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Dc-Widerstand 75 Ohm, differenzieller 1.5 Ohm, Möglich? (Elektronik)
Trotz der hitzigen Diskussion weiter oben will ich doch mal die Frage riskieren, was denn eigentlich so schlimm daran sein soll, das Verhältnis U/I auch bei einem nichtlinearen Bauelement, wie z.B. einer Diode, als das zu akzeptieren, was es physikalisch repräsentiert- einen Widerstand! Dass dieser Widerstand in jedem Punkt der Kennlinie ein anderer ist- was solls! Eigentlich ist eher der rein ohmsche Widerstand mit einem absolut konstanten Verhältnis von U zu I ein Sonderfall- und obendrein eine Abstraktion, wenn man bedenkt, dass sich ein realer Widerstand (das Bauteil) durch Stromfluss erwärmt und sich dadurch strenggenommen das Verhältnis U zu I in Abhängigkeit von Strom und Spannung ebenfalls ändert. Auch Herr Ohm musste zur Entdeckung des nach ihm benannten Gesetzes seine Messobjekte erst auf konstanter Temperatur halten.
Außerdem ist in keinem der Beiträge auf die eigentliche Fragestellung eingegangen worden- kann der differenzielle Widerstand sehr viel kleiner sein, als der statische (also das Verhältnis U zu I im Arbeitspunkt), und wenn ja, warum?
Die Antwort lautet ja- weil beide nichts miteinander zu tun haben und durch gänzlich unterschiedliche Mechanismen bedingt sind. Im Fall einer Diodenkennlinie steigt zum Beispiel der Strom im Durchlassbereich nach einer Exponentialfunktion:I=I0[exp(aU/UT)-1]. Der Wert UT entspricht ca. 26mV, a liegt etwa bei 0,5 bis 1. Ganz klar, dass da schon eine geringe Spannungsänderung zu einer großen Stromänderung führt.
Anderes Beispiel: Stabilisierte Spannungsquelle. Differenzieller Widerstand (hoffentlich) im mOhm- Bereich, Folge der mehr oder weniger genialen Auslegung der eingesetzten Regelschaltung. Hat aber erst mal nicht unmittelbar damit zu tun, welche Spannung bei einem gegebenen Ausgangsstrom am Längstransistor anliegt.
Und noch ein Beispiel: Konstantstromquelle (z.B. im IC). Differenzieller Innenwiderstand möglichst hoch, wiederum durch geeignete Regelung erreicht. Auch hier ist es wieder von völlig anderen Gegebenheiten abhängig, welche Spannung am eigentlichen Regelglied (normalerweise ein Transistor) abfällt, um den Strom am Ausgang konstant zu halten.
In einem Punkt gebe ich hws und den anderen Postern natürlich recht- es ist absolut unüblich, mit dem statischen Widerstand zu hantieren. Komischerweise würde aber niemand eine Aussage als "krank" bezeichnen, wie z.B. "Der Arbeitspunkt des Transistors liegt bei U_CE=5V und I_C=1mA." Oder: "Bei einem Ausgangstrom von 2A fallen am Längstransistor 4V ab." Implizit steckt da doch aber auch ein Widerstand drin...
Gruß
Bernhard
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