Datenübertragung mit ISDN (ISDN-Protokolle)

Üblicherweise kommt niemand mit ISDN-Protokollen in Verbindung, solange er keine Daten übertragen oder Datenverbindungen, zum Beispiel zu Online-Diensten, aufbauen will. Sobald man den ISDN-Dienst "Data" verwendet, muss man sich um geeignete Protokolle kümmern.
ISDN-Protokolle sind in der Regel auf den Schichten 1, 2 oder 3 des OSI-Schichtenmodells angeordnet. Meistens gibt es ähnliche oder vergleichbare Protokolle für die Datenübertragung über einen analogen Telefonanschluss.

X.75

X.75 ist ein Sicherungsprotokoll und damit auf der Schicht 2 des OSI-Schichtenmodells angeordnet. Es ist das CAPI-Standardprotokoll und wird von den meisten ISDN-Adaptern (Karten, Modems) unterstützt. Es übernimmt die gleichen Aufgaben, wie V.42 bei analogen Modem-Verbindungen. Es erweitert die Daten aus den höheren Schichten um Informationen zur Fehlerkorrektur.
X.75 wird in der Regel bei Mailbox-Verbindungen eingesetzt. Es handelt sich dabei um Direktverbindungen zwischen zwei ISDN-Karten.

HDLC - High-level Data Link Control

HDLC ist standardisiert und geht aus SDLC (Synchronous Data Link Control) von IBM hervor. Es ist ein weit verbreitetes Framing-Protokoll und ist die Basis für das ISDN-Verbindungsprotokoll und alle Modemprotokoll mit der Fehlerkorrektur nach V.42.
HDLC arbeitet auf der Schicht 2 des OSI-Schichtenmodells. Besser gesagt am Rand zur Schicht 1. Deshalb wird es auch als Schicht 1b-Protokoll bezeichnet.
HDLC wird in Verbindung mit X.75 als Datensicherung verwendet. HDLC übernimmt die Berechnung und Überprüfung der Prüfsummen. Man spricht dabei von der Fehlererkennung. X.75 übernimmt dabei die Anforderung von fehlerhaften Datenpaketen. Das wäre die Fehlerkorrektur.
Anwendung findet HDLC als D-Kanal-Protokoll im ISDN-Netz, in Frame Relay, in IEEE 802.2 von LANs und in der Schicht 2 von X.25. Beim Zugang zum Internet wird üblicherweise das Verbindungsprotokoll HDLC verwendet.

V.110

V.110 bildet im asynchronen Modus einen asynchronen Datenstrom zwischen 300 und 38.400 Bit/s auf einem ISDN-Datenstrom mit 64.000 Bit/s ab. Dazu werden die restlichen Bit des ursprünglichen Datenstroms bis zu 64.000 Bit aufgefüllt. V.110 ist also eine künstliche Bremse für den ISDN-Datenstrom, damit Datenströme mit geringerer Geschwindigkeit für die weiter oben liegenden Übertragungsschichten für ISDN geeignet sind.
Dabei ist V.110 sehr benutzerfreundlich. Die einzige Einstellung bei V.110 ist die Geschwindigkeit. Manche ISDN-Adapter können die Geschwindigkeit des Verbindungspartner sogar automatisch erkennen.
V.110 wird bei Mailbox-Zugängen, Online-Diensten und Datex-P-Zugängen verwendet.

V.120

V.120 ist das ISDN-Standardprotokoll für Terminaladapter in den USA. V.120 ist mit X.75 vergleichbar. Auch hier kommt HDLC bei der Fehlererkennung zur Anwendung.

PPP - Point-to-Point Protocol

PPP hat die Aufgabe, Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu initialisieren, aufrechtzuerhalten und auch wieder zu beenden. PPP arbeitet auf der Schicht 2 des OSI-Schichtenmodells und wurde für die Übertragung von Schicht-3-Protokollen über eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung entwickelt. Typischerweise handelt sich dabei um Verbindungen in leitungsvermittelnde Netze für die Datenübertragung über Modem- und ISDN-Wählzugänge oder Festverbindungen. PPP sorgt dafür, dass diese Netzwerk-Protokolle über Punkt-zu-Punkt-Verbindungen übertragen werden können. Zum Beispiel IP, IPX und Appletalk.

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