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einstellbare analoge Netzteile allgemein (Schaltungstechnik)

verfasst von Sel(R), Radebeul, 11.04.2019, 09:17 Uhr

Hallo,

hier im Forum ist ja inzwischen viel zu analogen Netzteilen geschrieben worden.

Problematisch sind immer wieder die gleichen Komponenten und Eigenschaften:
- Netztrafo
- Kühlung
- Stabilität
- Rauschen
- Störfestigkeit

Wogegen bei der Schaltung und der Dimensionierung sich so ziemlich sich ein Standard gebildet hat. Je nach eingesetzter Technik sind natürlich Anpassungen nötig.

Beim Netztrafo muß immer ein Kompromiß eingegangen werden. Oder es bleibt nur die Einzelanfertigung. Ich bin dazu übergegangen (bin auf handelsübliche Trafos angewiesen) dann für die Hauptspannung einen Trafo vorzusehen, die Hilfsspannung aber mittels separaten Trafo(s) bereitzustellen. Manchmal ist in Bezug auf Störsicherheit eine galvanische Trennung von Haupt- und Hilfsspannung von Vorteil. Auch sind spezielle Trafos überflüssig. Die Verwendung von einer getakteten Stromversorgung kann so viele zusätzliche Probleme bereiten, das man vielleicht darauf verzichtet.

Häufig bestimmt die Kühlung der Leistungshalbleiter die tatsächliche Größe des Netzteiles. Eine Aktivkühlung bringt Vorteile, aber auch Lautstärke. Den Kühlkörper außerhalb des Gehäuses anzubringen macht Sinn, solange er dort nicht stört oder (je nach Spannung) keine Gefahr darstellt. Der "spannungslose" externe Kühlkörper erfordert jedoch eine elektrisch isolierte Montage der Leistungshalbleiter, was wiederum größere Kühlkörper erfordert (Übergangswiderstand für Wärme Halbleiter-Kühlkörper wird höher).

Das Rauschen des Netzteiles wird durch die Bauelemente verursacht. Hier kann man sich geeignete Bauteile aussuchen. Auch das Layout der Schaltung macht sicher was aus. Jedoch glaube ich, das gerade im "Bastelbereich" dieser Punkt (Rauschen) relativ vernachlässigt werden kann.

Die Störfestigkeit ist eher anwendungsbedingt. Was schließt man eben ans Netzteil an? Sinds große Elkos oder Batterien (Rückstrom), eine störende Digitalschaltung (HF-Störungen), große Lastsprünge (Leistungsverstärker), nur um Beispiele zu nennen.

Die Stabilität ist auch so eine Sache. Meistens sinds Laborbuchsen als Ausgangsklemmen. Bis zu diesen Buchsen ist alles ok, danach kommen viele Übergangswiderstände dazu, welche die eigentliche Stabilität des Netzteiles in Frage stellen. Lösbar ist das mittels Vierdrahtleitung, das lohnt sicher nur bei hohen Strömen. Außerdem wird die Stabilität der Ausgangsspannung selten bei Lastsprüngen überprüft. Dort wird aber die Schaltung des Netzteiles extrem gefordert.

Letztendlich stellt sich noch die Frage: Braucht man das überhaupt? Reicht nicht auch ein einfaches stabilisiertes Netzgerät mit (ungefähr) durchschnittlichen Eigenschaften? Also weitab der (angeblich) guten Daten der kaufbaren Netzgeräte?

Wenn eine selbst gebaute Platine am guten Netzgerät funktioniert, heißt das noch lange nicht das diese Schaltung in der Praxis läuft. Also vielleicht an einem einfachen Steckernetzteil oder mit Batterien. Natürlich will man beim Selbstbau schon zu Beginn gewisse Fehlerquellen ausschließen (eben Netzteil). Doch wo ist da die Grenze? Für genaue Stromversorgung braucht man selten hohe Leistungen, also kann man sich auch eine Referenzspannungsquelle dafür bauen. Ein Netzteil mit vielen Amperchen muß nicht unbedingt regelbar sein, also reichen Festspannungen (dafür gut abgesichert). Wenn man wirklich mal eine empfindliche Schaltung baut, dann bekommt diese ohnehin ein eigenes Netzteil, wozu braucht an dann ein noch besseres Labornetzteil?

Ein sehr gutes Labornetzteil rechtfertigt sich doch eigentlich nur (im Bastelbereich) bei ständiger Verwendung für hochwertige Baugruppen. Doch dann braucht man schnell einen etwas umfangreicheren Meßgerätepark, da fällt der Preis für ein gutes Netzteil nicht ins Gewicht. Oder man spezialisiert sich auf Reparaturen, das kann ebenfalls ein hochwertiges Netzteil erfordern.

Fazit: Bin ich eben nur mit einfachem Multimeter, Oszi, Generatoren.... ausgestattet, dann reicht sicher auch ein einfaches Netzteil mit eben durchschnittlichen Eigenschaften. Diese werden sicher besser sein als die der kaufbaren Billignetzteile. Gerade in Bezug auf dauerhafter stabiler Leistungsabgabe.

Ist meine Weltanschauung falsch?

LG Sel

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Ich bin ein Elektronikbastler, der nur durch Schmerzen begreift, was schlauere Leute im Forum an Wissen vermitteln können.



Gesamter Thread:

einstellbare analoge Netzteile allgemein - Sel(R), 11.04.2019, 09:17 (Schaltungstechnik)
einstellbare analoge Netzteile allgemein - Hartwig(R), 11.04.2019, 10:18
einstellbare analoge Netzteile allgemein - bigdie(R), 12.04.2019, 12:33
einstellbare analoge Netzteile allgemein - Sel(R), 12.04.2019, 13:27
einstellbare analoge Netzteile allgemein - matzi682015(R), 12.04.2019, 22:54
einstellbare analoge Netzteile allgemein - matzi682015(R), 12.04.2019, 22:48
einstellbare analoge Netzteile allgemein - bigdie(R), 16.04.2019, 17:15