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Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? (Elektronik)

verfasst von Jogi(R), Da, 04.02.2008, 11:02 Uhr

» Du übertreibst schon reichlich, Jogi! Techniker sind deswegen gefragt,
» weil ihr Wissen gefragt ist. Deswegen wurden erst vor wenigen Jahren die
» "Kommunikationselektroniker"- Berufe geschaffen. Für das, was Du da so
» süffisant umschreibst, braucht die Industrie keine Techniker, und dann
» wären techniksche Fachkräfte auch nicht Mangelware.

Das Wissen gefragt ist steht außer Debatte, aber das Wissen soll von anderen in die Köpfe gesteckt worden sein und es soll unterpreisig verfügbar sein.
Stichwort: der Zwanzigjährige Neuzugang mit einer Lohnforderung unterhalb der der Klofrau und 30 Jahren Berufserfahrung, das alles ohne Weihnachtsgeld, ohne Urlaubsgeld und jederzeit Tag und Nacht zur Tat bereit.

Betriebsinterne Ausbildung und Firmenbindung wie es früher die Regel war, Fehlanzeige. Wir hatten damals bei Siemens noch eigene riesengroße betriebsinterne Ausbildungszentren. Es wurde von der firma für die Firma ausgebildet, die Leute wurden am Ende übernommen, hatten Anschlußverträge fertig in der Tasche, mit guter Bezahlung, mit guten Sozialleistungen.

Sowas kennt man heute garnicht mehr, Hire & Fire, nicht ausbilden wollen aber gut ausgebildete Leute haben wollen, teils lächerliche Bezahlung usw.

» Das Probelm ist, das viele Techniker ihren Beruf falsch verstehen. Sie
» stehen z. B. bei Vobis oder Conrad hinter der Verkaufstheke, und ihr
» Hauptziel ist, zu verkaufen- egal was und an wen. Da wird der Fachverstand
» auch schon mal für ein paar Jahre abgeschaltet- und wenn er dann gebraucht
» wird, ist kaum etwas davon übrig (Conrad ist dafür berüchtigt).

Das mag ich nicht in Abrede stellen, jeder kennt sie wohl aus leidvoller Eigenerfahrung die Thekenmannschaften bei Hinz und bei Kunz.

» Aber es gibt einen Haufen Techniker in den Service-Centern (z. B. von Sony
» oder Phillips oder wo auch immer), wo sie immer noch Transistoren aus
» SMD-Platinen auswechseln. Davon sieht Otto-Normaluser natürlich nix. Er
» wundert sich nur, daß er seinen Walkman heile wiederbekommt.

Ich weiß nicht wieviel du über Abläufe in Service-Centern weißt, und um diese dreht es sich ja dabei. Aber man sollte die Illusion aufgeben, daß da eine Elite hochstirniger, bebrillter Einser-Absolventen Kleinstteile auf SMD-Leiterplatten auslöten.
Ich habe nicht nur in solchen Centern am Lötplatz gearbeitet (gejobt), sondern bei einigen der Größeren in D sowie bei den Europa-Zentralen einige dieser Abteilungen aufgebaut, geleitet und die ISO90ff eingepumpt. Ich kann dir nur sagen, daß dort kein Mensch an minder werthaltigen Leiterplatten herumlötet, die werden komplett getauscht und die defekten geshreddert. Fehlererkennung geschieht im Fließbandtakt, eine ZE (10min) Maximalzeit und das auch nur bei wertigen Teilen (Notebooks, TV-Monitor-Mainboards usw.). Wer danach den Fehler nicht hat, tritt im Büro des ATL an und macht er das eine Woche lang so, dann geht morgens die Tür nicht mehr für ihn auf (Magnetkarte gesperrt).
Die Bezahlung liegt in etwa auf dem Niveau eines mittelmäßigen Industriearbeiters. Wenn man Betriebe mit eigener Prod ansieht, so hat der Schrauber in der Prod. der die Teile zusammenkloppt mit seinen Zulagen sogar deutlich mehr als der nebenan im Service-Center, der nach genauer Anleitung, ohne jeglichen Ermessensraum Serien- und Standardfehler nach Bilschirmvorlage-Bildchen abstellt oder wenn es so nicht geht, das Teil in die Schrottkiste legt.

» Es ist nicht Aufgabe der Politik, den Arbeitskräftemangel der Industrie zu
» beheben. Den hat die Industrie selbst verursacht, also soll sie sich selbst
» darum kümmern!

Das sollte man auch nicht so verstanden haben. Es ist Aufgabe der Politik, die Mittel, die Möglichkeiten und die Chancen für den Einzelnen verfügbar zu stellen, sich eine möglichst gute Grundvoraussetzung und Einsteigerbildung für eine dann in der Industrie durchzuführende Ausbildung, zu erringen.
Ebenso ist es Sache der Politik lenkende, flankierende Maßnahmen durch die eingesetzen Staats-Mittel und Subventionen zu einzuleiten. Heute wird den Unternehmen das Steuergeld in den Hintern gepustet und nichtmal ein ordentliches Subventionsmanagement durchgeführt (siehe Schartau und Nokia).

--
Gruß Jogi - Es ist bereits alles gesagt, nur noch nicht von Jedem.



Gesamter Thread:

Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - Rafael, 01.02.2008, 15:59 (Elektronik)
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - Patrick Schnabel(R), 01.02.2008, 16:34
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - Elektronix(R), 01.02.2008, 17:06
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - schaerer(R), 01.02.2008, 18:09
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - ollanner(R), 01.02.2008, 19:01
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - Jogi(R), 03.02.2008, 12:50
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - Elektronix(R), 03.02.2008, 21:20
Elektroniker Für geräte und systeme Beruf ohne Zukunft? - Jogi(R), 04.02.2008, 11:02
Hallo Schäuble !!!!!!!!!!!!!!!!!! - ollanner(R), 05.02.2008, 18:45