Forum
Gitarrenverstärker (Elektronik)
» Hi,
»
» ich schließe mich mal Jogi an - warum soll es denn kein Röhrenverstärker
» sein?
»
» Mal ne Grundüberlegung:
» Wenn du mit dem Selbstbau billiger sein willst als mit nem käuflichen
» Verstärker - dann pack ganz schnell wieder ein - klar,kannst Du dir ne
» einfache Vor- und Klangregelstufe, plus 20-50W Endstufe mit nem billigen
» "sogenannten" Gitarrenlautsprecher von Conrad zusammenschustern.
» Aber dafür legst du insgesamt mit Bauteilen, Transformator, Lautsprecher,
» Holz, Bezug oder Lack usw mal locker an die 100€ hin. Mit nem Sound, der
» "brechen" sein wird. Für den Preis bekommst du auch fertige
» Verstärker-Kombos (auf denen nicht Gitarrenverstärker steht) und die
» genauso unschönes "Geräusch" produzieren.
»
» Bessere vertige Gitarrenverstärker haben kompliziertere Schaltungen, die
» eben die typischen linearen Transitorverstärkungen umgehen - aber eben
» nicht die unschönen "Silizium-Verzerrungen" erzeugen, sondern einen
» Röhrensound zumindest "simulieren".
» Solche Schaltungen habe ich imInternet und auch in diversen Büchern nicht
» entdecken können. Sowas lohnt sich nur für den professionellen Hersteller,
» der vernünftig klingende "Billichproduktion" machen will.
»
» Lies dich mal etwas in die Materie ein - ich habe meinen selbstgebauten
» Amp angelehnt an die Ideen aus dem Buch "Gitarrenverstärker selbstgebaut"
» von Gerhard Haas - das Buch ist nicht uneingeschränkt zu empfehlen, aber
» man kann zumindest viel draus lernen und viele Schaltungen
» verwenden/verändert verwenden.
» Haas arbeitet aber auch mit Röhrenverstärkern.
»
» Heutzutage würde ich zumindest empfhelen, in den Vorstufen mindestens eine
» Röhre einzusetzen. Klangregelung kann man über OPs realisieren - das ist
» günstiger, wartungsärmer und bietet letztlich mehr möglichkeiten aktiv zu
» filtern - bei geringerem Platzbedarf.
»
» Verzerrerstufen sollten UNBEDINGT mit Röhren realisiert werden - klar kann
» man auch mit OPs, Transis und Dioden experimentieren - aber die schönen
» "singenden" Solo-Sounds kriegt man nur mit Röhre oder aufwändiger
» Spezialschaltung (oder digital) hin...
»
» Die Endstufe kann dann je nach EInsatzzweck ruhig wieder Transi sein -
» auch wenn Röhre etwas schöner ist.
»
» Vorteil der Röhre: Die endstufe ist weniger linear und die Gitarre (deren
» Klangkörper ja der verstärker ersätzen muss) klingt wärmer. Das macht in
» der Endstufe aber nicht mehr soo viel aus - grade mit Röhren kann man
» wieder sehr lineare Ensdstufen bauen.
» Wichtiger ist, dass man seine Röhrenendstufe (wenn man sie voll aufdreht)
» ins "clipping" fahren kann - d.h. sie müsste stärker verzerren als sie
» eigentlich kann - dadurch wird das Signal "abgeschnitten" - und das ist
» bei Röhren halt nicht "eckig" und schrill wie bei Transis sondern eben
» "abgerundet" und weich. Das Problem dabei ist, dass du mit nem
» 30W-Verstärker im Clipping-Bereich und nem Guten Lautsprecher zuhause bald
» Ohrenkrebs und ne Räumungsklage am Hals hast - mit nem 2-5W-Verstärker im
» Clipping (wüsste keine Endstufenröhre die da geeignet wär) aber nur
» zuhasue was anfangen kannst - im Probenraum oder auf der Bühne gehts Du
» aber gnadenlos unter...
»
» Naja und wenn man sich aus diesem Frund dafür Entscheidet, dass der Sound
» eben in den Vorstufen bzw im Effektgerät entstehen muss, weilman eben
» seltener/nie ins Clipping fahren kann, dann kann man auch die
» Transi-Endstufe nehmen - die darf dann aber NUR im linearen Bereich
» betrieben werden, sonst klingts grausig...
»
» Gruß
» Carsten
Hier bleibt kaum noch Raum, es besser und verständlicher darzulegen, Carsten, deshalb will ich nur noch einen Punkt anmerken.
Du schreibst über eine Hybridanordnung, Röhren-Vorstufe, Sand-Endstufe.
Diese Lösung halte ich, im Gegensatz zu vielen Altgelehrten, für gut und auch relativ leicht realisierbar. Man spart sich den, gerade Anfänger abschreckenden, Ärger mit dem Ausgangsübertrager usw.
Es gibt dazu auch ein gut geeignetes Endstufen-IC, gerade im rauhen Einsatz wird es sich mit Überleben der Übersteuerungstorturen bedanken, nämlich das TDA2030/40. Thermoschutz, SOAR-Schutz usw. halten das Ding auch unter Streß gut am Leben.
Hinzu kommt der Vorteil des Softclipping. Der Chip geht so sanft in die Begrenzung, vermeidet dabei k3 und bevorzugt k2, daß ich ihn getrieben von einer Röhrenvorstufe, für eine Idealbesetzung halte.
Der "Drive" kommt aus der Vorstufe, die Endstufe ist im Aufbau unkritisch und die Verzerrungen beschränken sich auf die gewollten, gern gehörten geradzahligen Harmonischen.
Btw. sowas müßte man mal mit diesen niedlichen kleinen Russinnen aufbauen, als Übungsverstärker für die Jackentasche, viel Raum nimmt so ein Hybride dann nicht ein ![]()
--
Gruß Jogi - Es ist bereits alles gesagt, nur noch nicht von Jedem.
Gesamter Thread:
