MVNO - Mobile Virtual Network Operator

Weil in Zeiten fallender Margen die gesamte Wertschöpfungskette aus einer Hand, wie es die Netzbetreiber praktizieren, auf aufrechterhalten lässt, hat der Trend zur Auslagerung der Netze und sogar des Netzbetriebs eingesetzt. Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und im Kampf gegen den Margenverlust gründen die Mobilfunkprovider immer mehr Marken für spezielle Zielgruppen.
Die Anbieter betreiben dabei unterschiedliche Strategien. Die einen wandeln sich zum Händler und konzentrieren sich auf den Verkauf von Produkten der Netzbetreiber. Die anderen setzen meist auf eine Billigstrategie und werden zum virtuellen Netzbetreiber. Mobile Virtual Network Operator (MVNO) genannt.

Typische MVNOs sind:

  • simyo
  • klarmobil.de
  • simply
  • Tchibo Mobil
  • Blau Mobilfunk
  • ALDI-TALK

Die MVNOs haben kein eigenes Netz, sondern nutzen die Infrastruktur eines echten Mobilfunknetzbetreibers. Im Unterschied zu einem Reseller vermarktet der MVNO den Mobilfunk als eigene Marke mit eigenen Tarifen. Die dafür notwendige Netzkapazitäten kauft der MVNO von den Mobilfunknetzbetreibern ein.
Durch Kooperationen lagern die Netzbetreiber die Kundengewinnung, die Produktpakete, Marketing und Verkauf an die MVNOs aus. Der MVNO bezieht seine Leistungen aus verschiedenen Quellen. Er bündelt und veredelt sie. Dabei konzentriert er sich ganz auf die Ausarbeitung von Produkten, das Marketing und den Verkauf. Der MVNO bündelt in Abhängigkeit seiner Zielgruppe die Inhalte und Dienste in einem Tarif. Die Inhalte kommen meistens von spezialisierten Produzenten, die selber über keinen Vertriebskanal für Ihre Inhalte verfügen und trotzdem auf den Markt präsent sein wollen.
MVNOs differenzieren sich nicht nur über den Preis, sondern auch über die Inhalte und Dienste, die sie in ihren Tarifen kombinieren.
Immer mehr virtuelle Mobilfunk-Netzbetreiber (MVNO) drängen auf den Markt. Große Marken mit speziellen Zielgruppen versuchen Nischenmärkte zu besetzen. Zum Beispiel Medienunternehmen, Energieversorger, Versicherungen, Modemarken oder Automobilhersteller
Es gibt auch viele Internet-Provider, die ihre Dienste mobil machen, E-Mail und IP-Telefonie auf dem Handy anbieten und zusätzlich zum DSL-Anschluss vermarkten wollen. Die Kunden können dann auf die Dienste, wie Kalender oder Fotoalbum auch von unterwegs aus mit dem Handy zugreifen.
Manchmal trägt dieses Konzept seltsame Früchte. So werden die Handys und Karten sogar an Tankstellen oder in Supermärkten verkauft. Doch der Erlös aus dem Mobilfunkgeschäft ist für die Handelsunternehmen nur ein Mitnahmegeschäft. In den letzten Jahren sind vor allem Billiganbieter auf dem Mobilfunkmarkt aufgetaucht und haben sich regelmäßig mit neuen billigen Preisen gegenseitig Konkurrenz gemacht. In Zukunft könnten mobilfunkferne Unternehmen ihre Kunden mit zielgruppenspezifischen Themen und Diensten beliefern.

MVNO mit unterschiedlicher Wertschöpfungstiefe

Übersicht der Geschäftsmodelle im Mobilfunk aufgesplittet nach Wertschöpfungstiefe. Je nach Wertschöpfungstiefe ergeben sich verschiedene Geschäftsmodell-Typen. Deshalb ist nicht jeder MVNO gleich ein MVNO.

  Netzbetreiber
(Mobile Network Operator)
MVNO-M (typischer MVNO) Partial MVNO MVNO-E (Enhanced Service Provider) Klassischer Service Provider MVNO-B (Reseller mit Abrechnung) Reseller (Rechnung von MNO)
Sales x x x x x x x
Werbung x x x x x x  
Kundenvertrag x x x x x x  
Hardware x x x x x    
Kundenbetreuung x x x x x x  
Abrechnung x x x x x x  
SIM + Features x x x x x    
Kundenservice x x x x      
Kernnetzwerk x x x        
Rufnummern x x          
Anschlussnetzwerk x            

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