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Lowdropout-Netzgerät mit dem legendären "723",
mit Komplementär-Darlington-Leistungsstufe und
Impuls-Foldback-Strombegrenzung



  • Das Inhaltsverzeichnis meiner Elektronik-Minikurse

  • Die Philosophie meiner Elektronik-Minikurse
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Hilfe bei Leserfragen.
        (WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!)

  • Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg

  • Autor:   Thomas Schaerer         Buch 1 Buch 2



  • Einleitung

    Elektronik-Minikurse ohne etwas Elektronik mit dem legendären integrierten 723-Spannungsregler, wäre eine echte Lücke, obwohl dieses IC in professionellen Netzgeräten wohl nur noch wenig Anwendung finden dürfte. Ich drücke mich mit "dürfte" absichtlich vorsichtig aus, weil der Elektronik-Distributor Farnell in seinem 2005-Katalog mit LM723CN, LM723CH, LM723H (besonders teure Version), UA723CD, UA723CN und KA723 immerhin fünf verschiedene 723-Spannungsregler an Lager führt und der KA723 im Jahre 2002 sogar neu in das Sortiment aufgenommen wurde. Dafür, dass diese ICs ständig Lagerkosten verursachen, ist es etwas schwierig vorstellbar, dass Farnell diese 723-Produkte bloss als "Ladenhüter" in den Regalen hält und dies vielleicht sogar aus sentimental-historischen Gründen... :-)

    Die Elektronikzeitschrift EAM hält in der Spezialausgabe Nr. 12 mit der Bauanleitung "Dauer auf Power" (Labornetzteil K-7200) eine Bauanleitung für ein Netzteil mit einem Spannungsbereich von 0 bis 30 VDC und einem Strombereich von 0 bis 8A für den Bastler bereit. Als Spannungsregler-IC wird ein LM723 von National-Semiconductor eingesetzt. So ganz aus der Mode scheint dieses IC also doch noch nicht gekommen zu sein...

    Elektronikartikels mit dem "723" gab es in der Vergangenheit wie Sand am Meer. Wer davon profitieren möchte, wird bestimmt in alten ELEKTOR- und ELRAD-Zeitschriften und in andern Elektronik-Magazinen fündig, aber auch das Datenblatt von National-Semiconductor bietet zu den Daten zwölf Applicationnotes.

    Dieser Elektronik-Minikurs geht daher auch nicht auf die 723-Details ein, aber er geht zurück in eine Zeit als es erst begann mit käuflichen Schaltnetzteilen und diese waren erst noch sehr teuer. Ich musste damals - es war im Mai des Jahre 1979 - für TTL-Schaltungen Einschub-Netzteile realisieren. Bei einer Spannung von 5 VDC musste das Netzteil 3 A liefern. Die Verwendung des "723" mit zusätzlichen Leistungstransistoren war damals für so etwas sehr üblich. Die zwei Methoden der Strombegrenzung, mit oder ohne Foldbackcharakteristik, ist interessant. Der grosse Nachteil der Foldbackcharakteristik motivierte mich damals zu einer kleinen "Erfindung": die Impuls-Foldback-Strombegrenzung.

    Doch bevor es hier zu dieser Impuls-Foldback-Strombegrenzung kommt, alles schön der Reihe nach, wobei ich noch vorauschicken möchte, dass es hier viel mehr darum geht ein Prinzip zu vermitteln und weniger darum etwas nachzubauen, weil die Schaltung selbst kann man heute praktisch als überholt betrachten. Wer ein 5-VDC-Netzteil braucht, besorgt sich in der Regel ein Schaltnetzteil von der "Stange". Eine spezielle Anwendung kann es jedoch dann geben, wenn man für ein elektronisch sehr empfindliches Gerät kein Schaltnetzteil wegen den hochfrequenten Störungen einsetzen will. Interessant könnte die Impuls-Foldback-Strombegrenzung auch für andere Spannungen und Anwendungen sein. Es ist der Kreativität des Lesers überlassen, anstelle eines "723" ein anderes IC oder auch eine ganz andere Regelschaltung einzusetzen.



