Mobile-TV / Handy-TV

Mobile-TV oder Handy-TV ist der Empfang von Fernseh- und Radio-Inhalten auf dem Smartphone oder einem vergleichbaren mobilen Gerät. Dafür gibt es ein eigenständiges digitales Rundfunknetz, dessen Technik die Einschränkungen von mobilen Geräten berücksichtigt. Dabei kommt der Rundfunk nicht mit dem Mobilfunk in Berührung.
Rundfunksender und Mobilfunknetzbetreiber wollen mit Mobile-TV junge Zielgruppen erreichen, die kein oder kaum noch stationäres Fernsehen konsumieren. Deren Medium ist das Internet und das Smartphone. Mobile-TV bzw. Handy-TV soll speziell auf diese Zielgruppen ausgerichtet sein.

Handy-TV mit Rückkanal

Fernsehen auf dem Smartphone ist nicht so wie Fernsehen vor dem normalen Fernseher. Der zuverlässige Empfang von hohen Datenraten durch kleine Geräte in ihrer typischen Nutzungsumgebung ist eine technische Herausforderung. Fernsehen auf kleinen Geräten erfordert besondere technische Maßnahmen:

  • Der Akku-Betrieb erfordert eine geringe Leistungsaufnahme.
  • Aufgrund erschwerter Empfangsbedingungen bedarf es einer höheren Störfestigkeit der Übertragung.
  • Aus Design-Gründen muss auf eine externe Antenne verzichtet werden.
  • Nur geringe Datenrate möglich, um das Mobilfunknetz nicht zu überlasten.

Erfahrungen mit TV dem Handy oder Smartphone

Sendungen mit wenig Bewegung erscheinen gestochen scharf auf dem Display. Nur ein leichtes Ruckeln ist zu bemerken. Doch bei Sendungen mit viel Bewegung, zum Beispiel Fußball oder Tennis, macht sich die geringe Bildrate von 15 Bildern in der Sekunden negativ bemerkbar.
Auf dem kleinen Display gehen Details unter oder sind nicht mehr darstellbar. Das typische Szenario eines Fußball-schauenden Fans ist eher ein Witz. Die Sicht des Fußballfeldes aus der Totalen (von der Tribüne auf das Spielfeld) lässt Spieler und Ball kaum erkennen. Nur in Zeitlupen- und Großeinstellungen kann man den Ball wahrnehmen. Außerdem reicht für schnelle Bewegungen die Datenrate nicht aus. Die Videokomprimierung mit ihren klötzchenartigen Artefakten macht sich dann bemerkbar. Spiegelnde Displays und starke Sonneneinstrahlung stören im Freien.
Deshalb benötigt nicht nur die Technik, sondern auch die Inhalte eine Anpassung. Die Inhalte müssen speziell für den kleinen Bildschirm und die sich geänderten Nutzungssituationen angepasst werden. Für die Erstellung von Video-Inhalten für Handys gelten folgende Grundregeln:

  • Groß- und Detailaufnahmen
  • langsamere Kameraschwenks
  • kürzere Beiträge
  • Programme und Sendungen im Minutentakt

Games, kurze News, Shows, Entertainment, Downloads und Shopping unter Ausnutzung der Interaktionsmöglichkeiten gelten als funktionierende Inhalte für Mobile-TV. Gerade der Rückkanal durch die Mobilfunktechnik gilt als die Stärke von Mobile-TV. Doch für die Interaktion gibt es keine Standards. Deshalb müssen die Inhalte-Anbieter auf Eigenentwicklung setzen, die sehr zeit- und kostenaufwändig sind.

Übersicht über die Standards und Techniken im Bereich Mobile-TV

  • DVB-H - Digital Video Broadcast for Handheld
  • DMB - Digital Multimedia Broadcast
  • eMBMS - evolved Multimedia Broadcast Multicast Service
  • IMB - Integrated Mobile Broadcast
  • ATSC-M/H - Advanced Television Systems Committee Mobile/Handheld
  • MediaFLO
  • Streaming im Mobilfunknetz

Im Zuge des Hypes "Handy-TV / Mobile TV" wurden sehr schnell mehrere konkurrierende Standards aus dem Boden gestampft. Diese Mobile-TV-Standards sind so ausgelegt, dass sie die Auflösung und den Akkubetrieb der Endgeräte berücksichtigen.

DVB-H - Digital Video Broadcast for Handheld

DVB-H ist ein Standard für eine Übertragungstechnik von Fernseh- und Radio-Inhalten. DVB-H nutzt die gleichen Frequenzen wie DVB-T. Speziell für den mobilen Einsatz mit Akku-betriebenen Geräten wird eine verbesserte Fehlerkorrektur und das Zeitschlitzverfahren (Time-slicing) eingesetzt.
In DVB-H werden alle Dienste per Internet Protocol (IP) übertragen. IP-Datacast ermöglicht es in DVB-H den Mobilfunk, als Rückkanal (Upstream) für interaktive Dienste zu integrieren.

