Der analoge Schalter I (der JFET)
- Das Inhaltsverzeichnis meiner Elektronik-Minikurse
- Die Philosophie meiner
Elektronik-Minikurse
(WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!) - Hilfe bei Leserfragen.
(WICHTIG: Unbedingt zur Kenntnis nehmen!) - Simulieren und Experimentieren, ein Vorwort von Jochen Zilg
- Autor: Thomas Schaerer Buch 1 Buch 2
Einleitung
In einem Newsletter im Jahre 2002, in der Zeit als das
Elektronik-Kompendium noch E-ONLINE hiess, erklärte ich, dass das Jahr
2003 im Zeichen des Switched-Capacitor-Filter (SC-Filter) stehen soll.
Mit diesem Elektronik-Minikurs begann ich mein Versprechen schrittweise
einzulösen. Beim SC-Filter werden analoge Signale schnell geschaltet,
wobei ein Schalter, ein Kondensator und eine Taktfrequenz ein Widerstand
simuliert, der mit einem weiteren Kondensator eine einfache Filterstufe
bildet. Dazu braucht es in den integrierten SC-Filter-ICs analoge
elektronische Schalter auf der Grundlage von MOSFETs. Also wollen wir
auch verstehen wie diese Metall-Oxyd-Feldeffekt-Transistoren, die
MOSFETs, als Schalter arbeiten. Es gibt aber auch noch einen anderen Typ
von Feldeffekt-Transistoren, bei dem es sich lohnt ihn näher kennen zu
lernen, weil es für ihn als Schalterelement für analoge Signale
interessante Anwendungen gibt. Es ist der sogenannte Sperrschicht- oder
Junction-Feld-Effekt-Transistors (JFET). Mit diesem Bauteil wollen wir
uns hier näher befassen. Man lernt dabei auch auf welche Details es beim
Schalten anologer Signale ankommt. Ich empfehle dazu zuerst den
Grundlagenkurs
Unipolarer Transistor - Feldeffekt-Transistor von Patrick Schnabel
zu lesen.
In diesem Elektronik-Minikurs soll der Leser etwas mehr über den JFET
verstehen lernen und dazu kommt etwas ziemlich Unbekanntes, nämlich die
Steuerung des Gate mit einem Strom für Schaltzwecke, um den
Drain-Source-Widerstand, im eingeschalteten Zustand des JFET, zusätzlich
zu verringern. Dies eignet sich besonders für Schalteranwendungen.
Bevor wir mit diesem Elektronik-Minikurs beginnen, ist es unbedingt
nötig das Datenblatt des BF245 vor sich zu haben, weil das folgende
Kapitel befasst sich mit den Diagrammen dieses JFET. Damit die Diagramme
garantiert mit den hier genannten Figure-Nummern übereinstimmen, sollte
man sich wenn möglich das Datenblatt "BF245A; BF245B; BF245C
N-channel silicon field-effect transistors" von PHILIPS, Ausgabe vom
30. Juli 1996, besorgen.
Das Datenblatt des N-Kanal-JFET BF245
Wir haben das Datenblatt des BF245 vor uns und wir lernen jetzt diesen
N-Kanal-JFET näher kennen. Dieser JFET ist sehr bekannt, preiswert und
es gibt ihn in drei Varianten, den BF245A, BF245B und BF245C. Diese drei
unterscheiden sich in den maximalen Drain-Strömen, wenn das Gate
Source-Potenzial hat. Der BF245 arbeitet nach dem Verarmungsprinzip,
d.h. er ist selbstleitend, wenn das Gate Source-Potenzial hat und sperrt
wenn das Gate gegenüber der Source genügend negativ vorgespannt ist. Mit
einer konstanten negativen Vorspannung mit einem Widerstand zwischen
Source und GND kann man eine einfache Konstantstromquelle erzeugen.
Patrick Schnabel zeigt dies mit einer praktischen Schaltung, die dem
Testen von Dioden dient, in seinem Grundlagenkurs über
Junction-Feldeffekt-Transistoren (JFET) im Kapitel FET als
Diodentester.
Es gibt auch Anreicherungs-N-Kanal-FETs. Diese sperren, wenn das Gate
Source-Potenzial hat und leiten wenn die Gate-Source-Spannung positiv
ist. Dies gibt es nur unter MOSFETs und nicht unter JFETs. Dafür haben
JFETs einen riesigen Vorteil gegenüber MOSFETs: Man kann Drain und
Source symmetrisch vertauschen! Symmetrisch heisst, dass sich die
Parameter gleich bleiben. Diese Tatsache macht dieses Bauteil für das
Schalten von AC-Spannungen sehr interessant und einfach. In integrierten
analogen Schalter-ICs kommen allerdings MOSFETs zur Anwendung. Wir
befassen uns hier jedoch nur mit JFETs für analoge Schalter-Anwendungen,
also diskrete und nicht integrierte Lösungsansätze. Auch noch heute im
hochintegrierten Zeitalter sind (quasi-)diskrete Lösungen manchmal
optimal.

Wir betrachten oben Bild 1 und vergleichen die Diagramme von Figure 3, 5
und 7 des Datenblattes. Es geht dabei um die sogenannten
Transfercharakteristiken mit den typischen Werten. Figure 3 zeigt den
BF245A. Der maximale Drain-Strom liegt bei 4 mA
(UGS = O VDC) und die Gate-Source-Spannung, bei der
der Drain-Strom Null wird, liegt bei etwa -2 VDC. Figure 5 zeigt die
Werte für den BF245B mit 10 mA und knapp -4 VDC. Figure 7
zeigt für den BF245C mit 17 mA und -7 VDC. Fazit: Je mehr Strom der
Drain-Source-Kanal eines JFETs im leitenden Zustand zulässt
(Sättigungsbereich), um so grösser muss die negative
Gate-Source-Spannung sein, um den Drain-Source-Kanal für den Stromfluss
vollständig abzuschnüren, - zu sperren.
