"Twisted Pair" ist die englische Bezeichnung für ein Kupferkabel mit gekreuzten, verdrillten bzw. verseilten Adernpaaren. Es hat Ähnlichkeit mit dem in Deutschland verwendeten Telefonkabel, das man als Installationskabel J-Y(ST)Y bezeichnet.
Kabel mit verseilten Adernpaaren werden schon sehr lange zur Signal- und Datenübertragung eingesetzt. Zum Beispiel in der Telefon- und Netzwerktechnik.
Vorteile von Twisted-Pair-Kabel
Die paarweise Verseilung und ein elektrisch leitender Schirm vermindert störende Einflüsse von äußeren magnetischen Wechselfeldern, wie sie durch andere stromführende Kabel hervorgerufen werden. Ebenso wird das Übersprechen zwischen benachbarten Adernpaaren innerhalb des Kabels reduziert..
Der elektrisch leitende Schirm, besteht aus einer Aluminiumfolie oder einem Drahtgeflechts, die um die Adernpaare gewickelt sind. Das Drahtgeflecht dient als Abschirmung gegen niederfrequente Felder. Der Bedeckungsgrad des Geflechts sollte über 30% liegen. Eine Kombination aus Geflecht- und Folienschirm hat sich als sehr effektiv herausgestellt, um innere und äußere elektromagnetische Einflüsse zu verringern.
Um statische Aufladungen durch Reibung zwischen Metallfolie, Drahtgeflecht und den Adernpaaren zu vermeiden, befindet sich dazwischen eine antistatische Kunststofffolie, die aber keine abschirmende Funktion oder Wirkung hat.
Verdrillt - Verseilt - Gekreuzt
Insgesamt gibt es drei verschiedene Übersetzungen für "Twisted Pair". Man spricht von verdrillten, verseilten oder gekreuzten Adernpaaren. Falsch ist keines davon. Technisch korrekt ist es, wenn man von Verseilung oder verseilten Adernpaaren spricht. Der Grund ist das Herstellungsverfahren, dass mit dem von Seilen vergleichbar ist.
Standards
Twisted-Pair-Kabel sind genormt und in verschiedene Klassen und Kategorien eingeteilt. Jede Kategorie deckt verschiedene Anforderungsprofile mit bestimmten Qualitätsvorgaben ab. Die Kategorien reichen von 1 bis 7. Die Kategorien 1 und 2 sind nur informell definiert. Kabel nach Kategorie 1 und 2 gab es praktisch nie. Für Kabel der Kategorie 3 und 4 gibt es keinen Anwendungsfall mehr. Ihre Qualität entspricht nicht mehr den Anforderungen heutiger Netzwerktechniken. Man findet sie höchstens noch in alten Netzwerk-Installationen.
Gerade noch aktuell sind Twisted-Pair-Kabel der Kategorie 5. Bei Neuinstallationen werden Kabel der Kategorie 6, manchmal auch Kabel der Kategorie 7, verwendet.
Kabeltyp
EIA/TIA 568
Kategorie, Kat.
Category, Cat.
DIN EN 50173
Klasse
CLASS
max. Frequenz
Impedanz
Anwendung
UTP-1
Cat.1
-
0,3 ... 3,4 kHz
100 Ohm
analoge Sprachübertragung
UTP-1
-
A
100 kHz
100 Ohm
analoge Sprachübertragung
UTP-2
Cat.2
B
1 MHz
100 Ohm
ISDN
UTP-3
Cat.3
C
16 MHz
100 Ohm
10Base-T, 100Base-T4, ISDN
UTP-4
Cat.4
-
20 MHz
100 Ohm
16 MBit Token Ring
STP
IBM Typ 1/9
20 MHz
150 Ohm
4 und 16 MBit Token Ring
S/FTP
Cat.5
D
100 MHz
100 Ohm
100Base-TX, SONET, SOH
Cat.5e
D
100 MHz
100 Ohm
1000Base-T
S/FTP
Cat.6
E
250 MHz
100 Ohm
155-MBit-ATM, 622-MBit-ATM
Cat.6e
E
500 MHz
100 Ohm
10GBase-T (bis 55 Meter)
Cat.6a
F
625 MHz
100 Ohm
10GBase-T (bis 100 Meter)
S/FTP
Cat.7
F
600 MHz
100 Ohm
10GBase-T (bis 100 Meter)
S/FTP
Cat.7a
FA
1000 MHz
100 Ohm
über 10GBase-T
Die Übertragungsfrequenz (max. Frequenz) und die Kabellänge stehen in einem Verhältnis zueinander. Ist die Übertragungsfrequenz zu hoch, dann reduziert sich die nutzbare Kabellänge. Das bedeutet, bei einer höheren Frequenz kann nur eine geringere Entfernung überbrückt werden. Danach ist das Signal unbrauchbar und eine Übertragung nicht mehr möglich.
Schreibweise: Category (Cat./CAT) oder Kategorie (Kat./KAT)
Die Schreibweisen für die Kabel-"Kategorie" weichen gelegentlich voneinander ab. Das liegt daran, weil manchmal die englische und manchmal die deutsche Schreib- und Sprechweise verwendet wird.
Die "Kategorie" wird aus dem US-amerikanischen Standard EIA/TIA 568 abgeleitet. Dort wird die englische Schreibweise "Category" verwendet und mit "Cat." abgekürzt. Die Schreibweisen "CAT" dürfte auch vorkommen.
Im deutschsprachigem Raum spricht man eher von "Kategorie", als "Kat." abgekürzt. Die Schreibweisen "KAT" dürfte auch vorkommen.
Fachleute sprechen in der Regel von Kat-Kabel. Wenn das Kabel genauer bezeichnet werden soll, dann auch von Kat-5- oder Kat-6-Kabel.
Netzwerk-Kabel der Category 3 / Kategorie 3
Cat-3 war in den USA lange Zeit der Standardkabeltyp bei allen Telefon-Verkabelungen. Die Kabel sind ISDN-tauglich. Aus diesem Grund werden die in Deutschland bekannten Installationskabel mit der Bezeichnung J-Y(ST)Y hin und wieder als Cat-3-Kabel bezeichnet, was aber falsch ist. Diese Kabel haben mit Cat-3-Kabel nichts zu tun. Sie so zu bezeichnen ist irreführend.
Netzwerk-Kabel der Category 5 / Kategorie 5
Cat-5-Kabel sind in den meisten älteren strukturierten Netzwerk-Verkabelungen anzutreffen. In der Regel werden sie für die parallele Nutzung von Netzwerk und Telefonie eingesetzt. Cat-5-Kabel sind für Fast- und Gigabit-Ethernet geeignet. Telefon-Installationen profitieren von fehlerfreien Kabelverbindungen.
Cat-5e ist genauer spezifiziert und kommt vor allem in Europa zum Einsatz. Umsichtig verlegte Cat-5-Leitungen profitieren davon, dass sie nach der Messung meistens die Anforderungen für Cat-5e erfüllen.
Netzwerk-Kabel der Category 6 / Kategorie 6
Cat-6-Kabel sind in den neueren strukturierten Netzwerk-Verkabelungen anzutreffen. In der Regel werden sie für die parallele Nutzung von Netzwerk und Telefonie eingesetzt.
Für die Verlegung von Cat-6-Kabel gibt es meistens keinen wirklichen Grund. Im Bereich Ethernet mit 1 GBit/s reicht Cat-5e vollkommen aus. Eine bessere Qualität als Cat-6 ist eigentlich nicht notwendig. Deshalb dauerte es lange, bis Cat-6-Kabel für strukturierte Verkabelungen eingesetzt wurden. Irgendwann wurden häufiger Cat-6-Kabel als Cat-5-Kabel verlegt. Sie waren besser lieferbar. Außerdem bemerkte so mancher Elektroinstallateur, dass man mit einem "reingeklatschten" Cat-6-Kabel bessere Messwerte erreichen kann, als bei einem Cat-5-Kabel. Vor allem, wenn das eine oder andere Kabel länger wurde, als es eigentlich sein durfte. Nacharbeiten und Diskussionen mit dem Kunden konnten vermieden werden.
Im Vergleich zu Cat-5-Kabel enthält Cat-6-Kabel dickere Adern und mehr Folien- und Geflecht-Schirmung. Vor allem beim Abisolieren und Auflegen an Dosen und Patchfeldern entsteht wegen der Schirmung ein größerer Aufwand.
Erweiterungen von Cat-6 sind Cat-6a und Cat-6e.
Netzwerk-Kabel der Category 7 / Kategorie 7
Spätestens bei 10-Gigabit-Ethernet sind Kabel der Kategorie 7 notwendig (oder Kategorie 6a). Da diese Technik als zukunftsweisend gilt und die Kabel dafür nicht sehr viel teurer sind als Cat-6-Kabel, werden viele Neuinstallationen von strukturierten Verkabelungen mit Cat-7-Kabel ausgerüstet.
Die Kategorie 7a ist sogar bis 1000 MHz spezifiziert und wurde für Anwendungen ausgearbeitet, die über 10 GBit/s hinausgehen.
Im Unterschied zu den Kabeln der Kategorie 5 und 6 sind alle vier Adernpaare eines Cat-7-Kabels einzeln geschirmt. Das bedeutet, es kommen generell Folien- und Geflecht-geschirmte Kabel zum Einsatz. Ungeschirmte UTP-Kabel sind in der Kategorie 7 ausgeschlossen.
Wichtiger Hinweis: Alle Cat-7-Patchkabel, -Patchfelder und Anschlussdosen mit RJ45-Steckverbindern entsprechen nicht der Cat-7-Spezifikation. Das bedeutet, eine Netzwerkinstallation mit Cat-7-Kabel und Cat-7-RJ45-Steckverbindungen ist nur eine Cat-6-Netzwerkinstallation. Netzwerk-Komponenten nach Cat-7 benötigen neue Steckverbindungen. Allerdings hat sich noch keine durchgesetzt.
In der Vergangenheit haben viele Elektroinstallateure die nötige Sorgfalt beim Verlegen von CAT6- und CAT-7-Kabel missen lassen. Darauf angesprochen wurde meist nur milde gelächelt und abgewunken. Natürlich, auf einem schlecht behandelten CAT-7-Kabel ist Fast-Ethernet mit 100 MBit/s auch kein Problem. Doch wer lässt CAT-7-Kabel verlegen, um es nur für Fast-Ethernet zu nutzen? Was ist, wenn jemand 10GBase-T auf CAT-7 nutzen will? Abwegig ist das nicht. Zwar werden mit 10GBase-T kaum Arbeitsplatzrechner ans Netzwerk angebunden. Doch lässt sich mit 10GBase-T eine schnelle Netzwerk-Infrastruktur aufbauen, die ganz ohne Glasfaserkabel auskommt.
Der Elektroinstallateur muss dringend davon Abstand nehmen CAT-6- und CAT-7-Kabel mal geschwind "reinzuklatschen". Das zeugt von geringer Kenntnis und ist Pfusch.
Bezeichnungssystem für Twisted-Pair-Kabel nach ISO/IEC-11801 (2002)E
Neben der Einteilung in Klassen und Kategorien bezieht man sich bei der Bezeichnung von Twisted-Pair-Kabel auf deren Zusammensetzung aus Mantel, Schirm und Adernpaaren. Hier gibt es deutliche Unterschiede, die sich direkt in der Qualität der Kabel und deren Einsatzzweck bemerkbar macht.
Grundsätzlich unterschiedet man zwischen geschirmten und ungeschirmten Kabeln. Im Gegensatz zu den geschirmten Kabeln (STP und FTP) weisen die ungeschirmten Kabel (UTP) eine deutlich schlechtere Übertragungsqualität auf, die sich bei hohen Übertragungsraten und langen Leitungslängen negativ bemerkbar macht.
Da die alten Bezeichnungen nicht einheitlich, dafür widersprüchlich waren und oft Verwirrung gestiftet haben, wurde mit der Norm ISO/IEC-11801 (2002)E ein neues Bezeichnungssystem der Form XX/YZZ eingeführt.
XX steht für die Gesamtschirmung
U = ohne Schirm (ungeschirmt)
F = Folienschirm
S = Geflechtschirm
SF = Geflecht- und Folienschirm
Y steht für die Aderpaarschirmung
U = ohne Schirm (ungeschirmt)
F = Folienschirm
S = Geflechtschirm
ZZ steht immer für TP = Twisted Pair
Schirmung
U/UTP
S/UTP
U/FTP
S/FTP
F/FTP
SF/FTP
Gesamtschirm
Folie
(X)
X
X
Drahtgeflecht
(X)
X
X
Adernpaarschirm
Folie
X
X
X
X
U/UTP - Unscreened/Unshielded Twisted-Pair-Kabel
Das U/UTP-Kabel besteht aus einem Kunststoffmantel, in dem sich die ungeschirmten, paarweise verseilten Adernpaare befinden. Wegen des fehlenden Schirms haben U/UTP-Kabel einen geringen Außendurchmesser, sind leicht zu verarbeiten, zu verlegen und preisgünstig herzustellen.
U/UTP-Kabel sind nach DIN EN 50173 in Deutschland und Europa nicht zugelassen, weshalb sie hier auch nur sehr selten vorkommen. Der Grund sind die Vorgaben zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Dagegen sind U/UTP-Kabel weltweit die meistverwendeten Kabel für lokale Netzwerke mit Ethernet.
S/UTP - Screened/Unshielded Twisted-Pair-Kabel
Das S/UTP-Kabel besteht aus einem Kunststoffmantel und einem Gesamtschirm, in dem sich die paarweise verseilten Adernpaare befinden. Die Schirmung darf aus Kupfergeflecht oder Aluminiumfolie (Folie, die mit Aluminium kaschiert ist) oder aus beidem bestehen. Die Qualität dieser Kabel ist wesentlich höher als bei ungeschirmten UTP-Kabeln.
Besteht der Gesamtschirm nur aus einer Folie, wird so ein Kabel auch als F/UTP-Kabel bezeichnet. Besteht der Gesamtschirm aus Folie und Drahtgeflecht wird so ein Kabel auch als SF/UTP-Kabel bezeichnet. In der Regel spricht man von S/UTP-Kabel.
U/FTP - Unscreened/Foiled Twisted-Pair-Kabel
U/FTP-Kabel bestehen aus einem Kunststoffmantel und paarweise verseilten Adernpaaren, die mit einem metallischen Folienschirm umgeben sind. Bei der Schirmung unterscheidet man zwischen PiMF (Paar in Metallfolie) und ViMF (Vierer in Metallfolie). Beim PiMF-Kabel ist jeweils ein Adernpaar von einer Metallfolie umgeben, beim ViMF-Kabel sind jeweils zwei Paare mit Metallfolie umgeben.
Durch die umfangreichere Schirmung haben U/FTP-Kabel einen größeren Außendurchmesser und einen größeren Biegeradius als U/UTP- S/UTP-Kabel. Die Verarbeitung und Verlegung dieser Kabel ist entsprechend aufwendiger.
S/FTP - Screened/Foiled Twisted-Pair-Kabel
S/FTP-Kabel bestehen aus einem Kunststoffmantel und paarweise verseilten Adernpaaren. Die einzelnen Adernpaare sind mit einer metallischen Folien umgeben. Zusätzlich ist das Adernpaar-Bündel mit einem Gesamtschirm aus einem Drahtgeflecht umgeben.
F/FTP - Foiled/Foiled Twisted-Pair-Kabel
F/FTP-Kabel bestehen aus einem Kunststoffmantel und paarweise verseilten Adernpaaren. Die einzelnen Adernpaare sind mit einer metallischen Folien umgeben. Zusätzlich ist das Adernpaar-Bündel mit einem Gesamtschirm aus einer metallischen Folie umgeben.
SF/FTP-Kabel bestehen aus einem Kunststoffmantel und paarweise verseilten Adernpaaren. Die einzelnen Adernpaare sind mit einer metallischen Folien umgeben. Zusätzlich ist das Adernpaar-Bündel mit einem Gesamtschirm aus Drahtgeflecht und einer metallischen Folie umgeben.
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