IPv6-Multihoming und -Renumbering

Das Multihoming und Renumbering bei IPv6-Netzwerken basiert darauf, dass ein IPv6-Host mehrere IPv6-Adressen haben kann. Unter anderem auch mehrere globale Adressen und davon auch mit unterschiedlichen Präfixen, die ein Host von mehreren Routern per SLAAC bzw. Router Advertisement bekommt.
Multihoming bedeutet in dem Fall, dass ein Host in mehreren IPv6-Netzwerken zu Hause ist, obwohl es physikalisch das selbe Netz ist.
Bei Renumbering geht es darum, einen, mehrere oder alle IPv6-Hosts im laufenden Betrieb in ein anderes IPv6-Netzwerk (Änderung des Präfixes) umzuziehen.

Wenn ein IPv6-Host mehrere globale Adressen mit unterschiedlichen Präfixen hat, dann stellt sich natürlich die Frage, welche davon verwendet er für ausgehende Verbindungen. Und dann stellt sich noch die Frage, welches Standard-Gateway verwendet der Host für ausgehende Verbindungen. Hierbei stellt sich wiederum die Frage, wie ein Provider-Netz darauf reagiert, wenn es IPv6-Pakete mit ihm unbekannten Absender-IPv6-Adressen von seinen Kunden-Anschlüssen routen soll.

Multihoming

Ein an einem lokalen Netzwerk angeschlossenes Interface gilt dann als "multihomed", wenn es mehrere globale IPv6-Adressen hat, die unterschiedliche Präfixe aufweisen. Das heißt, dass das lokale Netzwerk über mehrere ISPs an das Internet angebunden ist. Dabei haben die Interfaces Adressen von jedem beteiligten ISP. Dies dient nicht nur der Redundanz. Es kann auch durch die Wahl der Absenderadresse der verwendeten Provider bestimmt werden.

Bei der automatischen Ermittlung des Standard-Gateways kann ein Host auch mehrere Präfixe erhalten und damit auch mehrere IPv6-Adressen beziehen.
So ist es möglich, dass mit IPv6 ein lokales Netzwerk über mehrere Provider am Internet angebunden ist. Das vereinfacht das Umziehen von Netzen und kann genutzt werden, um eine höhere Ausfallsicherheit zu erreichen. Wenn eine Netzanbindung ausfällt, dann wählen die Hosts einfach die alternative Route.

Renumbering

Die Mechanismen zur "stateless" Autokonfiguration erlauben das Hinzufügen und Entfernen von Netzpräfixen und somit die Rekonfiguration eines Netzwerks im laufenden Betrieb.
Dank Renumbering lässt sich ein Interface relativ einfach mit neuen Adressen bestücken. Sei es um ein neues Adressschema einzuführen oder den Provider zu wechseln. Ein Interface wird in einen multihomed-ähnlichen Zustand gebracht. Gleichzeitig lässt man die Gültigkeit der alten Adressen langsam auslaufen.
Dazu kann man mehrere Netzzugangsrouter unterschiedlich Konfigurieren. Über Router Advertisements kann ein Router sagen "priorisiere mich" und ein anderer Router "benutze mich nicht". Auf diese Weise kann man einen neuen Router in Betrieb und einen anderen außer Betrieb nehmen. Kleine SoHo-Router können das natürlich nicht.

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