Wir betrachten hier ebenfalls Bild 1 und vergleichen die Diagramme von
Figure 4, 6 und 8 des Datenblattes. Dies gibt Antwort auf die Frage
Lesers, warum in Teilbild 1.1 kein Drainwiderstand zur Begrenzung des
Stromes eingefügt ist. Ganz einfach, es gibt für jede negative
Gate-Source-Spannung, und ebenso wenn diese 0 VDC beträgt, einen
Sättigungsstrom. Beim BF245A beträgt dieser 4 mA, vorausgesetzt die
Drain-Source-Spannung ist gösser als etwa 6 VDC (Figure 4). Beim BF245B
sind es 10 mA oberhalb etwa 9 VDC (Figure 6) und beim BF245C sind es
etwa 17 mA oberhalb etwa 6 VDC (Figure 8). Man sieht aus diesem
Diagramm, dass sich der BF245C schlecht als Konstantstromquelle eignet,
weil der Strom als Funktion der Änderung der Drain-Source-Spannung eine
eher schlechte Konstanz aufweist. Wesentlich besser verhalten sich dazu
BF245A (Figure 4) und BF245B (Figure 6). Bild 1 fasst die Diagramme 3,
5, 7 und 4, 6, 8 des BF245-Datenblattes kurz und übersichtlich zusammen.
Im Datenblatt des BF245 gibt es noch viele weitere Diagramme die für
unsere Anwendungen hier allerdings weniger wichtig sind. Trotzdem
empfiehlt es sich diese Diagramme zusätzlich etwas zu studieren. Ein
Diagramm ist jedoch für Schalteranwendungen sehr wichtig. Es ist Figure
20 mit dem Titel "Drain-source on-state resistance as a function of
gate-source voltage; typical value". Da wird der
Drain-Source-Widerstand RDSon in Funktion der
Gate-Source-Spannung UGS für die drei
BF245-Varianten dargestellt. Für die Schalteranwendung interessieren uns
nur zwei Zustände, nämlich den Drain-Source-Widerstand wenn der JFET
leitet und den wenn er sperrt. Betrachten wir die drei Kennlinien wie
sie im maximal leitenden Zustand, wenn das Gate Source-Potenzial hat,
zusammenlaufen. BF245A, mit geringstem Sättigungsstrom (Figure 4), hat
den grössten Widerstandswert von etwa 200 Ohm. Umgekehrt beim BF245C,
mit dem grössten Sättigungsstrom (Figure 8), beträgt der Widerstandswert
nur etwa 100 bis 150 Ohm. Diesem Vorteil steht der Nachteil einer viel
höheren Gate-Source-Sperrspannung (Figure 7 contra Figure 3) gegenüber.
Die Kennlinie des BF245A zeigt, dass der Drain-Source-Widerstand bei
einer Gate-Source-Spannung von -2 VDC (Figure 3) praktisch einem
Isolator entspricht. Zum Schalten (und Steuern) analoger Spannungen
(z.B. Audio) mit geringen Strömen, wesentlich unter dem kritischen
Sättigungswert von 4 mA, eignet sich der BF245A am besten, weil der
Unterschied zwischen der negativsten Signalspannung an Source und der
noch negativeren Gate-Spannung am gerinsten ist. Dies hat den Vorteil
einer optimalen Aussteuerung des Audiosignales zur Folge. Wir sehen dies
weiter unten noch im Detail.
Der JFET (BF245A) als Schalter

Teilbild 2.2 ähnelt der Emitterschaltung bei der Verwendung eines
bipolaren NPN-Transistors, wie Teilbild 2.1 zeigt. Wenn
DC-Spannungen geschaltet werden müssen, kann man gerade so gut einen
bipolaren Transistor verwenden. Die Ansteuerung unterscheidet sich
allerdings von der des JFET. Teilbild 2.1 zeigt es. Man benötigt zum
Einschalten des Transistors einen Basisstrom, der durch die positive
Schaltspannung, der Basis-Emitter-Schwellenspannung des NPN-Transistors
und R2 definiert ist. Im ausgeschalteten Zustand, verbindet man die
Basis über R2 mit GND, oder die Basis bleibt offen, was allerdings etwas
"unsauber" ist.
Die Ansteuerung des N-Kanal-JFETs (Teilbild 2.2) ist ganz anders. Als
selbstleitender FET ist er dann eingeschaltet, wenn das Gate
Source-Potential hat. Ist das Gate negativ mit -2 VDC vorgespannt
(BF245A), ist der JFET als Schalter offen. Man benötigt eine negative
Schaltpannung. Die Drain-Spannung (Ua) hat eine Spannung von +Ub, wenn
der JFET offen ist. Das sind im vorliegenden Beispiel + 5 VDC.
Im eingeschalteten Zustand des JFET beträgt Ua noch 0.1 VDC. Der
Drain-Source-Widerstand und R1 bilden einen Spannungsteiler.
