-Dienste benötigen.
Desweiteren existieren in einer typischen TK-Infrastruktur Modems, Faxgeräte, Alarmanlagen und Hausnotrufsysteme, die auf analoge Anschlüsse angewiesen sind. Diese Sonderdienste müssen in der Regel für die IP-Kommunikation umgerüstet oder ausgetauscht werden.

  • EC-Kartenterminals: EC-Kartenterminals müssen auf Geräte mit Ethernet-Anschluss oder Mobilfunk-Anbindung umgestellt werden.
  • Faxgeräte: Fax2Mail-Gateways, T.38 oder langsame Verbindung über VoIP

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