Glasfaser-Anschluss

Der Glasfaser-Anschluss ist ein Breitband-Anschluss, der als Zuführung einen Lichtwellenleiter hat. Typische DSL-Anschlüsse haben als Zuführung ein Kupferkabel. Für zukünftige Internet-Anschlüsse und breitbandige Online-Dienste sind Glasfaser-Anschlüsse notwendig.

Mit der zunehmenden Vernetzung und multimedialen Anwendungen steigt auch der Breitbandbedarf. Hochauflösendes TV-Streaming, Online-Gaming, Cloud-Dienste und -Anwendungen und die intensive Nutzung sozialer Netzwerke lassen den Bedarf auf weit über 100 MBit/s pro Haushalt steigen. Langfristig geht man von einem Bandbreitenbedarf von 1 bis 10 GBit/s pro Anschluss aus. Das ist mit einer einzelnen Kupferdoppelader nicht zu machen.

Beim Bandbreitenbedarf muss man berücksichtigen, das nicht nur Privatanwender, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen einen großen Bedarf für Glasfaser-Anschlüsse in der Fläche haben. Desweiteren besteht mit der 5. Mobilfunkgeneration (5G) der Bedarf für eine flächendeckende Infrastruktur, die Netze für mobile Dienste und Anwendungen ermöglichen.

Lichtwellenleiter / Glasfaser

Die Bandbreite, die Glasfaserkabel technisch bieten ist noch lange nicht ausgereizt. Die Glasfaser, die mal nur 100 MBit/s transportiert hat, kann auch 1 GBit/s oder 10 GBit/s und mehr transportieren. Dafür muss sich die Technik nur bezahlbar weiterentwickeln. Die Kapazitätserweiterung und Geschwindigkeitssteigerung erfolgt schrittweise.

Als zukunftssicheres Übertragungsmedium kommt nur die Glasfaser in Frage. Bei Glasfaser ist die Bandbreite nahezu unbegrenzt. Es gibt keine Entfernungsprobleme und nur geringe Signallaufzeiten.

Vorteile von Glasfaser-Anschlüssen

  • Reserve für deutlich höhere Geschwindigkeiten
  • Verbindung ist stabiler als bei DSL (weniger störanfällig)
  • Latenzzeit ist tendenziell geringer
  • Anwendungen mit vielen parallelen Anfragen auf mehrere Server sind schneller

Wettbewerbssituation

Bei Glasfaser-Anschlüssen gibt es bislang keinen richtigen Wettbewerb. Man kann einen Glasfaser-Anschluss in der Regel nur bei einem Unternehmen bekommen.
Die Wettbewerbssituation ist damit ähnlich wie bei Kabel-TV-Anschlüssen, bei denen kein Wettbewerb besteht, sondern nur der Betreiber des lokalen Kabelnetzes Anschlüsse liefert.

Glasfaser-Netzarchitektur

Das Glasfasernetz orientiert sich an der sternförmigen Infrastruktur des Festnetzes. In der ursprünglichen Vermittlungsstelle ist ein OLT (Optical Line Terminator) installiert. Von dort verläuft ein Glasfaserkabel zu den Kabelverzweigern, die am Straßenrand stehen. Dort ist ein passiver optischer Splitter installiert. Der Splitter ist ein rein passives Bauteil. Er braucht keine Energieversorgung. Mit dem Splitter wird das Signal auf 32, 64 oder 128 Fasern verzweigt, die zu den Teilnehmern verlaufen. Die Glasfaser wird ins Gebäude geführt und endet am Glasfaser-Anschlusspunkt (GF-AP). Der befindet sich in der Regel im Keller, wo das Außenkabel des Netzbetreibers über eine Mauerdurchführung ankommt

PtMP - Point-to-Multipoint

Vom GF-AP geht ein LWL-Anschlusskabel zu einem ONT (Optical Network Termination) oder ONU (Optical Network Unit). Meist ist das ONU in den ONT integriert. Das ONU kann auch außerhalb installiert sein.

Der ONT/ONU ist ein Medienkonverter, der das optische Signal in ein elektrisches Signal umwandelt. An dem ONT wird dann der Router des Kunden angeschlossen. Manche Router enthalten bereits den ONT. Diese Ein-Box-Lösung wird dann als Customer Premises Equipment (CPE) bezeichnet und direkt am GF-AP angeschlossen.
Das CPE verfügt meist über WLAN, USB, Telefonieschnittstellen, Ethernet-Ports und bietet auf der lokalen Seite verschiedene Dienste an.

Flexibler ist die Zwei-Box-Lösung, bei der der Netzabschluss über einen einfachen ONT realisiert wird, an dem der Endkunde jedes beliebige CPE anschließen kann. Ändert sich die Anschlusstechnik auf der Netzseite, dann sind davon das lokale Netzwerk und die internen Dienste nicht betroffen.

Innerhalb des Gebäudes erfolgt die Vernetzung über Ethernet oder die vorhandene Telefonleitung. Die Haus- und Wohnungseigentümer können sich auch dafür entscheiden, eine Glasfaser bis in die Wohnung oder das Büro zu legen.

