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PLL-Frequenzsynthesizer mit digitalem Potentiometer
Vorwort
In Wirklichkeit überschreitet der vorliegende Artikel den Umfang eines
Elektronik-Minikurses bei Weitem. Diesen Artikel veröffentlichte ich
ursprünglich in der Dezemberausgabe der schweizerischen
Elektronikerfachzeitschrift ELEKTRONIKER im Jahre 1992. Diese
Zeitschrift nennt sich heute MEGALINK. Die Redaktion der MEGALINK
erklärte mir, dass das Urheberrecht nach wie vor bei mir liegt und somit
einer weiteren Veröffentlichung im Elektronik-Kompendium nichts
im Wege steht. Damit erreicht dieser Artikel einen wesentlich grösseren
interessierten Leserkreis als damals. Der Text ist nicht der redigierte
der ELEKTRONIKER-Redaktion, weil dieser in elektronischer Form nicht
mehr erhältlich ist. Es ist daher mein "Urtext" der kaum vollständig
fehlerfrei sein wird. Aber das wissen die Leser meiner
Elektronik-Minikurse schon längst und haben sich damit arrangiert. :-)
Einleitung, - etwas angepasst an die Gegenwart
Digitale Potentiometer sind moderne elektromechanische
Frontplatten-Bedienelemente, die heute vielseitig eingesetzt werden,
so auch hier zur Einstellung der erwünschten Frequenz am Ausgang der
Schaltung. Zentraler Baustein dieses PLL-Frequenzsynthesizers ist der
MC145151-2 von Motorola.
Inhalt
2. Das digitale Potentiometer 3. Steuerung und Synthesizer
3.2 Auto-Reset 3.3 Sicherung der eingestellten Frequenz 3.4 Der PLL-Frequenz-Synthesizer 3.5 Das Loop-Tiefpassfilter
4. Der Dekadenteiler 5. Auch Computer sind erwünscht 6. Technische Daten 7. Literaturverzeichnis 1. Zur Einleitung das Blockschema
Bild 1 zeigt das Blockschema, welches in drei Funktionen aufgeteilt ist.
Die Steuerung, welche im Bild 3a weiter detailliert ist, verarbeitet die
Eingangssignale des digitalen Potentiometer DP und des Schalter/Taster
S1. S1 arbeitet in der einen Richtung als Schalter (OFF) und in der
anderen Richtung als Taster (RES). Eine rasche Drehung am digitalen
Potentiometer DP bewirkt eine beschleunigte Änderung der
Synthesizerfrequenz (f-vco) innerhalb der selben Dekade.
2. Das digitale Potentiometer2.1 Anstelle von Kippschaltern
Ein digitales Potentiometer ist die bessere Alternative zu einer mit
Kipptastern ausgeführten Up/Down-Steuerung eines digitalen Zählwerkes
oder auch eines Mikroprozessorsystems. Besser deshalb, weil der
Feinabgleich mittels Anpassung der Drehgeschwindigkeit leichter möglich
ist. Mit Kipptasterschaltungen ist man meist rasch "aus dem Ziel"
heraus. Frustrationen des Anwenders sind die Folgen.
2.2 Potentiometer mit Gabellichtschaltern
Bild 2 zeigt symbolisch den prinzipiellen Aufbau des digitalen Potentiometer RES20-50-200 [1], welches in der vorliegenden Applikation zur Anwendung kommt. Als Sender dient eine Leuchtdiode, als Empfänger zwei Phototransistoren. Die Löcher in der Drehscheibe sind so angeordnet, dass das Öffnen oder Schliessen der beiden Fototransistoren um 90 Grad phasenverschoben ist. Dies wird durch die Darstellung der Lichtstrahlen, der Drehscheibe und mit dem Impulsdiagramm in Bild 2 verdeutlicht. Die beiden Kollektoren der Phototransistoren PT1 und PT2 sind intern mit der Anode der Leuchtdiode verbunden. Als Ausgangsschaltung kommt daher nur das Emitterfolgerprinzip in Frage. 2.3 Wahl der Emitterwiderstände
Das Datenblatt des Lieferanten [1] des digitalen Potentiometers gibt an,
dass der Emitterwiderstand Re maximal 5 k-Ohm betragen sollte und die
minimale Ausgangsamplitude 2 Vpp beträgt. Um etwas mehr Gewissheit zu
erlangen, untersuchte ich zwei Exemplare des genannten Produktes. Die
Messungen an beiden digitalen Potentiometern ergaben übereinstimmende
Werte. Für Leser, die auch an einem anderweitigen Einsatz des digitalen
Potentiometers interessiert sind, mögen folgende Angaben eine weitere
Hilfe sein. Wählt man Re = 5 k-Ohm, ergab sich in beiden Fällen eine
Amplitude von 4 Vpp, so dass für eine Amplitude von 2 Vpp (bei beiden
Exemplaren überprüft) Re auf 2.5 k-Ohm reduziert wurde. Allerdings wies
die Messung des Tastverhältnisses beider Signale A und B bei schneller
Bewegung des Drehknopfes eine signifikante Abweichung von 50% auf.
3. Steuerung und SynthesizerZum folgenden Text gehören die vier Bilder 3a bis 3d. Man muss abwechslungsweise das Schema in Bild 3a und die zugehörigen Diagramme 3c bis 3d betrachten. Es empfiehlt sich daher gleichzeitig mit einem zweiten Fenster des benutzten Internetbrowsers nur gerade diese Bilder anzuzeigen, welche gleich untereinander erfolgen. Im andern Fenster liest man den Text.
Bild 3a zeigt die nachfolgend besprochene Schaltung. Das mit 5 VDC
betriebene digitale Potentiometer DP sendet seine beiden
phasenverschobenen Signale A und B zu den Schmitt-Trigger-Invertern
IC:A1,A2. Bild 3b illustriert die Signale a bis g, welche zum
Verständnis der Steuerung beitragen und an den in Bild 3a bezeichneten
Punkten gemessen sind.
3.1 Der Beschleuniger
Betrachten wir nun die beiden Bilder 3b und 3d. In bezug auf die
Drehrichtung des digitalen Potentiometers DP sind sich beide Bilder
identisch. Der Unterschied zeigt sich in der nun höheren
Drehgeschwindigkeit des digitalen Potentiometers DP. Der Beschleuniger
wird aktiv, so dass sich der Synthesizer rascher in einen andern
Frequenzbereich innerhalb der selben Frequenzdekade bewegt.
Selbstverständlich funktioniert der Beschleuniger auch bei Drehung im
Gegen-Uhrzeigersinn.
3.2 Auto-ResetBild 3a zeigt auch die Auto-Reset-Schaltung. Sie wird beim Einschalten der Betriebsspannung oder nach einem Betriebsspannungsunterbruch aktiv. Der Ausgang von IC:D steuert mit seinem aktiven Low-Pegel den Load- Eingang des 14-Bit-Zählers und lädt ihn auf einen mittels Jumper oder 14poligem DIL-Schalter (Mäuseklavier) voreingestellten Wert (Bild 4). Derselbe Ladevorgang wird auch ausgelöst, wenn der Schalter/Taster S1 in Richtung RES (Reset) getastet wird. 3.3 Sicherung der eingestellten FrequenzWie bereits erwähnt, arbeitet Schalter/Taster S1 in der einen Richtung als Taster (RES) und in der andern Richtung als Schalter (OFF). Die Funktion von RES wurde bereits erläutert. OFF bedeutet, dass das digitale Potentiometer DP inaktiv ist. Das hat folgenden praktischen Grund: Die Schalterstellung OFF bewirkt, dass sich beim unbeabsichtigten Berühren des Drehknopfes des digitalen Potentiometers DP die Synthesizerfrequenz nicht verstellt. 3.4 Der PLL-Frequenz-Synthesizer
Die amerikanische Firma Motorola stellt(e) eine ganze Palette
integrierter PLL-Frequenz-Synthesizer mit eingebauten programmierbaren
Referenzfrequenz- und Feedbackfrequenzteilern her. Es handelt sich dabei
um die Produkteserie MC1451xx. Die verschiedenen Typen unterscheiden
sich hauptsächlich in den Teilerschaltungen und in der Art, wie diese
gesteuert bzw. mit Zahlenwerten geladen werden. Den
Referenzfrequenzteilern vorgeschaltet ist jeweils eine Verstärkerstufe,
die eine direkte Quarzbeschaltung ermöglicht. Die Ausgänge des Referenz-
und Feedbackfrequenzteilers führen zum Phasen- und Lockdetektor. Der
grosse Vorteil dieser preiswerten Bausteine ist leicht zu erkennen: Man
kann sich den Aufbau einer programmierbaren und synchronen (gut
funktionierenden) Feedbackfrequenzteilerschaltung ersparen. Mehr über
diese in CMOS-Technik realisierten ICs erfahren Sie in [2] Kapitel 6.
