Warum Mobilfunk und Rundfunk zusammen nicht funktionieren

Das Mobilfunknetz mit Rundfunk zum Empfang von Radio und TV zu vereinen gibt es bereits seit UMTS (3G). Auf dem ersten Blick scheinen Mobilfunk und Rundfunk auch gut zusammenzupassen. Schließlich kann man beides mit mobilen Geräten, wie Smartphones, empfangen.

Mit 5G gibt es für Mobile-TV eine Neuauflage. Sie nennt sich „5G Today“. Damit sollen großflächige TV-Übertragungen im Mobilfunknetz umgesetzt werden.

Doch wie man es dreht und wendet, für die Rundfunkübertragung wurden die Mobilfunknetze nicht konzipiert.
Und so kann man alle Versuche, Mobilfunk und Rundfunk zu vereinen, als gescheitert ansehen.
Die Gründe dafür liegen in der unterschiedlichen technischen Umsetzung, Einschränkungen bei den Endgeräten, dem untypischen Nutzerverhalten und fehlendes Kundeninteresse.

Technische Gründe

Bei der klassischen Mobilfunkverbindung hat jeder Teilnehmer eine individuelle Verbindung zur nächsten Basisstation. Man bezeichnet das als Unicast. Der Bandbreitenbedarf steigt mit der Anzahl der Geräte. Jedes Endgerät ist im Netz registriert.
Sollen mehrere Endgeräte mit demselben Inhalt versorgt werden, bezeichnet man das als Multicast. Auch hier muss jedes Endgerät im Netz individuell registriert sein. Die Teilnehmer sind in Multicast-Gruppen eingeteilt.
Beim typischen Rundfunk werden alle erreichbaren Endgeräte mit identischen Inhalten versorgt, die nur einmal an alle gesendet werden. Man bezeichnet das als Broadcast. Die Endgeräte sind im Netz nicht registriert und können anonym bleiben. Der Bandbreitenbedarf steigt mit der Anzahl der Broadcast-Angebote.

Spezielle Inhalte

Die Nutzung von Mobile-TV bringt einige Besonderheiten mit sich. Ein direkter Vergleich mit dem normalen Fernsehen ist nicht möglich.
Die Mobilfunkbetreiber und TV-Sender stellen immer wieder fest, dass es für kleine Displays speziell bearbeitetes Videomaterial braucht. Tendenziell muss es mehr detaillierte Ausschnitte geben. In den Sendungen müssen Nah- und Großaufnahmen dominieren. Der Video-Produzent muss sich also schon vorher Gedanken machen, wie das Material nachher genutzt und weiterverarbeitet wird.

Nutzer und Nutzerverhalten

Mobile-TV ist auch für den Nutzer schwierig und gewöhnungsbedürftig. Auch wenn es viele Vorteile geben mag. Fernsehen am Smartphone ist unkomfortabel. Und auch die Anbieter haben ein Problem. Neue Hauptsendezeiten entstehen, etwa zu Berufsverkehrszeiten in den Morgen- bzw. Abendstunden. Zu diesen Zeiten existieren jedoch keine Inhalte für die entsprechenden Zielgruppen.
Außerdem sind die bevorzugten Orte für den Fernseh-Konsum zuhause zur Entspannung. Mobile-TV ist etwas bei Warte- und Fahrtzeiten. Generell ist die Nutzung immer nur kurz, dafür mehrmals täglich oder mehrmals wöchentlich. Eben eine typische Gelegenheitsnutzung.

Zielgruppen

Neben Technik-Freaks und jungen Leuten gehören vielleicht noch Nachtwächter, Taxifahrer und Pförtner zur Zielgruppe. Die Anzahl der Nutzer ist demnach nicht besonders groß und auch nur begrenzt zahlungskräftig.

Fazit

Mobile-TV ist ein Nischenprodukt, das hohe Investitions- und Betriebskosten verursacht. Ein lukratives Geschäftsmodell sieht anders aus.
In der Vergangenheit wurden alle Mobile-TV-Projekte in Deutschland eingestellt oder kamen über die Planungsphase nicht hinaus.