Technik

In Europa verwenden Netzbetreiber vorwiegend GPON für ihre Glasfaser-Anschlüsse. Mit GPON werden im Downstream 2,5 GBit/s und im Upstream 1,25 GBit/s erreicht.
Mit XGS-PON steht die nächste Technikgeneration bereit. Damit sind im Downstream und Upstream 10 GBit/s symmetrisch möglich.

Glasfaser-Ausbau

Die Investitionen in die vollständige Verglasung sind erheblich. Je nach Quelle ist die Rede zwischen 1.500 und 2.000 Euro pro Hausanschluss. Deshalb geht einem Glasfaserausbau üblicherweise eine Vorvermarktung voraus. Mit Werbung und öffentlichen Veranstaltungen informieren die Netzbetreiber über ihre neuen Internet-Anschlüsse, klären Hauseigentümer über die Bauarbeiten auf und versuchen so schon im Vorfeld, Kunden zu gewinnen.

Fehlende Tiefbaukapazitäten und qualifiziertes Fachpersonal, Lieferengpässen bei Glasfaserkabel, langsame Planung auf kommunaler Ebene und begrenzte Fördermittel verzögern jedoch den Ausbau.

Glasfaser in Asien

Über Asien wird gerne berichtet, dass man dort mit der Verlegung von Glasfaserkabeln viel weiter sei, als bei uns. Dazu muss man wissen, dass Asien sehr groß ist und das es regional sehr unterschiedlich aussieht. In Ballungsgebieten mag man da schon deutlich weiter sein als bei uns. Aber nur deshalb, weil dort die Infrastruktur lückenhafter ist und man deshalb nicht mit Kupferkabel, sondern gleich mit der Verglasung bis ins Haus beginnt.

Außerdem sieht die Verlegung von Leitungen und Kabeln in anderen Ländern anders aus als bei uns. Während in Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, Leitungen gerne im Boden verlegt werden, sind speziell in südostasiatischen Ländern die Leitungen oft einfach an der Hauswand entlang verlegt. Wer schon in südeuropäischen Ländern Urlaub gemacht hat und nicht nur den Strand, sondern auch kleine Städtchen mit altem Stadtkern gesehen hat, der kann sich vielleicht an die Elektroinstallationen an der Außenfassade der Häuser erinnern. Genau so muss man sich die Zuleitung für die Glasfaser vorstellen. Das heißt, die Installationen sind individueller, prakmatischer und auch weniger fachmännisch. Das heißt aber auch, dass dort die Ausfallwahrscheinlichkeit höher ist. Wenn dort etwas kaputt geht, dann wird es bei Bedarf einfach erneuert. Wobei die Ausfalldauer auch länger ist.

Das kann man sich bei uns so gar nicht vorstellen. Und deshalb ist auch klar, warum man dort weiter ist als bei uns. Man baut dort nicht so solide und auch nicht für die Ewigkeit. Dafür insgesamt schneller und günstiger.
Wenn man mal etwas länger in einem asiatischen Land gelebt hat, dann weiß man was das für Konsequenzen hat. Da kann es gut sein, dass bei jedem Gewitter auch mal der Strom weg sein kann. Und das beim Wiedereinschalten die Geräte wegen Überspannung Schaden nehmen können.
Und nur, weil dort eine Glasfaser im Haus liegt, heißt das nicht, dass das Internet dann schneller ist. Es kann gut sein, dass ein deutsches DSL schneller ist, als der FTTH-Anschluss dort. Es kommt nicht nur auf die Anschluss-Geschwindigkeit an, sondern auch auf eine schnelle Infrastruktur dahinter.

In manchen asiatischen Ländern muss man generell mit Instabilitäten leben, was die Bereitstellung von Strom und Internet-Zugang angeht.

Warum macht man nicht auch hier bei uns eine Quick&Dirty-Lösung? In Deutschland setzen wir voraus, dass unsere Infrastruktur zuverlässig funktioniert. Dafür wird Deutschland bewundert und darauf können wir stolz sein. Andere Kulturen und Gesellschaften legen dafür auf andere Dinge wert.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Installationstechnik. Man denke sich, in Deutschland wird in einem beliebigen Wohngebiet plötzlich Masten gesetzt und Kabel von Haus zu Haus gezogen. Schon jetzt ist das Geschrei groß, wenn irgendwo ein neuer Mobilfunkmast aufgestellt wird. Mobilfunk bitte ja, aber nicht vor meiner Haustüre. Oder wenn in einer Wohnanlage Satellitenschüsseln auf dem Balkon installiert werden. Es gibt Eigentümergemeinschaften, die so etwas per Hausordnung verbieten.

In Deutschland werden Lösungen bevorzugt, die weniger auffällig und auch weniger anfällig sind.
Desweiteren sind weite Teile der Gesellschaft aus technischer Sicht rückständig. Wer will schon für einen schnellen Glasfaseranschluss bezahlen, wenn dafür auch noch ein neues Kabel ins Haus oder die Wohnung verlegt werden muss?

Die Ideallösung "Vollverglasung" ist in Deutschland schwer umzusetzen. In Deutschland wiegt den meisten Menschen die Ästhetik mehr, als ein schneller Internet-Zugang.

Übersicht: Glasfasertechnik

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