Nun gibt es allerdings einen einfachen Trick RDSon
erheblich zu reduzieren. Das Gate des N-Kanal-JFET wirkt in Richtung
Source wie eine Diode die normalerweise mit einer negativen Spannung in
Sperrichtung betrieben wird. Je grösser diese Sperrspannung ist, desto
stärker schnürt das innere Feld den Drain-Source-Kanal ab und RDSon erhöht sich. Das Umgekehrte ist aber in begrenztem
Masse ebenso möglich: Man lässt über die Gate-Source-Strecke einen
geringen positiven Strom fliessen. Dadurch reduziert sich die
Sperrschicht und der Drain-Source-Kanal verbreitert sich zusätzlich,
wodurch RDSon ebenso zusätzlich geringer wird. Eine
Reduktion von 200 Ohm (Gate hat Source-Potenzial) auf etwa 50 Ohm ist
leicht mit einem Gatestrom von etwa 0.1 mA möglich. Allerdings muss man
eine geringe DC-Offsetspannung von wenigen mV in Kauf nehmen, was für
reine AC-Anwendungen jedoch irrelevant ist. Wir machen dazu ein kleines
Experiment und betrachten dazu Bild 3:

Wie wir bereits wissen, im Gegensatz zu MOSFETs dürfen bei JFETs Drain
und Source vertauscht werden. Genau diese Eigenschaft macht es sehr
einfach diese JFETs zum Schalten von analogen AC-Spannungen einzusetzen.
Wir betrachten jetzt das Ersatzschaltbild in Teilbild 3.1, das uns die
Situation zeigt, wenn ein Gate-Strom IGS
fliesst. D1 und D2 ersetzen die zwei Halbleiterübergänge des JFET
zwischen Gate-Source und Gate/Drain. Da beide Halbleiterübergänge auf
dem selben Chip des JFET sind, sind die Schwellwertspannungen beider
Übergänge identisch. Dies ist jedoch dann nicht der Fall wenn über nur
einem Halbleiterübergang ein Strom fliesst. Hier im Ersatzschema durch
D1. D1 hat einen geringfügig höheren Spannungsabfall als D2, über
die kein Strom fliesst. Teilbild 3.2 zeigt die selbe Situation mit dem
JFET. dU ist die Differenz von
UD1-UD2.
Bei geringen Gate-Strömen von etwa 10 µA bis 1 mA liegt die
resultierende Differenzspannung dU zwischen etwa 0.3 mV und 3 mV. Die
Auswirkung auf RDSon ist allerdings drastisch, wie
die kleine Tabelle in Teilbild 3.3 illustriert. Die Messung geht von
einem RDSon von 230 Ohm aus, wenn das Gate
Source-Potenzial hat. Dieser Wert unterliegt der Exemplarstreuung. Er
kann leicht den doppelten Wert haben und dann sind die Widerstandswerte
unter dem Einfluss eines Gate-Stromes ebenso höher.
In Teilbild 3.4 sehen wir die typische einfache Art mit einem JFET
analoge Spannungen zu schalten und wir überlegen uns was hier die
Spannung dU bedeutet. Sie erzeugt eine Offsetspannung. Wir gehen von der
Tabelle in Teilbild 3.2 mit R = 100 k-Ohm aus.
RDSon beträgt 38 Ohm und die Offsetspannung ist 1
mV. Verwendet man "normale" Opamps, fällt diese DC-Offsetspannung kaum
ins Gewicht, weil die der Opamps oft grösser sind. Im Beispiel von
Teilbild 3.4 hat der erste als Impedanzwandler mit Verstärkung 1
arbeitende Opamp eine Offsetspannung von z.B. +5 mV. Dazu addiert sich
die des JFET auf +6 mV. Die folgende Opampschaltung hat zufällig eine
DC-Offsetspannung von -8 mV, was am Ausgang zu einer resultierenden
DC-Offsetspannung von -2 mV führt. Man sieht an diesem Beispiel, dass
eine Schaltung umfassend betrachtet werden muss. Anders sieht es
natürlich aus, wenn man Low-Offset-Voltage-Opamps einsetzt. Da ist der
Trick mit der Gate-Stromsteuerung eher nicht zulässig.
Dieser Gatestromtrick habe ich bisher in keinem Lehrbruch gefunden.
Bisher ist mir aus Lehrbüchern nur die Steuerung und Schaltung mit
negativer Spannung bei N-Kanal-JFETs bekannt. Also die allseits bekannte
reine Spannungssteuerung, wie es eben für alle Arten von
Feld-Effekt-Transistoren üblich ist. Auf die Exotik der zusätzlichen
Steuerung mittels Gate-Strom kam ich ursprünglich aus Neugier, um
herauszufinden ob dies möglich ist. Ich stellte fest, dass mit nur
geringem Gate-Strom eine massive Reduktion des Drain-Source-Widerstandes
möglich ist. Für reine Schalteranwendungen ist dies eine willkommene
Erweiterung. Ich habe diesen Trick schon oft erfolgreich angewendet.
Sollte ein Leser vom selben Trick schon gehört, gelesen oder selbst
Erfahrungen gemacht haben, so wäre ich sehr daran interessiert,
wenn er oder sie mir (E-Mail auf der Indexseite)
darüber kurz berichten würde. Ich danke schon mal im Voraus.
Die Messung des Drain-Source-Widerstandes
Zu diesem Thema schrieb mir ein engagierter ELKO-Leser folgendes:
Mir ist unklar, ob die JFETs bei Ihnen wirklich +0.6 V Gate-Spannung
brauchen, um genügend niederohmig zu werden. Können die FETs Ihrer
Schaltung auch mit ca. +0.3 V statt +0.6 V durchgesteuert werden?
Diese Frage ist sehr gut und ich habe sie etwas genauer untersucht. Wenn
man es sich kurz überlegt, ist die Steuerung des Gate eines N-Kanal-JFET
in den positiven Spannungsbereich nur bis zu dem Punkt eine
Spannungssteuerung, wo die Gate-Source-Schwellenspannung gerade noch
nicht überschritten wird, und diese Spannung beträgt soviel wie die
Durchfluss-Spannung einer Silizium-Diode, z.B. einer 1N914, von etwa
0.6 VDC. Oberhalb dieser Schwellenspannung fliesst ein
Gate-Strom und die Gate-Source-Spannung geht über in die typische
Dioden-Charakteristik. Daher ist es oberhalb der Schwellenspannung eine
Stromsteuerung. Bild 3 mit zugehörigem Text illustriert dies etwas.