    Das Innenleben des LM723 und ein paar wichtige Informationen

    Wir blicken kurz hinein in den "723". Woraus besteht er? Er besteht aus der temperaturkompensierten Z-Diode TCZ im Gegenkopplungspfad des Verstärkers VRA und TCZ wird durch die Konstantstromquelle Iq gespiesen. Als der "723" erfunden wurde, kannte man die hochstabile Bandgapreferenzmethode mit niedrigen Spannungswerten noch lange nicht. Man stellte temperaturkompensierte Z-Dioden her, die auch als Einzelbauteile in Form temperaturkompensierten Referenzdioden erhältlich sind. In diesem Elektronik-Minikurs wird im TK-Diagramm in Bild 2 gezeigt, dass unterhalb einer gewissen Z-Spannung der Temperaturkoeffizient negativ ist wie bei Dioden. Oberhalb ist der TK positiv. Das TK-Diagramm zeigt eine Nullkompensation bei einer Z-Spannung von etwa 5.4 VDC. Es geht dabei um SGS-Thomson-Produkte. Bei andern Produkten liegt diese Z-Spannung auf einem etwas andern Wert, z.B. bei 6.2 VDC. Im Falle der 723-internen Z-Diode liegt die Z- bzw. Referenzspannung bei typisch 7.15 VDC. Der Wert für temperaturkompensierte Z-Dioden liegt immer etwa zwischen 5 und 7 VDC. Dies bedeutet, dass diese Referenzdioden sich nicht für kleine Betriebsspannungen eignen. Und so ist es auch beim "723". Er benötigt wegen dieser Z-Diode und der Stromquelle Iq eine Betriebsspannung von mindestens 9.5 VDC.

    Will man mit diesem Spannungsregler eine Ausgangsspannung von nur 5 VDC realisieren, ist es sinnvoll für das IC selbst eine separate Betriebsspannung zu verwenden, damit der Wirkungsgrad des gesamten Netzteiles nicht unnötig verschlechtert wird. Wir werden hier eine Spannungsverdopplung dafür verwenden, doch davon später.

    Der Transistor SPT ist ein Kleinstleistungstransistor. Benötigt man nur einen geringen Strom von z.B. maximal 50 mA bei einer Input-Output-Spannungsdifferenz von maximal 10 VDC, genügt der IC alleine, weil eine Verlustleistung von 500 mW leicht verkraftet wird. Um das IC thermisch zu entlasten empfiehlt sich allerdings meist ein externer Transistor, der separat gekühlt wird, hinzuzuschalten.

    Der Opamp EA (Error Amplifier) dient der Spannungsregelung und der Transistor CL der Strombegrenzung. Was den Zweck der zusätzlichen Z-Diode betrifft, konsultiere man das 723-Datenblatt.

    Auf der rechten Seite von Bild 1 wird ein Ausschnitt von EA in Verbindung mit SPT illustriert. Dies soll zeigen, dass mit den beiden IC-internen Transistoren Q14 und Q15 bereits ein Darlington gebildet wird, wenn V+ und Vc miteinender verbunden sind. Dies hätte jedoch die doppelte Basis-Emitter-Schwellenspannung zur Folge, was nicht immer wünschenswert ist.



    Erweiterung mit NPN-Leistungstransistor

    In Teilbild 2.2 wird auf die selbe Art ein weiterer NPN-Transistor T hinzugeschaltet. Damit hat man die dreifache Basis-Emitter-Schwellenspannung. Wenn die Ausgangsspannung der Regelschaltung Ua über der minimalen Betriebsspannung V+ von 9.5 VDC liegt, muss die effektive Spannung am Eingang V+ wegen dieser Beschaltung in Teilbild 2.2 noch zusätzlich mindestens 3 VDC mehr haben. Dies wäre dann die minimale Dropoutspannung (Ue-Ua) ohne den Spannungsabfall am Strom-Shuntwiderstand zur Strombegrenzung. Dieses Problem zeigt, dass die Betriebsspannung V+ und aber auch der Anschluss Vc separat gemeinsam gespiesen werden sollte.



    Erweiterung mit komplementärer NPN-Leistungs-Darlingtonschaltung

    In Teilbild 3.2 wird SPT (Q15) mit einer komplementären NPN-Leistungs-Darlingtonschaltung (1), (2) erweitert. Betreffs minimalem Spannungsabfall zwischen V+ und (Ua) macht dies zur Schaltung in Teilbild 2.2 keinen Unterschied. Vorteilhaft ist hier jedoch die wesentlich höhere Stromverstärkung der Darlingtonschaltung. Ein weiterer Unterschied, den wir gleich näher betrachten werden, ist die Trennung von V+ und Vc von Ue. V+ und Vc sind in Us (Steuerspannung) zusammengeschaltet. Ue ist die Eingangsspannung für den Hauptstrompfad über die Darlingtonstufe, der über die Strombegrenzungsschaltung zur Ausgangsspannung Ua führt. (Ua) deutet an, dass dies noch nicht der eigentliche Ausgang Ua ist. In Bild 6 sieht man die ganze Schaltung.



