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Was versteht man unter In--Circuit Prüfung? (Elektronik)

verfasst von cterm(R), 31.07.2008, 14:01 Uhr
(editiert von cterm am 31.07.2008 um 14:06)

» Kann mir jemand sagen was man genau unter In--Circuit Prüfung versteht??

Also rein vom Wortstamm her heißt das nur, dass an einer fertigen Schaltung Messungen vorgenommen werden. Das ist in der industriellen Fertigung gang und gebe, man überlegt sich Prüf- und Messverfahren, bei der man einzelne Komponenten im eingebauten Zustand in einer Schaltung prüfen kann.

Da gibt es die unterschiedlichsten Varianten, bei denen Komponenten, (sprich elektronische Bauteile=Transistoren, ICs, Kondensatoren, Widerstände etc. oder auch ganze Baugruppen z.B. gekapselter Tuner oder Display), innerhalb Schaltung auf Funktionsfähigkeit geprüft werden können, die Angelegenheit ist insofern anspruchsvoll, als dass man nicht immer ein komplett funktionsfähiges Gerät überprüfen kann, sondern u.U. nur eine teilbestückte Platine, vor allem verhält sich ein Bauteil das mit vielen anderen auf einer Platine zusammengeschaltet ist auch ganz anders als wenn man das ausgebaute Einzelbauteil mit einem Komponententester, (z.B. LC-Meter, Widerstandsmesser oder Transistortester), prüfen würde.

Ich erinnere mich, da gab es Anfang der 90er mal so ein sündhaft teures Gerät, mit dem auch Endkunden universelle InCircuit Prüfungen vornehmen konnten, (hätten sollen können?). Angeblich wurde dieses Gerät auch auf amerikanischen Atom-U-Booten verwendet. Im Prinzip handelte es sich dabei um einen PC im Rackgehäuse der mit einigen AD und DA Wandlern, einer speziellen Software und jeder Menge Anschlusskabel und vielpoligen Klemmadaptern bestückt war. Die Klemmadapter konnte man an beliebigen Stellen einer zu prüfenden Platine anbringen z.B. an einem DIL-IC-Gehäuse. Danach musste man das Gerät "einlernen", d.h. die Software legte automatisch kleine Spannungen an die Klemmadapter an und nahm Kennlinien auf, welche dann als Profil der Schaltung abgespeichert wurden. So hatte man dann das Profil einer funktionierenden Schaltung und konnte andere andere Platinen damit vergleichen, (gleiches Kennlinienprofil --> Schaltung ist ebenfalls in Ordnung). Die Idee bestand nun darin, nicht nur Profile von einwandfreien Schaltungen zu erstellen, sondern auch von defekten Schaltungen bei denen man den Fehler bereits händisch identifiziert hatte. So entstand dann eine Art Fehlerdatenbank, mit der auch ein "Nichtfachmann" eine komplexe Schaltung innerhalb von Sekunden auf bestimmte häufig auftretende Fehler überprüfen konnte oder eben ausschließen konnte, dass es sich um einen bekannten Fehler handelte, sondern um einen den nur ein "echter" Fachmann beheben konnte. Theoretisch eine gute Idee, praktisch krankte zumindest dieses Gerät daran, dass man nur ein bisschen an den Klemmadaptern wackeln musste und schon schossen die Kennlinien in alle Richtungen davon, was das Arbeiten damit irgendwie zur Glückssache machte, (ich glaube jedenfalls nicht, dass das Teil heute noch irgendwo im Einsatz ist).
In der industriellen Fertigung ist das weniger ein Problem, da für jede Prüfung spezielle Testcases ausgearbeitet werden, die dann automatisiert abgearbeitet werden können, auch ist man schon längst dazu übergegangen relevante Prüfkontakte, die maschinell leicht zugänglich sind, bereits beim Layout zu berücksichtigen, dazu kommt, dass heutzutage in fast jeder Consumerschaltung Microcontroller arbeiten, die je nachdem, wie wichtig das dem Hersteller ist, mehr oder weniger ausgeklügelte "InCircuit"-Selbstdiagnosen durchführen können.



Gesamter Thread:

Was versteht man unter In--Circuit Prüfung? - michaell, 31.07.2008, 02:51 (Elektronik)
Was versteht man unter In--Circuit Prüfung? - cterm(R), 31.07.2008, 14:01