Das Diagramm in Bild 5 beantwortet diese Frage, doch zunächst wollen wir
uns damit befassen, wie man sinnvoll und mit einfachen Mitteln den
Drain-Source-Widerstand eines JFET misst und dazu betrachten wir Bild 4:

Man kann den Drain-Source-Widerstand eines JFET nicht einfach mit einem
Ohmmeter messen, weil dieses selbst einen DC-Strom liefert und damit
einen Spannungsabfall über der Drain-Source-Strecke erzeugt. Man muss
daher genau auf die Polarität achten. Aber selbst wenn diese stimmt,
misst man Unterschiedliches, ganz davon abhängig, ob man mit dem
Ohmmeter im niedrigeren (da fliesst mehr Strom) oder im höheren
Ohmbereich misst. Da wir es mit dem Schalten von AC-Spannungen zu tun
haben, eignet sich zur Widerstandsbestimmung ebenso besser die
AC-Spannung und ein AC-Strom im realistischen Anwendungsbereich.
Das bedeutet konkret, dass der Drain-Strom bei einem BF245A stets
eindeutig unter 4 mA (siehe Bild 1) liegen sollte.
Die Schaltung in Bild 4 zeigt, wie man die Messung vornehmen kann:
Man benutzt einen Sinusgenerator SG mit einer AC-Spannung von 7 VAC
(10 Vpeak). Diese Spannung kann auch niedriger sein,
sollte aber nicht zu niedrig gewählt werden, weil man zwischen Drain
und Source, im leitenden Zustand des N-Kanal-JFET BF245A, nur noch
geringe Spannungen messen kann. Der Drainwiderstand
RD sorgt für die Strombegrenzung. Es sind
0.7 mAeff oder 1 mA peak. Ein
Widerstand von 10 k-Ohm ist gerade noch gross genug, damit Ua im Falle
des eingeschalteten JFET noch reichlich gedämpft wird. Besser wäre in
der Praxis ein Wert von 100 k-Ohm. Die vollständige Lösung dieses
Problems illustrieren die drei Bilder 7 bis 9 mit zugehörigem Text.
Ua wird mit einem elektronischen Multimeter Um2 gemessen. Dadurch ist
sichergestellt, dass der Eingangswiderstand hoch genug ist. Als
DC-Spannungsquelle dient z.B. eine einstellbare zwischen 0 bis 3 VDC.
Der Widerstand zur Begrenzung des Gate-Stromes ist ein Netzwerk aus
RG, P1 und P2. P1 dient der Einstellung des höheren
und P2 des niedrigeren Bereiches des Gate-Stromes. Wenn man für P2 ein
logarithmisches Potmeter einsetzen kann, kann auf P1 verzichtet werden,
weil mit P2 auch der obere Strombereich fein genug eingestellt werden
kann. Es wird der Strombereich von 2.4 µA bis 1.4 mA bei
UDC = 3 VDC abgedeckt. Zur Strommessung dient ein
zweites Multimeter Im1 am Ausgang der DC-Spannungsquelle. Mit einem
dritten Multimeter Um1 misst man die Gate-Source-Spannung
UGS. Dieses sollte unbedingt einen
Eingangswiderstand von 10 M-Ohm oder mehr haben.
Die Messung beginnt damit, dass P1 auf Maximal- und P2 auf
Minimalwert eingestellt sind. Nun fährt man mit der DC-Spannungsquelle
langsam hoch und man notiert sich bei beliebigen Um1-Werten Ua, welche
mit Um2 gemessen wird. Bei diesem Vorgang sollte Im1 auf einen
empfindlichen Wert eingestellt sein, so dass man leicht erkennt, bei
welcher DC-Spannung ein Gatestrom zu fliessen beginnt. Dieser Punkt
liegt bei etwa 0.6 VDC. Nun stellt man auch P2 auf den Maximalwert und
die DC-Spannungsquelle auf 3 VDC. Mit P2 kann man jetzt den Gate-Strom
im µA-Bereich leicht einstellen und dazu Um1 und Um2 beobachten und
notieren. Ist mit P2 der Minimalwert erreicht, setzt man die selbe
Messung fort, bis man mit P1 den minimalen Wert erreicht hat. Wie der
Drain-Source-Widerstand aus Um2 und UAC berechnet
wird, zeigt die Formel im Kasten von Bild 4. Da Um2 sehr viel kleiner
ist als UAC, genügt die vereinfachte Formel. Damit
kommen wir zur Auswertung in Bild 5:

Die Kurve mit den runden Messwerten ist die Kennlinie I/R welche den
Gate-Strom mit dem Drain-Source-Widerstand verbindet. Die Kurve
mit den eckigen Messwerten ist die Kennlinie U/R welche die
Gate-Source-Spannung mit dem Drain-Source-Widerstand verbindet. Da ich
nur wenige Messwerte aufgenommen habe, sind die Diagramme, da linear
interpoliert, etwas eckig, was jedoch keine Rolle spielt um einen
interessanten Effekt zu zeigen:
Man beachte den eingekreisten eckigen Messpunkt. Dieser liegt an der
Schwellenspannung von 0.6 VDC wo die die Gate-Source-Strecke des JFET zu
leiten beginnt. Man beobachte die feinpunktierte Linie I1. Der runde
Messpunkt liegt auf 3 µA. Oberhalb dieses Messpunktes gilt die Messung
mit dem Gate-Strom und daraus folgt die Gate-Source-Spannung und der
Drain-Source-Widerstand. Unterhalb dieses Messpunktes gilt die Messung
mit der Gate-Source-Spannung und daraus folgt der
Drain-Source-Widerstand. Es fliesst kein Gate-Strom. Die U/R-Kennlinie
zeigt, wie wenig der Drain-Source-Widerstand von der
Gate-Source-Spannung abhängig ist, solange kein Gate-Strom fliesst. Es
spielt daher praktisch keine Rolle ob der JFET als Schalter bei einer
Gate-Source-Spannung von 0 VDC oder 0.5 VDC betrieben wird. Es macht
aber bereits einen grossen Unterschied ob kein Gatestrom fliesst oder es
fliessen 30 µA und dabei ändert sich die Gate-Source-Spannung - wegen
der typischen Dioden-Charakterstik - nur noch geringfügig. Noch
drastischer zeigt es sich wenn man den Gate-Strom auf 0.3 mA erhöht. Da
reduziert sich der Drain-Source-Widerstand um einen Faktor 10 im
Vergleich dazu wenn das Gate Source-Potential hat. Im Vergleich dazu
reduziert sich der selbe Widerstand nur um einen Faktor 1.6 wenn man
die Gate-Source-Spannung von 0 VDC auf 0.6 VDC erhöht.