    Die Strombegrenzungsarten des "723"

    Dieses IC enthält eine mit einem Strom-Shuntwiderstand RSH abstimmbare Konstantstrom-Strombegrenzung (Teilbild 4.1). Allerdings bietet das IC auch die Möglichkeit der Foldbackstrombegrenzung (Teilbild 4.2). Diese hat den Vorteil, dass im Falle eines Kurzschlusses der Strom so weit zurückgeht, dass die thermische Belastung des Leistungstransistors stark in Grenzen bleibt und so der Kühlkörper relativ klein dimensioniert werden kann. Der Stromrücklauf kann mit R1 und R2 so dimensioniert werden, dass die Verlustleistung über der Transistor- oder Darlingtonstufe bei Kurzschluss kaum grösser ist als beim maximalen Ausgangstrom bei definierter konstanten Ausgangsspannung Ua. Damit wird auch gleich klar, dass die Foldbackmethode bei variabler Ausgangsspannung wenig Sinn macht.

    Diese Foldback-Methode hat allerdings einen groben Schönheitsfehler: Je stärker (spitzwinkliger) der Stromrücklauf ist, um so grösser ist der Spannungsabfall über RSH bei der der Knick der Strombegrenzung einsetzt, weil der IC-interne Transistor CL (Bild 1) mit seiner typischen Basis-Emitter-Schwellenspannung von 0.65V nur die mit R1 und R2 geteilte Spannung erhält. Für mehr Details und für die Berechnungsgrundlagen zu dieser Foldbackmethode, konsultiere man das 723-Datenblatt.



    Strombegrenzung mit Impuls-Foldback

    Das Prinzipschema in Teilbild 5.1 zeigt wie's geht. Der LM723 oder ein anderer "723" erhält im Normalfall die Steuerspannung Us. Der Komparator KO misst mittels R1 und R2 die Ausgangsspannung Ua. Hat diese den korrekten Wert, d.h. die Spannungsregelung arbeitet korrekt, ist der symbolische Schalter S auf Us geschaltet. Zieht die Last RL einen zu hohen Strom, setzt mit RSH die Strombegrenzung ohne Foldbackcharakteristik ein. Allerdings sinkt bei nur etwas zuviel Überlast, bei eingesetztem maximalen Konstantstrom, die Spannung Ua empfindlich. Unterschreitet Ua einen mit R1 und R2 definierten Wert, schaltet S auf den Ausgang des astabilen Multivibrators mit einem grossen Tastververhältnis.

    Dieses Tastverhältnis reduziert den mittleren Überlaststrom drastisch und damit ebenso die mittlere Verlustleistung über T und RSH. Solange bei jedem Stromimpuls in Richtung RL Ua kleiner bleibt als die kritische Spannung zur Umschaltung des Schalters S nach Us, bekommt die Spannungsregelung ständig weitere Impulse des astabilen Multivibrators. Wird der Ausgangslaststrom reduziert, bzw. RL erhöht, so dass Ua den geregelten Spannungswert erreicht, schaltet S um auf Us. Damit arbeitet die Spannungsregelung wieder korrekt. Wenn CL verhältnismässig gross ist, kann es sein, dass nicht gleich mit dem ersten Impuls nach Laststromreduktion die Regelung wieder stabil arbeitet. In diesem Fall muss CL stossweise aufgeladen werden.

    Das Diagramm in Teilbild 5.2 zeigt das Tastverhältnis und die Impulsdauer der die Stromdauer des Transistors T bewirkt. Es genügt nun nicht, dass wir wissen, dass der mittlere Strom, die mittlere Verlustleistung und somit die Erwärmung von T vom Tastverhältnis bestimmt und somit sehr klein wird. Oberhalb einer krtitischen Kollektor-Emitter-Spannung von T1, darf ein bestimmter Maximalstrom auch dann nicht dauernd fliessen, wenn T1 noch so intensiv gekühlt wird. Es gibt die sogenannte Safe-Operating-Area (SOA). Dieses Diagramm zeigt, wie lange der Stromimpuls bei welcher Kollektor-Emitter-Spannung maximal dauern darf. Man konsultiere um dies herauszufinden, das Datenblatt des verwendeten Leistungstransistors und man studiere das Diagramm "Active-Region-Safe-Operating-Area". Für die Schaltung in Bild 6 betrifft dies hauptsächlich den Transistor MJ2955 und BD239. Es ist, im Falle eines Nachbaues, natürlich keineswegs verboten andere Transistortypen auszusuchen. Anstelle des MJ2955 z.B. einen mit geringerem thermischen Widerstand zwischen Chip und Gehäuse, bei gleichbleibenden oder besseren sonstigen Daten.

    Das Diagramm in Teilbild 5.3 illustriert den Stromanstieg bei der konstanten Ausgangsspannung von +5 VDC. Im Moment des Einsatzes der Strombegrenzung, definiert durch RSH, sinkt Ua. Bei etwa 4.7 VDC wird die kritische Unterspannung erreicht, wo S auf den astabilen Multivibrator umschaltet und anstelle des maximalen Überlaststromes von etwas mehr als 3 A, im Mittel nur noch etwa 160 mA fliessen. Durch diese starke Reduktion kann T1 selbst dann abkühlen, wenn +Ua nach GND kurzgeschlossen ist.



    Das vollständige Netzgerät für 5V/3A

    Die Funktion des Netzteils, mit Trafo, Gleichrichter und Spannungsverdoppler, ist in Renovation eines "Steinzeit"-Netzgerätes 0.1-10VDC/3A bereits hinreichend beschrieben. Um zu verstehen wie die Spannungsregelung mit dem "723" arbeitet, konsultiere man dessen Datenblatt und wie die komplementäre Darlingtonschaltung arbeitet, erfährt man in (1). Zu erklären wäre eigentlich nur noch die Funktion des Impulsfoldbacks.

    Wie sehen im umrahmten Teil den Impulsgenerator, ein mit Transistoren diskret realisierter astabiler Multivibrator. Wie diese Schaltung funktioniert und wie man sie berechnet, liest man in Halbleiter-Schaltungstechnik von U.Tietze und Ch. Schenk im Kapitel "Astabile Kippschaltung" unter "Kippschaltungen mit gesättigten Transistoren".

    Uns interessiert hier nur das Spezielle an diesem Impulsgenerator. Es gibt die Erweiterung mit T5. Wenn T4 während der kurzen Impulsdauer leitet, steuert dieser die Basis von T5 und T5 schaltet ebenso kurz ein. Während dieser kurzen Zeit erhält der "723" Betriebsspannung und am Ausgang Ua folgt ein Spannungsimpuls von eben dieser kurzen Dauer und dem bereits beschriebenen langen Unterbruch. Als "Spannungskomparator" - siehe Teilbild 5.1 - dient hier bloss eine Z-Diode Z1. Solange die geregelte Spannung von +5 VDC anliegt, fliesst durch die Z-Diode ein Strom über D5 in die Basis von T4. T4 und T5 bleiben so konstant eingeschalten. Sinkt die Ausgangsspannung, weil wegen Überlaststrom die Strombegrenzung, gegeben durch R6, anspricht, so weit, dass die Zenerspannung von Z1, die Schwellenspannung von D5 und die Basis-Emitter-Schwellenspannung von T4 keinen Strom mehr zulässt, arbeiten T4 und T5 wieder als Teil des astabilen Multivibrators.

    Diese Spannungsvergleichsmethode erfüllt mit ihrer geringen Präzision hier ihren Zweck. Wenn man es besser machen will, kann man eine Komparatorschaltung realisieren wie sie in Teilbild 5.1 symbolisch skizziert ist. Es gäbe auch noch eine alternative Methode, die von der Ausgangsspannung unabhängig ist: Ein Komparator stellt fest, ob die Spannungen zwischen dem invertierenden und nichtinvertierenden Eingang von EA (Bild 1) gleich (spannungsgeregelter Zustand) oder ungleich ist. Wenn ungleich, muss der Impulsfoldback aktiv sein. Dies zu realisieren dürfte aber nicht ganz einfach sein. Wenn jemand Lust hat, möge er sich damit verweilen und mir gelegentlich von seinen Erfolgserlebnissen berichten...



    Thomas Schaerer, 28.02.2003 ; 15.03.2003(dasELKO) ; 14.12.2003 ; 17.03.2006

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