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OPV an hochomiger Quelle (kondensator) (Schaltungstechnik)
» Hallo zusammen!
» eine Frage aus und für die Praxis:
» Ich benutze einen OP als nichtinvertierenden Verstärker. Dessen Eingang
» möchte ich von dem Rest der Schaltung galvanisch duch einen Kondensator
» trennen.
Ein Kondensator trennt nicht galvanisch, weil er lässt Wechselströme, je nach Kapazität und Frequenz ungehindert durch. Ein galvanisch trennendes Bauteil muss Gleich- und Wechselspannungen, ausser gewisser parasitärer Effekte (z.B. unvermeidliche Kopplungskapazotäten), gleichermassen isolieren. Soviel zum Thema galvanische Trennung!
» Da ich den extrem hohen Eingangswiderstand des OPs nutzen möchte,
» hängt nun mein nichtinvertierender Eingang "in der Luft", sprich ich habe
» auf den Widerstand gegen Masse (zwischen Kondensator und OP-+-Eingang)
» verzichtet. Dadurch sind natürlich die Widerstände der beiden OP-Eingänge
» gegen Masse sehr unterschiedlich.
Du hast bisher noch nicht verstanden, wie ein Operationsverstärker überhaupt arbeitet...
Was Du hier andeutungsweise schilderst, geht in Richtung Komparator, weil eine Gegenkopplung zwischen Ausgang und inv. Eingang willst Du ja nicht haben, denn Du willst der nackte extremst hohe Eingangswiderstand des invertierenden Einganges.
Nimmst Du einen LinCMOS-Opamp, bestehen auch die Eingangsstufen aus MOSFETs und das bedeutet, die Eingangswiderstände an beiden Eingängen sind innerhalb des zulässigen Gleichtaktbereich extremst hochohmig, so etwa im 1000-G-Ohm-Bereich.
Was auf gar keinen Fall funktioniert ist eine direkte kapazitive Ankopplung an die Eingänge, weil so weiss der als Komparator wirkende Opamp nicht was er tun sollte und der Ausgang wirkt chaotisch zwischen etwa den extremen Maximalspannungen der Betriebsspanung.
» Die Frage ist, erhalte ich nur eine mehr oder weniger große
» Offsettspannung, oder geht das gar nicht?
Also jetzt noch einmal zum extrem hochohmig beschalteten Komparator. Du kannst diese Eingaenge extrem hochohmig an Spannungsquellen ankoppeln. In diesem Fall muss die Schaltung allerdings in einer Metallbüchse (verbunden mit dem GND der Speisung) abgschirmt sein, weil sonst die umgebenden E-Felder der Schaltung keinen Gefallen tun.
Nun kannst Du bei diesem Experiment diese beiden extrem hochohmigen Widerstände zwischen den beiden Eingängen und GND (bei symmetrischer Speisung) anschliessen und die Offsetspannung am Ausgang messen, wenn sie nicht bereits so hoch ist, so dass die Ausgangsspannung in die Sättigung geht. Die Offetspannung resultiert aus den Offsetströmen (siehe Datenblatt), den extrem hohen beschalteten Widerständen und der offenen Schlaufenverstärkung des Opamp, der irgendwo bei einigen 100'000 liegt.
» Gibt es dazu einen Text hier im
» Kompendium - habe gesucht, aber nichts dazu gefunden.
Das leuchtet ein, weil Du hast im Grunde nach einem Phantom gesucht. Das was Du "erfinden" wolltest, gehört schon eher in den Bereich der Märchen und Fabeln. In der Realität gibt aber keine Froschkönig-Schaltung...
Mein Tipp: Befasse Dich zu allererst mit Grundlagen des Operationsverstärkers und erlebe ihn durch selbst realisierte Experimente. Das ELKO bietet Dir einiges dazu.
Und ganz zum Schluss: Das eigentlich Phanatstische liegt in der Realität.
Ich habe da einiges geschrieben. Ich hoffe es hilft Dir. Mehr Zeit werde ich dafür nicht investieren.
--
Gruss
Thomas
Buch von Patrick Schnabel und mir zum Timer-IC NE555 und LMC555:
https://tinyurl.com/zjshz4h9
Mein Buch zum Operations- u. Instrumentationsverstärker:
https://tinyurl.com/fumtu5z9
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