Facit: Wenn die in Bild 3 und Text beschriebene DC-Offsetspannung
irrelevant ist, lohnt es sich den JFET im eingeschalteten Zustand mit
einem geringen Gate-Strom zu betreiben. Teilbild 13.2b illustriert ein
solches Beispiel und ein weiteres findet man im Elektronik-Minikurs
Steuerbares steiles Tiefpassfilter im Kapitel
"Analoges Tiefpassfilter mit OTA" mit Bild 5.
Der diskrete Analogschalter mit JFET
Dieses Kapitel zeigt wie man mit JFETs analoge Spannungen geringer Ströme, wie sie z.B in Opampschaltungen vorkommen, schaltet. Bild 6 zeigt zwei Arten der Steuerung:

Die Schaltung in Teilbild 6.2 verzichtet auf die Diode und benötigt dafür einen Widerstand zwischen Gate und Us. Für die Sperrung des JFET mit einer negativen Spannung an Us würde es diesen Widerstand nicht benötigen, weil die Gate-Source-Strecke sperrt. Wird der JFET mit einem positiven Gate-Strom eingeschaltet, so muss dieser Strom begrenzt werden. Widerstand R kann man allerdings in einem sehr grossen Bereich wählen. Soll der Effekt der zusätzlichen Reduktion von RDSon durch einen schwachen Gate-Strom gering sein, kann R entsprechend gross gewählt werden. Bei mehr als 1 M-Ohm muss man allerdings bedenken, dass die Verbindung zwischen R und Gate des JFET möglichst kurz sein soll um den Einfluss von Störspannungen zu vermeiden. Um ganz sicher zu sein, kann man als Option zwischen Gate und GND einen Kondensator C von einigen nF schalten.
Wir kommen jetzt zu den Bildern 7, 8 und 9 mit dem sukzessiven Aufbau eines guten und wirkungsvollen analogen Schalter mit zwei JFETs des Typs BF245A.

Opamp IC:A arbeitet als Verstärker und Opamp IC:B als Impedanzwandler
mit Verstärkung 1, ein typischer Buffer. Dies ist aber nur ein
Beispiel, IC:B kann ebenso auch eine Verstärkerschaltung sein. Zwischen
diesen Schaltungsteilen liegt der elektronische Schalter, bestehend aus
dem uns jetzt bekannten JFET BF245A, und wir schauen uns genauer an, wie
dieser die analoge AC-Spannung schaltet.
Teilbild 7.2 illustriert die maximale AC-Spannung in Sinusform, welche die
Drain-Source-Schaltstrecke von T passieren darf. Sie beträgt hier ±10 V
bei einer Betriebsspannung von ±12 VDC. Dadurch ist im ausgeschalteten
Zustand (Us = -12 VDC) gewährleistet, dass bei einem Signalspannungswert
von -10 V noch eine Gate-Source-Spannung von -2 VDC an T liegt, die
dafür sorgt, dass T als Schalter sicher offen ist. Im eingeschalteten
Zustand (Us = +12 VDC) fliesst über R1 ein geringer Strom ins Gate von
T1. Dies veringert, wie bereits erwähnt, RDSon
zusätzlich. Allerdings ändert sich dieser Wert mit der Amplitude
der Signalspannung U1, weil, wenn diese den negativen Maximalwert hat,
ist der Strom ins Gate grösser, als im positiven Maximalwert. Ob
RDSon einen Wert von 50 Ohm oder 200 Ohm hat, ist
jedoch irrelevant wenn R2 im Verhältnis dazu sehr gross ist. Ist der
Unterschied jedoch gering, wirkt der von U1 amplitudenabhängige
Drain-Source-Widerstand mit R2 als Spannungsteiler in U2
amplitudenverzerrend. Ein ähnliches Problem besteht aber genauso bei den
integrierten CMOS-Analogschaltern, was in dessen Datenblättern auch gut
dokumentiert ist. Man tut also gut daran R2 gross zu wählen, was aber
nicht ganz unproblematisch ist, wie man noch lesen wird.
