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Hobby zum Beruf? (Elektronik)
» mein Hobby und meine Leidenschaft habe ich der Elektronik gewidmet. Ich
» weiss nicht, ob es immer richtig ist ein Hobby zu einem Beruf zu machen.
» Bisher war ich mir da immer sicher, doch irendwann bin ich an die Stelle
» der Unsicherheit gekommen.
Auch ich bin über meine Hobbys zum Beruf gekommen.
Nach deutlich über 30 Jahren muß ich aber dazu sagen, daß ich in der Zwischenzeit so weit von meinen initialen Vorstellungen wegkam, wie ich es mir nie hätte träumen lassen.
Erst seit ein paar Jahren kann ich, dank der Tatsache, daß ich selber nun mein Aufgabenfeld bestimme, wieder dahin zurück, wo ich immer hin gewollt hab.
Zwischendurch hieß es Kröten schlucken, je "frischer" man irgendwo reinkam, desto mehr Kröten. Du machst zuerst all den undankbaren Kram, den keiner der Etablierten machen will.
Ich kam dabei vom Höckchen auf´s Stöckchen, ganz weg von der Elektronik (und später wieder hinein) in die mir nach und nach - nach Anfangseuphorie - immer mehr verhaßte trashige, weil von jedem 5.Klässler zu handelnde, Popel-PC-Welt. Jeder dieser Hypes zeitigt Folgen in den Entwicklungslaboren der Elektronik, was nicht unbedingt ein fröhliches Ereignis sein muß.
Das ganze Geschäft hat nur noch wenig mit klassischer Elektronik, der Elektronik die sich der Elektronik-Bastler vorstellt, zu tun. Und was willst du auch löten an SMD-Ameisen, die du mit bloßem Auge kaum mehr siehst und die ein paar Schlitzaugen für ein hundertstel deines ZE-Satzes zusammenkloppen.
Vergiß also schonmal komplett die Vorstellung, das du als studierter Elektrotechniker einen Lötkolben in der Hand hältst und ein Fliwa-Fahrlauf zusammenlötest. Das kann sich höchstens Daniel Düsentrieb erlauben, du aber wirst im Idealfall ein Pflichtenheft auf den Tisch geworfen bekommen, das du vom grünen Tisch aus durchzuziehen hast und im nicht idealen Fall an irgendeinem untergeordneten Winzigteil eines Großprojekts herum delegieren, dessen Gesamtzusammenhang du nie zu sehen bekommen wirst.
» Ich weiss, dass hat jetzt nicht direkt etwas mit der Elektronik zu tun,
» aber vielleicht ist es Jemandem genauso ergangen wie mir. Bitte teilt mir
» eure Erfahrungen oder Ratschläge mit.
Naja, im Endeffekt und obige Negativerfahrungen ausgenommen, hab ich immer genau meinen gewünschten Weg versucht einzuhalten, heute steht der Lötkolben wieder auf meinem Tisch, allerdings hat er eine Nischen-Existenz. Das Hauptwerkzeug ist heutzutage leider der schnöde blöde Rechenknecht.
» Dann habe ich noch eine Frage, ich habe nach Studiengängen im Bereich
» Elektronik gesucht, jedoch nur Studiengänge zur Elektrotechnik,
» Anlagenautomatisierung usw. gefunden. Gibt es reine Elektronikstudiengänge
» oder wenigstens solche, die die Elektronik als Schwerpunkt beinhalten?
Nein, sind mir zumindest nicht bekannt.
Zusätzlich zum ganz richtig von HWS dargelegten "Lernen des Lernens", gibt es im Prinzip nur die relevante Grobeinteilung Automatisierung/Nachrichtentechnik
Früher, zu meiner Zeit, haben die Lötkolbenschwinger dabei die Nachrichtentechnik vorgezogen, aber wie sieht denn die heutige Nachrichtentechnik aus? Kaum noch dicke Sendetrioden mit der 500w-Lötlampe an meterhohe Spulensätze löten, keine Kompressoren in Kommunikationsanlagen löten (gut das machen so und so nicht die Ings, aber so kann man es plakativ darstellen) Heute ist alles unsichtbar winzig, man kann es in die Brusttasche stecken (Handy) und es kommt aus den Kinderausbeuter-Fabriken irgendwo im Wald von Taiwanesien. Da kannst du den Lötkolben nicht mehr gebrauchen.
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Gruß Jogi - Es ist bereits alles gesagt, nur noch nicht von Jedem.
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