DMB - Digital Multimedia Broadcast

DMB ist ein Standard für eine Übertragungstechnik von Fernseh- und Radio-Inhaltet. DMB ist eine Weiterentwicklung von DAB (Digitalradio-Standard aus Deutschland) und vom ETSI standardisiert.

eMBMS - evolved Multimedia Broadcast Multicast Service

MBMS (Multimedia Broadcast and Multicast Service) wurde vom 3GPP spezifiziert, um Audio- und Video-Daten in UMTS-Netzen zu streamen. Da die typische Mobilfunktechnik für Broadcast-Anwendungen nicht geeignet ist, führt MBMS Punkt-zu-Mehrpunkt-Kanäle innerhalb einer Mobilfunkzelle ein, um mehrere Nutzer gleichzeitig mit einem Videostream zu versorgen. Mit eMBMS gibt es eine Erweiterung für LTE-Netze.

IMB - Integrated Mobile Broadcast

IMB ist ein Standard von 3GPP und dem Interessenverband GSM Association (GSMA). Dieser Standard ermöglicht eine vergleichsweise leichte Umsetzung von mobilen Daten- und Broadcast-Angeboten, wie zum Beispiel mobiles Fernsehen. Die Übertragung erfolgt im Frequenzbereich um 1,9 GHz, für das viele Netzbetreiber eine Lizenz haben.

ATSC-M/H - Advanced Television Systems Committee Mobile/Handheld

Neben DVB-H und DMB gibt es den Standard ATSC-M/H vom nordamerikanische Advanced Television Systems Committee (ATSC). Es ist zum terrestrischen Standard für Digital-TV ATSC kompatibel, das in Nordamerika verbreitet ist.
ATSC-M/H wird im selben Frequenzbereich wie auch die terrestrischen Dienste übertragen. Neben der herkömmlichen Übertragung von Fernsehbildern ist auch ein Rückkanal für interaktive Dienste integriert. Unter anderem ist auch der Abruf von Videos nach Video-on-Demand vorgesehen.

MediaFLO

MediaFLO (Media Forward Link Only) ist ein Rundfunkverfahren für das Mobilfunknetz und wurde von Qualcomm entwickelt. Die Technik ermöglicht den Versand von TV- und Videosignalen über Mobilfunknetze mit CDMA-Mobilfunktechnik.

Streaming im Mobilfunknetz

Neben Mobile Broadcast mit DVB-H oder DMB gibt es das Streaming mit Unicast. Dem einseitigen Abruf von Musik und Videos über Breitband-Mobilfunktechnik. Es handelt sich dabei aber um kein echtes Mobile-TV, sondern nur um Audio- und Video-Streaming. Mobilfunk ist für die individuelle Sprach- und Datenkommunikation entwickelt worden. Die Technik ist überfordert, wenn die Nutzerzahlen steigen oder wenn eine bessere Bildqualität gewünscht ist. Das Mobilfunknetz kann das dann anfallende Datenaufkommen nicht mehr bewältigen.

Warum Mobile-TV ein Flop ist

Das Mobilfunknetz mit Rundfunk zum Empfang von Radio und TV zu vereinen gibt es bereits seit UMTS (3G). Auf dem ersten Blick scheinen Mobilfunk und Rundfunk auch gut zusammenzupassen. Schließlich kann man beides mit mobilen Geräten, wie Smartphones, empfangen.

Doch wie man es dreht und wendet, für die Rundfunkübertragung wurden die Mobilfunknetze nicht konzipiert.
Und so kann man alle Versuche, Mobilfunk und Rundfunk zu vereinen, als gescheitert ansehen.
Die Gründe dafür liegen in der unterschiedlichen technischen Umsetzung, Einschränkungen bei den Endgeräten, dem untypischen Nutzerverhalten und fehlendes Kundeninteresse.

Übersicht der Handy-TV-Techniken

Weitere verwandte Themen:

Teilen:

Produktempfehlungen

Alles was Sie über Kommunikationstechnik wissen müssen.

Kommunikationstechnik-Fibel

Die Kommunikationstechnik-Fibel ist ein Buch über die Grundlagen der Kommunikationstechnik, Übertragungstechnik, Netze, Funktechnik, Mobilfunk, Breitbandtechnik und Voice over IP.

Das will ich haben!

Alles was Sie über Kommunikationstechnik wissen müssen.

Kommunikationstechnik-Fibel

Die Kommunikationstechnik-Fibel ist ein Buch über die Grundlagen der Kommunikationstechnik, Übertragungstechnik, Netze, Funktechnik, Mobilfunk, Breitbandtechnik und Voice over IP.

Das will ich haben!