3.5 Das Loop-Tiefpassfilter
Über Loop-, oder Schlaufenfilter wie sie auf deutsch auch genannt
werden, gibt es reichlich Literatur mit mathematisch-theoretischen
Abhandlungen. Es gibt aber relativ wenig Literatur, die das Problem mehr
von der praktischen Seite her beschreibt und die theoretische ergänzt.
Dieses Kapitel soll ein Versuch in dieser Richtung sein und den Zweck
haben, dem PLL-Praktiker die Vorgänge im Einzelnen näher zu bringen. Es
geht bei den folgenden Erläuterungen auch darum, dem Hobbyelektroniker
zu zeigen, dass unter einer bestimmten Voraussetzung, der Bau eines
PLL-Frequenzsynthesizers recht einfach ist.
Der aufmerksame Betrachter des Loop-Tiefpassfilters hat aber schon längst den zusätzlichen Kondensator C4 entdeckt und überlegt sich, was denn wohl seine Funktion sei. Der Widerstand R4, welcher der Dämpfung des PLL-Regelkreises dient, hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Über diesem Widerstand fällt eine Teilwechselspannung mit der Referenzfrequenz vom Ausgang PD-OUT des IC:K ab. Ohne C4 moduliert diese Wechselspannung die Frequenz des VCO. Man beachte dazu Bild 5, welches den Einschwingvorgang beim IC:K-internen Phasendetektor illustriert:
Im geregelten Zustand der PLL erzeugt PD-OUT Impulse mit sehr grossem
Tastverhältnis (Nadelimpulse). Dieses Signal, abgeschwächt über R4,
wirkt sich auf den VCO kaum noch frequenzmodulierend störend aus, da die
Impulsdauer zu kurz ist. Ändert man jedoch die VCO-Frequenz (f-vco) auch
nur geringfügig, reduziert sich das Tastverhältnis während des
Regelvorganges beträchtlich. Dies fruenzmoduliert den VCO, was eine
diskontinuierliche Frequenzänderung zur Folge hat. Auf dem Oszilloskop
macht sich dies durch eine unstabile Darstellung des
VCO-Rechtecksignales (f-vco) bemerkbar. Was kann gegen diese
Nebenwirkung, ohne Kompromiss mit der notwendigen Dämpfung mit R4, getan
werden? Ganz einfach, man unterdrückt die störende Teilwechselspannung
über R4 durch eine zusätzliche Tiefpassfilterung, deren Grenzfrequenz
wesentlich über der Grenzfrequenz des Loop-Tiefpassfilters,
hauptsächlich gegeben durch R3 und C3, liegt. Genau dies erreicht man
durch das Einfügen von C4. Mit C4 und R3 bestimmt man im Wesentlichen
die zweite höhere Grenzfrequenz dieses Filters. Diese sollte so tief
sein, dass die Frequenzmodulation auf dem Oszilloskopschirm bei
Frequenzänderung nicht mehr erkennbar ist. Sie muss aber anderseits so
hoch sein, dass die gewählte Dämpfung des PLL-Regelkreises nicht wieder
unnötig verschlechtert wird. Da das Verhältnis der Referenzfrequenz zur
erst genannten, also tieferen Filtergrenzfrequenz sehr gross gewählt
werden kann, hat man auch eine entsprechend grosszügige Wahl von C4. Mit
einem passiven Loop-Tiefpassfilter dieser Art schlägt man somit zwei
Fliegen mit einem Schlag:
3.51 Experimentieren erwünscht.
Wie lässt sich die Regelzeit und das Einschwingverhalten möglichst
einfach prüfen? Dies ist sehr einfach. IC:L stellt einen gepufferten
Ausgang des VCO-Einganges an Pin 10 (Dem.) zur Verfügung. Dieses
Demodulationssignal verbindet man dem Y-Eingang eines Oszilloskopes. Die
Zeit der Zeitablenkung stellt man auf einen Wert von etwa 100 oder 200
ms/div ein. Für eine ungefähre Prüfung genügt die Auto-Triggerung. Bei
gegebenem Startwert (Jumperreihe oder DIL-Schalter) erzeugt der VCO-
Ausgang VCO-OUT von IC:L eine Frequenz von 500 kHz (f-vco). Nun zieht
man den MSB-Jumper raus und tastet den Schalter/Taster S1 in Richtung
RES (Reset). Die Frequenz ändert sich nun mit einer Geschwindigkeit, die
mit dem Oszilloskop leicht verfolgt werden kann. Kurz vor dem Einrasten
der PLL ist noch der Einschwingvorgang zu beobachten. Die VCO-Frequenz
hat jetzt den Wert von 4.596 MHz. Danach steckt man den MSB-Jumper
wieder ein und betätigt S1 nochmals. Die VCO-Frequenz regelt nun mit
entsprechender Regelzeit und Einschwingdauer zurück auf den Wert von 500
kHz. Will man einen Regelvorgang auf einem Speicher-Oszilloskop
speichern, um ihn besser beobachten zu können, muss mit dem Resetsignal
S1 extern beim Oszilloskop getriggert werden.
4. Der Dekadenteiler
Bild 6 zeigt den Dekadenteiler. Dieser besteht aus den drei in Serie geschalteten Doppel-Dekadenteiler-ICs IC:M,N,O. Der direkte und die jeweils durch zehn geteilten Taktfrequenzen werden mittels zweier Tristatetreiber-ICs IC:P,Q und einem Drehschalter selektiert und dem Ausgang "Clock-Out" zugeführt. 5. Auch Computer sind erwünschtObwohl es sich um einen Stand-Alone-PLL-Frequenzsynthesizer handelt, ist es mit etwas zusätzlicher Hardware durchaus möglich, diesen zusätzlich mittels Computer zu steuern. Für die Synthesizerfrequenzsteuerung benötigt man den 14 Bit Parallelbus der Jumperreihe "Startwert" und den Load-Eingang zur Triggerung. Eine Schnittstelle mit einem 16 Bit Datenbus würde da kaum Probleme machen. Zur Programmierung der Frequenzdekade, benützt man die Anschlüsse des Drehschalters und schaltet zur Dekodierung ein 3-zu-8-Dekoder davor. Eine Umschaltung von Hand- auf Computersteuerung ermöglicht ermöglicht etwas zusätzliche Logik. 6. Technische Daten
Betriebsspannung: 5 Volt (± 5 %)
Betriebsstrom (inkl. Digit. Potentiometer): 58 mA (f-vco = 5 MHz)
51 mA (f-vco = 0.5 MHz)
Ausgangsfrequenzbereich des "Clock-Out"-Signales:
Dekadenschalter Frequenzbereich
------------------------------------------
A 0.5 Hz ... 5 Hz
B 5 Hz ... 50 Hz
C 50 Hz ... 500 Hz
D 500 Hz ... 5 kHz
E 5 kHz ... 50 kHz
F 50 kHz ... 500 kHz
G 500 kHz ... 5 MHz
Ausgangspegel des "Clock-Out": HC-MOS - Spezifikation
Einstellung des Startwertes mit den Jumpern:
Bit: 13 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0
Wert: 0 0 0 0 1 1 1 1 1 0 1 0 0 0
Wert = 512 + 256 + 128 + 64 + 32 + 8 = 1000
Der Startwert von 1000 bedeutet, dass nach einem Reset die
Synthesizerfrequenz 500 kHz beträgt.
f-vco = f-ref * 1000 (f-ref = 500 Hz)
Frequenzstabilität: ±100 ppm (EXO-3-Quarzoszillator -10°C ... +60°C)
Literaturverzeichnis
[2] CMOS/NMOS SPECIAL FUNCTIONS DATA von Motorola (MC145151) [3] EXO-3 - Datenblatt von KINSEKI Europe GmbH Vertretung: ALTRAC AG Dietlikon [4] Datenblatt zu TL7705 von Texas Instruments oder/und Elektronischer Unterspannungswächter mit Auto-Reset-Funktion, einer meiner Elektronik-Minikurse. [5] CMOS Logic Databook von National Semiconductor Corp. oder andere einschlägige Literatur für HCMOS-Bausteine der Familie 74HCxxxx. [6] "Theorie und Anwendungen des Phase-locked Loops" von Roland Best (ISBN: 3-85502-132-5) AT-Verlag, Aarau (Schweiz) Thomas Schaerer, 15.07.2001 ; 29.04.2002 ; 15.03.2003(dasELKO) ; 24.09.2003 ; 17.12.2003 ; 13.06.2006 Bookmark
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