Es ist noch zu beachten, dass R1 zur Begrenzung des Gate-Stromes, wenn
Us auf +12 VDC geschaltet ist, nicht zu niedrig ist, weil, wie in
Zusammenhang mit Bild 3 beschrieben, sonst in Richtung IC:B mit einer zu
hohen DC-Offsetspannung zu rechnen ist. Wozu braucht es R2 vor dem
nichtinvertierenden Eingang des Opamps IC:B? Wenn T eingeschaltet ist,
benötigt es R2 nicht. Was aber geschieht mit Opamp IC:B wenn T
ausgeschaltet ist, wenn R2 fehlt? Ganz einfach, der nichtinvertierende
Eingang ist offen und es fehlt die GND-Referenz. Die Ausgangsspannung
des Opamp IC:B driftet davon.
Der noch unerfahrene Anwender könnte nun zur Auffassung gelangen, dass
R2 fast beliebig hoch sein kann, wenn man z.B. einen BiFET-Opamp (TL071,
LF356) verwendet, weil der nichtinvertierende Eingang praktisch beliebig
hochohmig und der Biasstrom extrem niedrig ist, als dass er bei hohem R2
eine signifikante DC-Offsetspannung an Ua bewirken könnte. Diese
statische Überlegung ist richtig. Aber vergessen wir nicht, wir haben es
auch mit dem Schalten einer AC-Spannung zu tun. Wenn T ausgeschaltet
ist, haben wir zwischen Drain und Source von T und zwischen den
Zuleitungen dorthin eine parasitäre Kapazität die leicht etliche pF
betragen kann. Diese unerwünschte Kapazität bildet mit R2 ein passives
Hochpassfilter erster Ordnung, das hohe Frequenzanteile auch dann
überträgt, wenn T ausgeschaltet ist. Bei einer parasitären Kapazität von
nur 10 pF und R2 von 100 k-Ohm beträgt die Grenzfrequenz 160 kHz. Das
bedeutet, dass die Amplitude bei einer Frequenz von 160 kHz nur gerade
um 3 dB gedämpft wird, wenn T ausgeschaltet ist. Dieses unerwünschte
passive Hochpassfilter hat eine Dämpfungskurve von 20 dB/Dekade bzw. 6
dB/Oktave. Dies bedeutet, dass bei 8 kHz U1 um gerade 26 dB, also um
einen Faktor 20 gedämpft wird. Wenn es dabei um ein Audiosignal geht,
nennt sich dies nicht gerade ausgeschaltet, weil die hohen
Frequenzanteile noch gut hörbar wären. Reduzieren wir R2 auf 10 k-Ohm
verbessert sich die Dämpfung an Ua um weitere 20 dB, aber dafür steigt
aus genanntem Grund geringfügig der Klirrfator an U2, bzw. an Ua. Also
ist diese Schaltung noch nicht der Weisheit letzter Schluss und so
kommen wir zum nächsten Schritt mit Bild 8:

Bild 8 illustriert eine zu Bild 7 invertierte Methode des Schaltens analoger Signale. Invertiert, weil eine Steuerspannung von -12 VDC die analoge Spannung in Richtung Ua einschaltet. Wenn Us = -12 VDC, ist T offen, R2 ist unbelastet und U2 = U1. Wenn R2 relativ niederohmig ist, wird unzureichend ausgeschaltet, wenn T leitet (Us = +12 VDC). Macht man R2 sehr hochohmig, bildet dieser bei offenem T mit dessen parasitärer Kapazität ein passives Tiefpassfilter erster Ordnung, das die Frequenzbandbreite der AC-Spannung reduziert. Also ist diese Schaltung noch immer nicht der Weisheit letzter Schluss und so kommen wir zur Lösung mit Bild 9:

Bild 9 vereinigt die beiden Methoden von Bild 7 und Bild 8. Mit Us = +12
VDC ist T1 ein- und T2 ausgeschaltet und mit Us = -12 VDC umgekehrt. Das
ist eine sehr gute Methode, weil wenn das analoge Signal eingeschaltet
ist, wird T1 durch nichts Nennenswertes belastet. Durch T1 fliesst kein
Drain-Strom. RDSon von T1 hat somit keinen
dämpfenden Einfluss auf U2. Es gibt keine nichtlinearen Verzerrungen,
weil in keinem Augenblick der Spannung von U1 zwischen Drain und Source
eine Spannung abfällt. U1 ist identisch mit U2. T1 ist derart
niederohmig, dass er mit der parasitären Kapazität des offenen T2 zwar
ein passives Tiefpassfilter erster Ordnung bildet, jedoch ist die
Grenzfrequenz mit etwa 100 MHz sehr hoch und daher für nieder- bis
mittelfrequente Anwendungen irrelevant.
Wenn mit Us = -12 VDC T1 aus- und T2 eingeschaltet ist, ist der
nichtinvertierende Eingang des Opamp IC:B mit GND niederohmig durch den
leitenden T2 referenziert. Auch hier gilt für das Hochpassverhalten bei
offenem T1 und dessen parasitärer Kapazität, dass die Grenzfrequenz in
der Region von 100 MHz liegt. Man kann diese Schaltung auch
als Umschalter betrachten: Man schaltet um zwischen Signalquelle und
GND. Ein dreipoliger Umschalter für analoge Signale wird im Kapitel
Der analoge Umschalter vorgestellt.
