V.90 und V.92

V.90 und V.92 sind die Standardisierungen für die asynchrone Datenübertragung mit 56 kBit/s über die Telefonleitung. V.92 entstand aus den beiden nichtkompatiblen Verfahren X2 und K56flex von den Modemherstellern 3Com und U.S.Robotics.
Bei diesem Übertragungsverfahren ist es zwingend erforderlich einen digitalen Telefonanschluss zu haben. Außerdem ist eine gute Leitungsqualität zur Ortsvermittlungsstelle (DIVO) notwendig. Zu beachten ist auch, dass es mit dieser Technik nicht möglich ist zwischen zwei analogen Telefonanschlüssen mit 56 kBit/s zu übertragen.
V.90 / V.92
Sinnvoll ist dieses Verfahren, wenn zwischen einem analogen und einem digitalen Anschluss (ISDN) Daten übertragen werden sollen und die Datenmenge vom Server zum Client überwiegt. Typische Anwendungen sind Client-Server-Anbindungen und Internet-Zugänge.

Funktionsweise und Technik

Weil die Grundverfahren (X2/K56flex) aus den USA kommen, ist dieses Übertragungsverfahren auf den nordamerikanischen T1-PCM-Standard mit maximal 56 kBit/s beschränkt. Dort verwenden einige Vermittlungsstellen eines der acht Datenbits für Signalisierungszwecke, so das maximal eine Übertragungsrate von 56000 kBit/s genutzt werden kann.
Das digitale V.90-Modem erzeugt ein PCM-Signal, das über einen ISDN-Anschluss (Anpassung an die S0-Schnittstelle ist notwendig/Adapter) in das Telefonnetz eingespeist wird. Das ananloge V.90-Modem empfängt dieses Signal, das den D/A-Wandler der DIVO durchlaufen hat. Dieses Modem erzeugt ein V.34-Signal mit maximal 33,6 kBit/s.
Bevor es jedoch mit der Datenübertragung losgehen kann, müssen beide Modems erst eine Startprozedur durchführen. Dabei wird die Übertragungsgeschwindigkeit und -eigenschaften ermittelt. Das dauert zwischen 25 und 30 Sekunden.

V.90 in der Praxis

In Deutschland haben sich die V.90-Modems für Analog-Anschlüsse durchgesetzt. Glücklich darf sich jedoch nur der schätzten, der ein Übertragungsgeschwindigkeit von über 40 kBit/s nach einem Verbindungsaufbau erreicht. In der Praxis kommt kein Modem auf 56 kBit/s

V.92

Mitte des Jahres 2000 hat die ITU (International Telecommunication Union) den V.92-Standard für analoge Modems verabschiedet. Die technischen Neuerungen sollen vorallem den Zugang zum Internet veschleunigen:

Quick Connect Der langwierige Verbindungsaufbau bei der Einwahl zum Internet-Provider (regelmäßig verwendete Verbindung vorrausgesetzt) soll weniger als 10 Sekunden betragen.
PCM Upstream Die Datenübertragungsrate in Upstream-Richtung(zum Provider) ist von 33,6 kBit/s auf 48 kBit/s erhöht worden (Steigerung um ca. 40%). Die Übertragungsrate in Downstream-Richtung (vom Provider) bleibt bei 56 kBit/s.
On-Hold Verfügt ein analoger Telefonanschluss über die Anklopffunktion, so kann ein eingehender Anruf (Anklopfen), trotz bestehender Modemverbindung angenommen werden. Dazu wird die Modemverbindung "geparkt". Diese kann nach ein paar Minuten, ohne erneute Anwahl, wieder aufgenommen werden.
Datenkompression Der bis dahin aktuelle Kompressionsstandard V.42bis wird duch V.44 abgelöst. V.44 kann die Daten um rund 25% besser komprimieren. Bei einer optimalen Verbindung und Kompression liese sich bis zu 300 kBit/s an Daten übertragen.
V.59-Protokoll Störungen beim Datenaustausch zwischen den Modems soll das V.59-Protokoll minimieren.

Update von V.90 auf V.92

Fast alle V.90-Modems haben einen Flash-Speicher, der sich per Firmware-Update auf V.92 aufrüsten lässt.
Aber aus Hardwaregründen wird das bei den meisten V.90-Modems nicht möglich sein. Das kann an einem zu kleinen Flash-Speicher oder zu geringer Prozessorleistung liegen.

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