WAP - Wireless Application Protocol

WAP steht für Wireless Application Protocol. Es ist ein Sammlung von Protokollen und Spezifikationen, die die Übertragung und Darstellung von speziellen Inhalten auf kleinen mobilen Endgeräten übernimmt. Im Gegensatz zu Computern haben mobile Endgeräte nur eine knappe Ausstattung:

  • kleines Display mit geringer Auflösung
  • geringe Speicherkapazität
  • geringe Rechenleistung
  • geringe Übertragungskapazität im Mobilfunknetz
  • kleine/eingeschränkte Bedienungselemente

Das für die Entwicklung von WAP verantwortliche WAP-Forum hat besonderen Wert darauf gelegt, dass auch Geräte mit knappen Ressourcen und geringen Hardware-Voraussetzungen über WAP Zugang zu Diensten und Informationen haben können.
Die Standardisierung von WAP durch das WAP-Forum erfolgte 1997. Dem WAP-Forum gehören viele Hersteller aus der Mobilfunk-Branche an. Außerdem werden Kontakte zu anderen Standardisierungsorganisationen unterhalten. Z. B. dem ETSI im Mobilfunkbereich und dem W3C im Internet-Bereich.

Eigentlich spielt WAP heute keine Rolle mehr. Dank hochauflösender Smartphone-Displays kann jede Webseite optimal dargestellt werden. Allerdings ist WAP immer noch aktiv, weil die Protokolle jedes Gerät beherrscht und die Infrastruktur immer noch sinnvoll genutzt werden kann.

Typische WAP-Anwendungen

  • Reiseführer
  • Fahrplanauskunft der öffentlichen Verkehrsmittel
  • Telefonauskunft
  • Währungsrechner
  • Nachrichtendienste
  • Kalender
  • Börsenkurse
  • Routenplaner
  • Verkehrsinformationen

WAP-Billing

WAP-Billing ist eine Abrechnungsform für digitale Dienstleistungen und Inhalte über die Mobilfunkrechnung. Dazu ermittelt der Webseitenbetreiber als Drittanbieter die Mobilfunkrufnummer des Seitenbesuchers über die WAP-Technik. Anschließend kann der Drittanbeiter Geldbeträge über die Mobilfunkrechnung abrechnen und erhält das Geld vom Mobilfunkbetreiber.
Leider hat diese veraltete Technik den Nachteil, dass jeder Mobilfunkkunde Opfer von WAP-Billing-Betrug werden kann, weil Fremde Zahlungen ohne konkreten Abrechnungsauftrag veranlassen und über die Mobilfunkrechnung einziehen können. Das Problem dabei ist, dass man als Opfer gegenüber seinem Mobilfunkbetreiber in der Kreide steht und bei offenen Beträgen der Mobilfunkvertrag und dessen Leistungen zur Disposition stehen. Das heißt, man muss sich unter Umständen mit seinem Mobilfunkbetreiber über Zahlungen an Dritte einigen.
Um sich davor zu schützen, kann man von seinem Mobilfunkprovider verlangen, von solchen Zahlungsforderungen auszunehmen. Man bezeichnet das als Drittanbietersperre.

WAP-Netzarchitektur

Auf dem mobilen Endgerät befindet sich eine Software, die WML darstellen kann und in der Lage ist über URLs adressierte Daten abzurufen. WAP ist nicht an einen bestimmten Mobilfunk-Standard gebunden. Als Trägerdienst oder Übertragungsnetzwerk kann GSM mit SMS, CSD, HSCSD oder GPRS dienen. Ebenso UMTS oder sogar DECT und andere zukünftige Netze sind möglich. WAP ist an dieser Stelle flexibel spezifiziert.

WAP-Netzarchitektur

Wo die Daten abgelegt werden und wie sie den Weg zum mobilen Endgerät finden, dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Im einfachsten Fall befinden sich die Daten auf einem speziellen WTA-Server, der direkt im oder am Mobilfunknetz angeschlossen ist. Die Daten werden dann als binäres WML zum Endgerät übertragen.
Alternativ sind die Daten im Internet auf einem Webserver gespeichert. Evt. befinden sich die Daten dort im WML-Format oder werden im WML-Format ausgegeben. Die Daten nehmen ihren Weg zum WAP-Gateway ins Mobilfunknetz und werden dort in binäres WML konvertiert und an das Endgerät übermittelt. Liegen die Daten nicht in WML vor, sondern in HTML, so übernimmt ein HTML-Gateway die Umwandlung in WML, bevor die Daten an das WAP-Gateway geschickt werden. Die automatisierte Konvertierung von HTML nach WML hat jedoch einige Schwächen, da die Struktur von WML mit HTML nicht vereinbar ist.

WML - Wireless Markup Language

Aufgrund der kleinen Displays mobiler Endgeräte ist WML, die Wireless Markup Language, für die Darstellung der Informationen und Dienste verantwortlich. Diese Seitenbeschreibungssprache ist das Gegenstück von HTML (Hypertext Markup Language) im Internet-Bereich. WML hat mit HTML allerdings nur eine geringfügige Ähnlichkeit. WML ist von der Struktur so aufgebaut, dass es die Bedienung mobiler Engeräte erleichtert. Eine WML-Informationsseite wird als Deck (Kartenstapel) bezeichnet. Innerhalb eines Decks befinden sich eine oder mehrere Cards (Karten). Zum mobilen Endgerät wird immer das Deck übertragen. Im Display wird aber nur eine Card angezeigt.
WML stellt Befehle und Formatierungsmöglichkeiten bereit, die allerdings nicht von jedem WML-Browser unterstützt werden müssen:

  • Gliederungselemente
  • Tabellen
  • Text-Formate (dick, kursiv, unterstrichen)
  • Verknüpfungen/Anker/Links
  • Auswahllisten/Menüs/Formularelemente
  • Bilder im WBMP-Format
  • WMLScript (mit Handy-Funktionen)

Mit WML lassen sich durchaus interaktive Anwendungen erstellen. In Kombination mit WTA (Wireless Telephony Applications) steht eine programmierbare Schnittstelle zur Realisierung von Telefondiensten zu Verfügung. Beispielsweise um auf ein entfernt abgelegtes Telefonbuch zuzugreifen oder eine Telefonauskunft abzurufen.

WML-Beispiel

<?xml version="1.0"?>
<!DOCTYPE wml PUBLIC "-//WAPFORUM//DTD WML 1.1//EN" "http://www.wapforum.org/DTD/wml_1.1.xml">
<wml>
<card id="card1" title="Erste Karte">
<p>Erste Card im Deck</p>
</card>
<card id="card2" title="Zweite Karte">
<p>Zweite Card im Deck</p>
</card>
</wml>

WML wird zwar im ASCII-Format geschrieben und gespeichert allerdings in einem kompakteren Binärformat an das mobile Endgerät geschickt.

Marktentwicklung

Als WAP aufkam, gab es noch keine farbigen Displays in den Handys. Für WAP wurde ein Endgerät mit einem WML-fähigen Browser benötigt. Lange Zeit wurde die Parole ausgerufen, dass speziell aufbereitete Inhalte abrufbar gemacht werden müssen. Statt, wie gewohnt Vollformat-Webseiten nur speziell für WAP aufbereitete Seiten. Damals erlebte man Datenübertragung im Mobilfunknetz im Schneckentempo, als teuer und mit kaum lieferbaren Endgeräten. Letztlich hat das den Markt in seiner Entwicklung behindert. In Japan dagegen hat i-mode einen ungeahnten Boom erlebt. Dort wurde der Service auch nur mit einer geringen monatlichen Gebühr belegt.

i-mode

i-mode stammt ursprünglich aus Japan. Aufgrund bestimmter kultureller Begebenheiten ist i-mode dort ein Renner. Aus mangelndem Interesse wurde i-mode von E-Plus in Deutschland wieder eingestellt.

i-mode ist im Gegensatz zu WAP ein geschlossenes System, bei dem die Inhalte über die i-mode-Zentrale abgerufen werden müssen. Da die Netzstruktur und die Inhalte durch den Netzbetreiber vorgegeben sind, handelt es sich dabei um ein qualitativ hochwertiges System.
i-mode basiert auf auf einer Paketvermittlung mit 9,6 kBit/s und wird nach übertragenen Daten abgerechnet. Der Dienst wird über E-Plus (in Deutschland) angeboten und bietet folgende Möglichkeiten:

  • Flugtickets und Konzertkarten reservieren
  • Kontostand abrufen und Überweisungen tätigen
  • E-Mails versenden und empfangen
  • Zugriff auf das Internet

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