Der bipolare NPN-Transistor T3 (z.B. BC550) arbeitet als Inverter. Wenn
T3 eingeschaltet ist (Us = +12 VDC), begrenzt der Kollektorwiderstand R3
den Kollektorstrom auf etwa 1 mA. Der Kollektor liegt auf -12 VDC und
damit ist T2 offen. Damit T3 eingeschaltet ist, muss ein Basisstrom
fliessen. Dieser fliesst, wenn Us = +12 VDC, begrenzt mit R4 auf etwa
0.06 mA. Das Verhältnis R4/R5 dient der Schaltschwelle von T3, die bei
etwa Us = 0 VDC liegt (bei Ub = ±12 VDC). Dies bedeutet, dass bei dieser
Spannung über R5 gerade die Basis-Emitter-Schwellenspannung von T3
liegt. Dies macht Sinn, weil damit die Umschaltung etwa symmetrisch zur
Betriebsspannung erfolgt. Es ist aber sinnvoll, dass man mit einem
relativ steilflankigen Steuersignal umschaltet, damit die Dauer wo T1
und T2 leiten möglichst kurz ist und so der Ausgang von IC:A1 nur sehr
kurzzeitig stärker als notwendig belastet wird. Dies ist bei angegebener
Dimensionierung dann sicher garantiert, wenn das Tastverhältnis sehr
gross ist. Dies ist der Fall, wenn die Schaltfrequenz sehr niedrig ist
(z.B. Schaltersteuerung).
Wir sehen uns jetzt noch zwei weitere Steuerschaltungen in Bild 10 an:

Teilbild 10.1 unterscheidet sich von Bild 9 nur darin, dass auch T1 (Bild
9) nicht direkt von der Steuerspannung Us abhängig ist. Die Gates beider
JFETs (Steuersignale Q und /Q) werden durch die Kollektoren von T3, bzw.
T4, gesteuert. T3 und T4 sind NPN-Transistoren.
Teilbild 10.2 erweitert die Steuerschaltung dadurch, dass Us nicht an
die symmetrische Betriebsspannung, hier ±12 VDC, angepasst sein muss. T3
kann durch ein TTL- oder (H-)CMOS-Signal gesteuert werden. Die
Schaltschwelle von Us liegt bei etwa 1.3 VDC. Wenn Us = logisch HIGH (>
1.3 VDC), fliesst durch T3 ein Basis- und ebenso ein Kollektorstrom. T3
ist eingeschaltet. Der T3-Kollektorstrom erzeugt den T4-Basisstrom. T4
ist ebensfalls eingeschaltet. Es fliesst ein T4-Kollektorstrom und Q,
der das Gate von T1 (JFET) steuert, liegt auf +12 VDC. T1 ist
eingeschaltet. Weil zwischen Kollektor und Emitter des T4 nur eine sehr
kleine Spannung von weniger als 0.1 VDC vorliegt, kann in T5 kein Basis-
und somit auch kein Kollektorstrom fliessen. T5 ist offen und die
Spannung von /Q beträgt -12 VDC. Damit wird T2 (JFET) gesperrt. Wenn Us
= logisch LOW (< 1.3 VDC), ist T3, und damit auch T4, offen. Q hat eine
Spannung von beinahe -12 VDC und T1 (JFET) ist offen. T5 erhält einen
Basis- und dieser erzeugt einen Kollektstrom im eingeschalteten
Betriebszustand. Dadurch liegt /Q auf +12 VDC und T2 (JFET) leitet.
Der analoge Umschalter

Teilbild 11.1 zeigt eine einfache Umschaltung von drei oder auch vielen
Eingangsspannungen. Die Umschaltung arbeitet mit dem Opamp IC:A als
invertierender Verstärker mit einer Verstärkung von -1. Dadurch liegt
der invertierende Eingang auf virtuellem GND-Potential. Drain und Source
des eingeschalteten JFET haben praktisch GND-Pegel, weil der
Vorwiderstand (R1, R2 oder R3) mit 100 k-Ohm etwa 300 mal grösser ist
als RDSon des eingeschalteten JFET. Hier muss man
das Gate beim eingeschalteten FET (T1, T2 oder T3) auf GND und nicht
über den Vorwiderstand auf +12 VDC schalten, weil sonst der Gate-Strom,
der automatisch zum Knotenpunkt am invertierenden Eingang fliesst, ein
DC-Spannungsabfall über R4 erzeugt und dieser sich an Ua als unbrauchbar
hohe DC-Offsetspannung manifestiert.
Teilbild 11.2 zeigt die DC-Offsetwirkung durch leichte Veränderung der
Skizze. So wird die Funktionsweise sogleich augenfällig. R5 und R4
bilden mit IC:A ebenso einen invertierenden Verstärker. Diode D
symbolisiert die Schellwertspannung zwischen Gate und Source des JFET
(T1). Da R4 und R5 gleich gross sind, resultiert, wenn R5 an +12 VDC
liegt, an Ua eine Spannung von annähernd -12 VDC. Dies wäre völlig
unbrauchbar!
Die Kondensatoren C1 bis C3 in Teilbild 11.1 sind eine Option. Bei der
vorliegenden Wahl von R5 bis R10 von 100 k-Ohm, eignen sich
Kondensatorwerte von etwa 10 nF zur Unterdrückung von Störeinflüssen,
besonders bei längeren Zuleitungen vom Schalter. Werte ab 100 nF eignen
sich zur sanfteren Umschaltung, wie z.B. zur Unterdrückung von
Schaltknackgeräuschen bei Audioanwendung. Jedoch nicht übertreiben, weil
sonst beim zu langsamen Öffnen und Schliessen des JFETs sich lästige
Verzerrungen bemerkbar machen.
Knackfreie Audio-Umschaltung für ein Lautsprecherdemogerät
Bei der folgenden Schaltung mit JFETs geht es um etwas Spezielles. Es wird kein Audiosignal umgeschaltet. Umgeschaltet werden Lautsprecher. Diese Schaltung ist also ein kleines Detail eines Lautsprecherdemogerätes. Das Problem ist, dass mechanisches Umschalten von Lautsprechern, z.B. durch Relais, immer lästig knackt, wenn gerade ein Signal anliegt. Da elektromechanische Kontakte bekanntlich grosse Schaltverzögerungen haben und diese erst noch schlecht reproduzierbar sind und prellen, eignet sich die Umschaltung bei Phasennulldurchgang des Audiosignales schlecht. Eine andere Methode ist die, dass auf einen Umschaltimpuls erst das Audiosignal abgeschwächt, dann zum nächsten Lautsprecher umgeschaltet und zum Schluss das Audiosignal wieder auf den vorherigen Wert zurück gesteuert wird. Die Schaltung in Bild 12 zeigt wie dies funktioniert:

Um es gleich vorweg zu nehmen, es wird hier nur gerade die hier
interessierende JFET-Schaltung wiedergegeben und beschrieben. Eine
allfällige E-Mail-Anfrage betreffs der ganzen Schaltung des
Lautsprecherdemogerätes beantworte ich nicht, weil dies zu aufwändig
wäre.
Das Herzstück der uns interessierenden Schaltung ist eingrahmt. Die
gesamte Schaltung zwischen Ue und Ua wird einge schlauft zwischen dem
Line-Ausgang eines Vorverstärkers und dem Line-Eingang eines
Endverstärkers. Will man zum nächsten Lautsprecher umschalten, schaltet
der Steuereingang Us von +15 VDC auf GND. Damit startet die Dämpfung des
Stereo-Audiosignales an Ua. Innerhalb der Zeit in der an Ua fast kein
Audiosignal wirkt, schaltet die Steuerung zum nächsten Lautsprecher.
Leicht verzögert schaltet Us wieder von GND auf +15 VDC und das
Stereo-Audiosignal an Ua steigt wieder auf den ursprüglichen Wert. Man
siehe dazu die beiden Signaldiagramme in Bild 12 unten links.
Im normalen Betriebszustand liegt Us auf +15 VDC, der PNP-Transistor T1
ist stromlos und dessen Kollektor liegt über R3 auf -15 VDC. Damit
liegen alle Gates der JFETs T2 und T3 ebenfalls auf -15 VDC. T2 und T3
sind offen. Die Verstärkung der Schaltung um den Opamp IC:A wird durch
R8, R9, R10 und R11 bestimmt und beträgt -1. Schaltet Us von +15 VDC auf
GND, liegt am Kollektor des T1 +15 VDC. C1 ladet sich durch R4. Bei
einer positiveren T2-Gate-Spannung als etwa -2 VDC beginnt T2 zu leiten.
Dies reduziert den Audiostrom zum invertierenden Eingang des IC:A.
Allerdings steigt dafür die Verstärkung und die Spannung an Ua reduziert
sich nur mässig und wird erst noch verzerrt. Dies vermeidet T3 der
leicht verzögert ebenfalls in den leitenden Zustand gesteuert wird und
damit reduziert sich zusätzlich die Verstärkung. R11 wird mit dem RDSon von T3 parallel geschaltet.
Sample/Hold und Tiefpassfilter mit umschaltbarer Grenzfrequenz

Zum Schluss noch in Kürze zwei weitere Anwendungsbeispiele für analoge
JFET-Schalter. Es folgen hier keine Schaltungsdimensionierungen. Diese
Beipsiele dienen bloss weiteren Anregungen JFETs als elektronische
Schalter zu verwenden. Praktische Anwendung und Dimensionierung liegen
bei Interesse im Aufgabenbereich des Lesers. Es werden hier sowieso zwei
Dinge vorausgesetzt: Der Leser muss wissen was eine
Sample/Hold-Schaltung überhaupt ist und wie ein aktives Tiefpassfilter
zweiter Ordnung funktioniert. Beides ist nicht Gegenstand dieses
Elektronik-Minikurses. Beides kann man aber im Buch
Halbleiter-Schaltungstechnik von U.Tietze und Ch. Schenk lernen.
Teilbild 13.1 illustriert eine Sample/Hold-Schaltung. Liegt Us auf +Ub
(positive Betriebsspannung), sperrt Diode D, JFET T leitet, weil
dessen Gate Source-Potenzial hat und die Spannung an C folgt der
Spannung von Ue. Liegt Us auf -Ub, sperrt T und dies hält die vorhin
gesampelte Spannung an C (Hold-Funktion) bis zum nächsten Sampling
aufrecht.
Teilbild 13.2a skizziert in Kürze ein Tiefpassfilter zweiter Ordnung
mit einem Opamp. Diese Grundschaltung wiederholt sich in Teilbild 13.2b
als ein Tiefpassfilter gleicher Art, jedoch mit zwei umschaltbaren
Grenzfrequenzen. Es werden die frequenzbestimmenden Kondensatoren
umgeschaltet. Liegt Us auf +Ub, sind T1 und T3 eingeschaltet. Damit sind
C1 und C3 aktiv. Liegt Us auf -Ub, sind T2 und T4 eingeschaltet. Damit
sind C2 und C4 aktiv. I ist eine Inverterschaltung. Ob diese diskret
realisiert ist oder in intergrierter Form zum Einsastz kommt,
interessiert hier nicht. Die weiter oben beschriebene Offsetspannung im
mV-Bereich bei positiver Gatesteuerung der JFETs wirkt sich hier nicht
aus, weil die Filterkondensatoren diese selbst wirksam unterdrücken.
Ein weiteres Beispiel findet man im Elektronik-Minikurs
Steuerbares steiles Tiefpassfilter im Kapitel
"Analoges Tiefpassfilter mit OTA" mit Bild 5.
Thomas Schaerer, 25.04.2003 ; 14.12.2003 ; 01.01.2004 ; 26.02.2006






